Manufacturing Glossar zu OEE, MES & Produktion – SYMESTIC

CSRD und CO2-Reporting in der Produktion: Anforderungen, Daten und Umsetzung

Geschrieben von Symestic | Feb 26, 2026 12:04:25 PM

Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ist eine EU-Richtlinie die Unternehmen zur umfassenden Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet. Sie löst die bisherige Non-Financial Reporting Directive (NFRD) ab und weitet den Kreis der berichtspflichtigen Unternehmen erheblich aus. Für produzierende Unternehmen ist die CSRD keine abstrakte Compliance-Pflicht – sie stellt konkrete Anforderungen an Produktionsdaten, Energiemessung und CO2-Bilanzierung die ohne belastbare Shopfloor-Daten nicht erfüllbar sind.

Wer ist betroffen und ab wann?

Die CSRD tritt gestaffelt in Kraft. Große kapitalmarktorientierte Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden berichten ab dem Geschäftsjahr 2024. Alle anderen großen Unternehmen – definiert als mindestens zwei der drei Kriterien: mehr als 250 Mitarbeitende, mehr als 50 Millionen Euro Umsatz, mehr als 25 Millionen Euro Bilanzsumme – berichten ab dem Geschäftsjahr 2025. Börsennotierte KMU folgen ab 2026, mit vereinfachtem Standard.

Für den produzierenden Mittelstand bedeutet das: Wer zwei der drei Schwellenwerte überschreitet, ist ab 2025 berichtspflichtig. Wer als Zulieferer eines berichtspflichtigen Unternehmens tätig ist, bekommt Datenanfragen entlang der Lieferkette – auch wenn das eigene Unternehmen noch unterhalb der Schwelle liegt.

Was berichtet werden muss: Die ESRS-Standards

Die inhaltlichen Anforderungen der CSRD werden durch die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) definiert. Für Produktionsunternehmen sind insbesondere relevant:

ESRS E1 – Klimawandel ist der umfangreichste Standard. Er verlangt die Offenlegung von Treibhausgasemissionen nach Scope 1, 2 und 3, Klimazielen, Transitionsplänen und physischen Klimarisiken. Für Produktionsunternehmen ist das der Kern: Wie viel CO2 emittiert die eigene Fertigung, und wie entwickelt sich das?

ESRS E2 – Umweltverschmutzung betrifft Emissionen in Luft, Wasser und Boden – relevant für Metallverarbeitung, Oberflächenbehandlung und chemische Prozesse.

ESRS E5 – Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft adressiert Materialeffizienz, Abfallmengen und Recyclingquoten – direkt messbar am Shopfloor.

ESRS S1 – Eigene Belegschaft betrifft Arbeitsbedingungen, Qualifikation und Diversität der eigenen Mitarbeitenden.

CO2-Reporting in der Produktion: Was Scope 1, 2 und 3 bedeuten

Die Treibhausgasbilanz folgt dem GHG Protocol und unterscheidet drei Scopes.

Scope 1 umfasst direkte Emissionen aus eigenen Quellen: Gasverbrennung in Produktionsöfen, Dieselverbrauch eigener Fahrzeuge, Prozessemissionen. Diese Daten kommen direkt aus der Produktion und erfordern Zähler und Messsysteme am Shopfloor.

Scope 2 umfasst indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie – vor allem Strom und Wärme. Entscheidend ist der Strommix: Wer mit Ökostrom produziert, hat einen niedrigeren Scope-2-Fußabdruck. Energiemonitoring auf Linien- und Maschinenebene ist die Datengrundlage.

Scope 3 umfasst alle vor- und nachgelagerten Emissionen in der Lieferkette – eingekaufte Materialien, Logistik, Nutzung und Entsorgung von Produkten. Das ist der komplexeste Teil: Tier-1-Lieferanten bekommen CO2-Datenanfragen von OEMs, weil diese ihren eigenen Scope-3-Footprint berichten müssen. Wer die CO2-Intensität seiner Produkte nicht kennt, kann diese Anfragen nicht beantworten.

