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Finite Scheduling vs. APS

In der heutigen Fertigung ist die Zeit der unbegrenzten Planung vorbei. Wer Liefertermine halten will, muss Kapazitäten realistisch bewerten. Hier treffen zwei Konzepte aufeinander: Finite Scheduling und APS (Advanced Planning and Scheduling). Obwohl sie oft in einem Atemzug genannt werden, erfüllen sie unterschiedliche strategische Aufgaben im Unternehmen.

Was ist Finite Scheduling? (Die kapazitätsbegrenzte Feinplanung)

Finite Scheduling ist eine Methode der Feinplanung, die Fertigungsaufträge unter strikter Berücksichtigung der tatsächlichen Kapazitätsgrenzen terminiert. Im Gegensatz zum herkömmlichen Infinite Scheduling (unbegrenzte Planung), das oft in Standard-ERP-Systemen zu finden ist, geht Finite Scheduling davon aus, dass Ressourcen wie Maschinen, Personal und Werkzeuge nur begrenzt zur Verfügung stehen.

Die Kernmechanismen des Finite Scheduling

Finite Scheduling arbeitet „von unten nach oben“. Es betrachtet den Shopfloor in Echtzeit und stellt sicher, dass kein Auftrag eingeplant wird, für den keine freie Kapazität vorhanden ist. Dabei werden folgende Faktoren einbezogen:

  • Schichtmodelle & Kalender: Wann ist die Maschine besetzt?
  • Wartungsintervalle: Wann ist die Ressource blockiert?
  • Rüstmatrizen: Wie lange dauert der Wechsel von Produkt A zu Produkt B?
  • Personalverfügbarkeit: Ist der qualifizierte Bediener für diesen Prozessschritt anwesend?

Nutzen für die Fertigung

Der größte Vorteil ist die Termintreue. Da nur das geplant wird, was machbar ist, sinkt die Fehlerquote bei Lieferzusagen massiv. Zudem werden Pufferzeiten reduziert und der „Work-in-Process“ (WIP) Bestand minimiert, da Aufträge nicht mehr unnötig lange vor blockierten Maschinen warten.


APS (Advanced Planning and Scheduling): Das Gehirn der Supply Chain

Während Finite Scheduling die Maschine im Blick hat, betrachtet APS die gesamte Wertschöpfungskette. Ein APS-System ist eine hochentwickelte Softwarelösung, die Material, Kapazität und Bedarf über mehrere Stufen und Standorte hinweg synchronisiert.

Warum APS über Standard-ERP hinausgeht

Standard-MRP-Läufe (Material Requirements Planning) in ERP-Systemen planen oft sequenziell: Zuerst der Bedarf, dann das Material, dann (vielleicht) die Kapazität. APS hingegen optimiert diese Faktoren simultan.

  • What-if-Simulationen: Planer können Szenarien durchspielen. „Was passiert, wenn Großkunde X einen Eilauftrag platziert? Welche Auswirkungen hat das auf alle anderen 500 Aufträge?“
  • Multi-Level-Synchronisation: APS stellt sicher, dass die Vorfertigung genau dann fertig ist, wenn die Endmontage das Material benötigt – über komplexe Stücklisten hinweg.
  • Optimierungsziele: Ein APS kann nach verschiedenen Prioritäten gewichten, z. B. maximale Anlagenauslastung vs. minimale Bestände vs. maximale Termintreue.

Finite Scheduling vs. APS: Die entscheidenden Unterschiede

Um die richtige Softwarestrategie zu wählen, muss man die Grenzen verstehen:

Merkmal Finite Scheduling (Feinplanung) APS (Advanced Planning)
Planungsebene Operativ (Shopfloor) Taktisch & Strategisch (Supply Chain)
Zeithorizont Kurzfristig (Stunden bis Tage) Mittel- bis Langfristig (Wochen bis Monate)
Komplexität Fokus auf Reihenfolge & Rüstzeiten Fokus auf Materialfluss & Netzwerk
Zielgruppe Fertigungssteuerung / Leitstand Produktionsplanung / SCM

Die Synergie: Wenn APS auf MES trifft

Die Planung ist nur so gut wie die Daten, auf denen sie basiert. Hier kommt das MES (Manufacturing Execution System) ins Spiel. Ein APS-System liefert den optimalen Plan („Soll“), aber das MES meldet die Realität („Ist“) zurück.

  1. Reale OEE-Daten: Wenn eine Maschine nur mit 70% Leistung läuft, muss das APS dies wissen, um den Plan für morgen anzupassen.
  2. Störungsmanagement: Ein Maschinenausfall im MES muss sofort eine Umplanung im Finite Scheduling triggern.
  3. Traceability: Die Rückmeldung von verbrauchten Chargen und produzierten Mengen schließt den Regelkreis der Planung.

Fazit: Welches System brauchen Sie?

Wenn Ihr Hauptproblem die tägliche Reihenfolge an den Maschinen und unzuverlässige Liefertermine sind, ist Finite Scheduling der erste Hebel. Wenn Sie jedoch komplexe Lieferketten, viele Varianten und Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Fertigungsstufen haben, ist ein APS-System unverzichtbar.

In der „Fabrik der Zukunft“ arbeiten beide Hand in Hand: Das APS gibt den Rahmen vor, und das Finite Scheduling (oft als Modul im MES) sorgt für die perfekte taktgenaue Umsetzung am Shopfloor.

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