Manufacturing Glossar zu OEE, MES & Produktion – SYMESTIC

Scope 1, 2, 3 und CSRD in der Fertigung

Geschrieben von Symestic | Feb 26, 2026 2:24:59 PM

Scope 1, 2 und 3 sind Kategorien für Treibhausgas-Emissionen nach dem GHG Protocol. Die CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) macht diese Logik für viele Unternehmen in der EU faktisch verpflichtend: Emissionen müssen quantifiziert, berichtet und mit Zielen hinterlegt werden. Für produzierende Unternehmen ist das direkt mit der Fertigung und den Werken verknüpft.

Scope 1, 2, 3: Was die Kategorien bedeuten

Scope 1 umfasst direkte Emissionen aus Quellen die das Unternehmen selbst kontrolliert: Verbrennung von Gas, Öl oder Diesel in Brennern, Öfen und Trocknern, Dieselstapler und interne Transportmittel, Prozessgase und Kältemittelleckagen. Diese Emissionen entstehen zu großem Teil in Instandhaltung und Produktion – nicht im Controlling.

Scope 2 sind indirekte Emissionen aus eingekauftem Strom und externer Energie. Für Fertigungsunternehmen oft der größte sichtbare Block und der schnellste Hebel für Verbesserungen durch Effizienzmaßnahmen, Lastmanagement oder Grünstrom. Relevante Kennzahlen: kWh pro Teil, CO₂ pro Teil je Linie.

Scope 3 sind alle weiteren indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette – vorgelagert durch Rohstoffe, Zukaufteile und Lieferantentransporte, nachgelagert durch Kundentransporte, Produktnutzung und Entsorgung. Scope 3 ist methodisch am aufwendigsten und in vielen Fertigungen gleichzeitig der größte Emissionsanteil.

Was CSRD konkret fordert

Die CSRD verpflichtet betroffene Unternehmen zur Berichterstattung nach ESRS-Standards – insbesondere ESRS E1 (Klimawandel) mit Darstellung von Scope 1, 2 und wesentlichem Scope 3 inklusive Zielen, Maßnahmen und Fortschritt. Der Nachhaltigkeitsbericht wird prüfungspflichtig. Das Prinzip der doppelten Materialität verlangt sowohl die Auswirkungen des Unternehmens auf die Umwelt als auch finanzielle Risiken aus ESG-Themen.

Für produzierende Unternehmen bedeutet das: Emissionen werden bilanziell genauso ernst genommen wie Finanzkennzahlen. Ohne saubere Daten aus den Werken ist ein CSRD-konformer Bericht faktisch nicht möglich.

Welche Daten die Produktion konkret liefern muss

Aus Werksicht laufen die wichtigsten ESG-Daten über vier Korridore: Energieverbrauch je Linie oder Verbrauchergruppe mit Zuordnung zu Schichten und Aufträgen, Output und Ausschuss mit Produktbezug für kWh-pro-Teil-Berechnungen, Prozessparameter für energieintensive Schritte sowie Stillstandsdaten die zeigen wo Energie ohne Output verbraucht wird.

Ein modernes MES ist hier das Bindeglied: Es erfasst Echtzeit-Produktionsdaten, verknüpft Energie- und Prozessdaten mit Aufträgen und Produkten und liefert strukturierte Exporte an Sustainability- und ESG-Tools. Ohne integrierte Produktions- und Energiedatenplattform werden Scope-1/2/3-Berichte entweder extrem teuer durch Excel-Schätzorgien oder fachlich nicht belastbar.

FAQ

Müssen Fertigungsunternehmen Scope 3 immer vollständig berichten? Nein – berichtet wird was wesentlich ist. In der Praxis ist Scope 3 bei vielen Industriebetrieben aber materiell sodass eine schrittweise Quantifizierung kaum zu vermeiden ist.

Reicht ein Energiedaten-Tool ohne Produktionsbezug? Für Kennzahlen wie kWh pro Teil oder CO₂ pro Produkt nicht. Die Kombination aus Energie- und Produktionsdaten ist zwingend – sonst bleiben ESG-KPIs auf Jahres- oder Werksebene stehen ohne operativen Steuerungswert.

Ist das nur Reporting oder operativ relevant? Sobald CO₂-Kennzahlen in Kundenanforderungen, Taxonomie-Quoten oder Finanzierungskonditionen einfließen, werden Scope-1/2/3-Daten direkt geschäftsrelevant – mit Auswirkungen auf Pricing, Standortentscheidungen und Investitionen.