Skip to content

Conflict Minerals Reporting (CMRT): Definition, Pflichten und Umsetzung

Conflict Minerals Reporting bezeichnet die dokumentierte Sorgfaltspflicht für bestimmte Mineralien die aus Konfliktregionen stammen können und deren Abbau Menschenrechtsverletzungen, bewaffnete Konflikte oder Zwangsarbeit finanzieren kann. Der bekannteste Berichtsrahmen ist das Conflict Minerals Reporting Template (CMRT) der Responsible Minerals Initiative (RMI) – ein standardisiertes Formular das in der globalen Lieferkette verwendet wird um die Herkunft und den Verarbeitungspfad der betroffenen Mineralien zu dokumentieren.

Für Automotive-Zulieferer und Elektronikhersteller ist das CMRT heute ein etabliertes Instrument der Lieferantenqualifikation – auch wenn das zugrundeliegende US-Gesetz keine direkte Pflicht für europäische Zulieferer schafft, ist der Druck über OEM-Lieferantenverträge faktisch bindend.


Die vier 3TG-Mineralien: Was betroffen ist

Das CMRT fokussiert auf vier Mineralien die als 3TG bezeichnet werden – Tantalum, Tin (Zinn), Tungsten (Wolfram) und Gold. Diese vier Mineralien wurden im US-Dodd-Frank Act Section 1502 als konfliktmineralträchtig eingestuft weil ihr Abbau in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) und angrenzenden Ländern bewaffnete Gruppen finanziert hat.

In der industriellen Fertigung sind 3TG in vielen Bauteilen und Prozessen präsent. Tantalum wird in Kondensatoren für Elektronik eingesetzt. Zinn ist in Loten für Elektronikbaugruppen. Wolfram ist in Hartmetallwerkzeugen, Schmiermitteln und Glühwendeln. Gold findet sich in Steckverbindern und Kontaktoberflächen.

Für einen Automotive-Zulieferer der Pressteile, Stanzteile, Gussteile oder Elektronikkomponenten herstellt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch dass 3TG-Mineralien in Rohstoffen, Werkzeugen oder Einkaufteilen enthalten sind – auch wenn sie nicht offensichtlich sichtbar sind.


Rechtlicher Rahmen: Dodd-Frank, EU-Konfliktmineralienverordnung und OEM-Anforderungen

US Dodd-Frank Act Section 1502 verpflichtet seit 2012 US-börsennotierte Unternehmen die 3TG-Mineralien in ihren Produkten verwenden zur jährlichen Berichterstattung bei der SEC. Das betrifft direkt OEMs wie Ford, GM und Tesla sowie global tätige Konsumgüterhersteller. Diese OEMs geben die Berichtspflicht über ihre Lieferkette weiter – was europäische Zulieferer faktisch einschließt.

Die EU-Konfliktmineralienverordnung (EU 2017/821) gilt seit Januar 2021 und verpflichtet EU-Importeure von 3TG-Mineralien und -Metallen – also Einschmelzbetriebe, Raffinerien und Importeure von Primärmaterialien – zu Sorgfaltspflichten nach OECD-Leitlinien. Fertigungsunternehmen die 3TG-haltige Vorprodukte kaufen aber keine Rohmineralien importieren, sind von der EU-Verordnung nicht direkt erfasst – aber von den Anforderungen ihrer direkten Kunden.

In der Praxis ist der entscheidende Treiber für den produzierenden Mittelstand der Kundendruck: OEMs und Tier-1-Lieferanten fordern ausgefüllte CMRTs von ihren Zulieferern als Bedingung für die Lieferantenqualifikation und jährlich als Teil des Lieferantenmanagements.


Das CMRT: Aufbau und Inhalt des Reporting Templates

Das CMRT ist ein standardisiertes Excel-Formular das von der Responsible Minerals Initiative (RMI) entwickelt und regelmäßig aktualisiert wird. Die aktuelle Version ist CMRT 6.x.

Das Formular gliedert sich in zwei Hauptteile.

Unternehmensebene (Company Level): Grundinformationen über das Unternehmen, Kontaktdaten, Scope der Befragung und eine Übersicht ob 3TG-Mineralien in den Produkten des Unternehmens enthalten sind. Außerdem Policy-Fragen: Hat das Unternehmen eine Conflict-Minerals-Policy? Führt es Sorgfaltspflichten durch? Ist es RMI-Mitglied?

Mineralspezifische Informationen (Mineral Level): Für jedes der vier Mineralien separat wird dokumentiert ob es in Produkten enthalten ist, aus welchen Ländern es bezogen wird, welche Schmelzbetriebe (Smelters/Refiners) in der Lieferkette identifiziert wurden und ob diese Schmelzbetriebe durch das Responsible Minerals Assurance Process (RMAP) zertifiziert sind.

Der Kernnachweis des CMRT ist die Smelter-Identifikation: Wer sind die Schmelzwerke in der Lieferkette? Ein Schmelzwerk ist der Punkt in der Lieferkette wo das Erz in ein Metall umgewandelt wird – danach ist die Mineralherkunft nicht mehr rückverfolgbar. Nur zertifizierte Schmelzwerke (RMAP-zertifiziert) gelten als Nachweis für konfliktsfreie Mineralienherkunft.


Die Herausforderung: Smelter-Identifikation durch mehrstufige Lieferketten

Die größte operative Herausforderung des Conflict-Minerals-Reportings ist die Identifikation der Schmelzbetriebe in der Lieferkette – über mehrere Tier-Stufen hinweg.

