E2E Traceability bezeichnet die lückenlose Rückverfolgbarkeit eines Produkts über die gesamte Wertschöpfungskette – vom Wareneingang über Fertigung, Montage und Prüfung bis zur Auslieferung. Erfasst wird dabei sowohl der Materialfluss (welche Teile gehen wohin?) als auch der Informationsfluss (welche Prozess- und Qualitätsdaten sind mit welchem Produkt verknüpft?).
E2E Traceability funktioniert in beide Richtungen:
Backward Traceability geht von einem fehlerhaften Produkt rückwärts zu den eingesetzten Komponenten, Chargen, Maschinen und Prozessparametern. Sie beantwortet die Frage: Wie ist dieser Fehler entstanden?
Forward Traceability geht von einer fehlerhaften Komponente oder Charge vorwärts zu allen betroffenen Endprodukten und Lieferungen. Sie beantwortet: Welche weiteren Einheiten sind betroffen und müssen gesperrt oder zurückgerufen werden?
Nur wenn beide Richtungen digital abgebildet sind, kann ein Werk im Fehlerfall gezielt statt flächendeckend reagieren.
Eng verbunden mit E2E Traceability ist das Konzept der Product Genealogy – dem vollständigen digitalen Stammbaum eines Produkts. Er dokumentiert:
Damit wird ein Produkt zu einem vollständig dokumentierten, digitalen Objekt – rückwärts zur Root-Cause-Analyse, vorwärts zum gezielten Rückruf nutzbar.
Grundvoraussetzung sind eindeutige IDs und kontextbezogene Events, erfasst im Moment ihrer Entstehung – nicht nachträglich:
Nachträgliche Excel-Protokolle erfüllen diese Anforderung in der Regel nicht.
E2E Traceability entsteht im Zusammenspiel mehrerer Systeme: Das ERP liefert Stamm- und Auftragsdaten. Das MES steuert und dokumentiert die Ausführung, verknüpft Komponenten-IDs mit Endprodukten und stellt Traceability-Reports bereit. SCADA und Historian liefern Roh-Prozessdaten, die über eindeutige IDs mit MES- und ERP-Daten verknüpft werden.
Ein konsistentes Datenmodell über alle Systeme hinweg ist Voraussetzung dafür, dass diese Verknüpfung belastbar funktioniert.
Reicht Batch-Traceability aus? Für viele OEM-Programme und sicherheitsrelevante Komponenten nicht. Seriennummern-basierte Traceability mit detaillierter Product Genealogy wird zunehmend vorausgesetzt.
Braucht man dafür ein MES? Ab einer gewissen Komplexität ja. Papier, Excel und isolierte SCADA-Systeme skalieren für E2E Traceability nicht zuverlässig.
Wo pragmatisch starten? Mit den kritischsten Produktfamilien, klaren IDs (Lot/Serial) und einem ersten Genealogy-Report. Danach schrittweise mehr Stationen, Prozessdaten und Werke einbeziehen.