Warum Produktionsdaten die Grundlage sind

Das CSRD-Reporting ist kein Finanzthema das die Buchhaltung löst – es ist ein Datenproblem das am Shopfloor beginnt. Folgende Daten müssen aus der Produktion kommen:

Energieverbrauch je Maschine, Linie und Auftrag für die Scope-1- und Scope-2-Bilanzierung. Materialverbräuche und Ausschussmengen für Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft. Produktionsmenge je Auftrag und Artikel für die Berechnung produktbezogener CO2-Intensitäten. Stillstandszeiten und Auslastungsgrade weil Leerläufe Energie verbrauchen ohne Output zu erzeugen.

Wer diese Daten nicht systematisch erfasst, behilft sich mit Schätzwerten und Hochrechnungen – was im Rahmen der verpflichtenden externen Prüfung des CSRD-Berichts zunehmend problematisch wird. Die CSRD schreibt ab 2026 eine begrenzte externe Prüfung (Limited Assurance) vor, die schrittweise zur vollständigen Prüfung (Reasonable Assurance) ausgebaut wird.

Ein MES das Maschinendaten, Energiezähler, Auftragsdaten und Materialverbräuche in Echtzeit erfasst und historisiert, ist die operative Grundlage für ein belastbares CSRD-Reporting – nicht als Reporting-Tool selbst, sondern als verlässliche Datenquelle die Auswertungen auf Produkt-, Linien- und Werksebene ermöglicht.

Doppelte Wesentlichkeit: Was das für Produktionsunternehmen bedeutet

Die CSRD führt das Prinzip der doppelten Wesentlichkeit ein. Unternehmen müssen nicht nur berichten wie Nachhaltigkeitsrisiken ihr Geschäft beeinflussen (finanzielle Wesentlichkeit), sondern auch wie ihre Geschäftstätigkeit Umwelt und Menschen beeinflusst (Impact-Wesentlichkeit).

Für Produktionsunternehmen heißt das konkret: Energieverbrauch, Emissionen, Lärm, Abwasser und Arbeitsbedingungen am Shopfloor sind berichtspflichtig – nicht weil sie das Geschäft gefährden, sondern weil sie relevante gesellschaftliche Auswirkungen haben.

FAQ

Wann muss ein mittelständisches Produktionsunternehmen mit 300 Mitarbeitenden und 60 Millionen Euro Umsatz berichten? Dieses Unternehmen erfüllt zwei der drei Kriterien für ein großes Unternehmen und ist ab dem Geschäftsjahr 2025 berichtspflichtig – erstmals also im Bericht der im Jahr 2026 veröffentlicht wird. Die Vorbereitung sollte spätestens 2024 begonnen haben, da Vergleichsdaten aus dem Vorjahr benötigt werden.

Muss der CSRD-Bericht extern geprüft werden? Ja. Ab dem ersten Berichtsjahr ist eine begrenzte Prüfung (Limited Assurance) durch einen Wirtschaftsprüfer oder einen zugelassenen Nachhaltigkeitsprüfer verpflichtend. Ab 2028 ist eine vollständige Prüfung (Reasonable Assurance) vorgesehen. Das bedeutet: Schätzwerte und nicht belegbare Annahmen werden zunehmend nicht akzeptiert.

Was ist der Unterschied zwischen CSRD und ESG-Reporting? ESG (Environmental, Social, Governance) ist ein Oberbegriff für Nachhaltigkeitskriterien der von Investoren und Ratingagenturen verwendet wird. CSRD ist die EU-Rechtspflicht zur strukturierten Nachhaltigkeitsberichterstattung nach den ESRS-Standards. Ein CSRD-Bericht ist ein ESG-Bericht – aber nicht jeder ESG-Bericht erfüllt die CSRD-Anforderungen.

Wie hängen CSRD und LkSG zusammen? Das LkSG verpflichtet zu aktivem Handeln entlang der Lieferkette – Risikoanalyse, Prävention, Abhilfe. Die CSRD verpflichtet zur Berichterstattung über Nachhaltigkeitsauswirkungen und -risiken. Beide Regelwerke adressieren Lieferkettenverantwortung aus unterschiedlichen Richtungen und ergänzen sich. Wer LkSG-konform dokumentiert, hat einen Teil der CSRD-Berichtspflichten inhaltlich bereits erfüllt.