Ein Automotive-Zulieferer kauft Stanzteile von einem Stahllieferanten. Der Stahl enthält Wolfram aus einem Hartmetallwerkzeug das im Umformprozess verwendet wurde. Das Hartmetallwerkzeug kommt von einem Werkzeuglieferanten der das Wolframpulver von einem Metallhändler kauft der es von einem Schmelzwerk bezogen hat das vielleicht RMAP-zertifiziert ist – vielleicht nicht.

Diese Lieferkettentiefe erfordert dass jeder Tier-Lieferant seinerseits seine Unterlieferanten befragt – und so weiter bis zum Schmelzwerk. Das CMRT ist das Instrument mit dem diese Informationen strukturiert gesammelt und weitergegeben werden.

In der Praxis bedeutet das: Jedes Unternehmen muss seine direkten Zulieferer mit einem CMRT befragen, die Antworten plausibilisieren und die Informationen konsolidiert in sein eigenes CMRT übernehmen. Wer hunderte von Zulieferern hat, steht vor einer erheblichen jährlichen Verwaltungsaufgabe.


Verbindung zu LkSG und CSDDD

Das CMRT adressiert dasselbe Thema wie das LkSG und die CSDDD – Sorgfaltspflichten in der Lieferkette – aber mit spezifischem Fokus auf Mineralienherkunft und bewaffnete Konflikte. Die Überschneidungen sind erheblich.

Wer für LkSG-Zwecke bereits eine strukturierte Lieferantenbefragung zu Menschenrechtsrisiken durchführt und Dokumentationsprozesse für Lieferkettentransparenz aufgebaut hat, hat eine wesentliche Grundlage für effizientes CMRT-Reporting gelegt. Wer beides als separate Prozesse aufbaut, verdoppelt den Aufwand ohne zusätzlichen Erkenntnisgewinn.

Eine integrierte Lieferketten-Compliance-Strategie die LkSG-Sorgfaltspflichten, CMRT-Reporting und EUDR-Traceability unter einem gemeinsamen Datenrahmen zusammenführt ist effizienter als drei parallele Einzelprojekte.


Dokumentation und Aufbewahrung

OEMs und Tier-1-Lieferanten erwarten ausgefüllte CMRTs jährlich – typischerweise im ersten Quartal des Jahres für das Vorjahr. Die Dokumente müssen fünf Jahre aufbewahrt werden – entsprechend den SEC-Anforderungen und guter Compliance-Praxis.

Wer CMRTs unstrukturiert in E-Mail-Postfächern verwaltet, hat bei Kundenanfragen und internen Audits ein Retrieval-Problem. Eine strukturierte Ablage mit klaren Versionierungen und Zuliefererzuordnungen ist die Mindestanforderung an ein funktionsfähiges CMRT-Management.


FAQ

Gilt das Conflict-Minerals-Reporting auch für Unternehmen die keine US-Kunden haben? Formal nein – der Dodd-Frank Act gilt nur für US-börsennotierte Unternehmen. In der Praxis jedoch fordern viele europäische OEMs und global tätige Konzerne CMRTs auch von europäischen Zulieferern – weil sie selbst für ihre US-Börsennotierung oder für ihre eigene Compliance-Politik berichten müssen. Wer in der Lieferkette eines solchen Unternehmens ist, erhält faktisch eine Berichtspflicht unabhängig von der eigenen Marktnotierung.

Was ist der Unterschied zwischen CMRT und einem ESG-Lieferantenfragebogen? Das CMRT ist ein standardisiertes Branchenformular mit spezifischem Fokus auf 3TG-Mineralien und Schmelzwerknachweise. ESG-Lieferantenfragebögen sind breiter angelegt und erfassen Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen – Emissionen, Arbeitsbedingungen, Compliance-Systeme. CMRT-Reporting ist ein Teilbereich eines umfassenden ESG-Lieferantenmanagements.

Was passiert wenn ein Schmelzwerk in der Lieferkette nicht RMAP-zertifiziert ist? Das muss im CMRT transparent gemacht werden. Es ist kein automatischer Ausschlussgrund – aber OEMs und Kunden können verlangen dass ein Schmelzwechsel zu einem zertifizierten Anbieter stattfindet oder dass der Schmelzbetrieb eine RMAP-Zertifizierung anstrebt. Wer keine Informationen über seine Schmelzwerke hat, kann keine Aussage über deren Zertifizierungsstatus machen – was die schlechteste Ausgangssituation im CMRT ist.

Wie wird das CMRT eingereicht – gibt es eine zentrale Plattform? Das ausgefüllte CMRT wird typischerweise direkt an den anfragenden Kunden übermittelt – per E-Mail oder über Lieferantenportale wie Coupa, Jaggaer oder kundenspezifische Supplier-Management-Plattformen. Eine zentrale branchenweite Einreichungsplattform gibt es nicht – das unterscheidet das CMRT vom IMDS das eine zentralisierte Datenbankstruktur hat.

Exklusives Whitepaper

Lernen Sie die modernsten Ansätze der Industrie 4.0, die Sie in Ihrer Produktion schon morgen umsetzen können, um innerhalb von 4 Wochen Ihre Kosten um gut 20% zu reduzieren.

mehr erfahren

Digitalisierung der Produktion
Symestic Manufacturing Digitalization
Der schnelle Weg in die Digitalisierung
Profitabler werden – einfach und schnell
Effizienz durch Echtzeit-Daten
Kennzahlen für Ihren Erfolg
Ohne Investitionskosten optimieren
OEE SaaS – heute gebucht, morgen startklar
Deutsch
English