Skip to content

ISA-88: Standard für Batch Control, Rezepte & modulare Automatisierung

Was ist ISA-88?

ISA-88 (häufig auch S88 genannt, IEC 61512 / DIN EN 61512) ist ein internationaler Standard für chargenorientierte Fahrweise (Batch Control). Er liefert Modelle und Terminologie, um Anlagen und Rezepte strukturiert zu beschreiben – unabhängig von Hersteller, Steuerung oder Software.

Wichtiger Punkt: ISA-88 ist keine konkrete Software-Spezifikation, sondern eine Designphilosophie für die Gestaltung von Prozessen, Anlagenstrukturen und Rezepten.

Ziele von ISA-88:

  • einheitliche Sprache für Batch Control,

  • Trennung von Verfahren (Rezepte) und Equipment,

  • Wiederverwendbarkeit und Modularität von Steuerungsfunktionen,

  • einfachere Integration zwischen Leitsystem, MES und Automatisierung.

Ursprünglich für Batch-Prozesse (Pharma, Chemie) entwickelt, wird ISA-88 heute auch über Batch hinaus als Referenzmodell für viele Industrieprozesse genutzt.

Die Kernmodelle von ISA-88

ISA-88 definiert mehrere hierarchische Modelle, die zusammen ein vollständiges Bild aus Prozess, Anlage und Rezept ergeben.

1. Prozessmodell (Process Model)

Das Prozessmodell beschreibt den verfahrens­technischen Ablauf – unabhängig von der Anlage. Es besteht aus: 

  • Process → gesamter Prozess

  • Process Stages → Hauptabschnitte

  • Process Operations → logische Arbeitsschritte

  • Process Actions → elementare Prozessaktionen

Dieses Modell ist Basis für „geräteunabhängige“ Prozessdefinitionen (z. B. in General- oder Site-Recipes).

2. Physikalisches Modell (Physical Model)

Das physikalische Modell beschreibt die Anlagenhierarchie

  • Enterprise
  • Site
  • Area
  • Process Cell
  • Unit (Pflicht-Ebene)
  • Equipment Modules
  • Control Modules

Wesentlich ist die strikte Trennung von Verfahren und Equipment: Prozesslogik wird nicht fest in eine einzelne Steuerung „einbetoniert“, sondern auf eine wiederverwendbare Struktur von Einheiten, Equipment-Modulen und Control-Modulen gemappt. (Wikipedia)

3. Prozeduralmodell (Procedural Control Model)

Das prozedurale Kontrollmodell beschreibt, wie eine Charge gefahren wird – also die Ablaufsteuerung eines Rezepts: (Wikipedia)

  • Recipe Procedure

  • Unit Procedures

  • Operations

  • Phases

Phasen sind dabei die ausführbaren Bausteine, die auf Equipment-/Control-Module gemappt werden. Genau hier entsteht die Modularität: Gleiche Phasenlogik, anderes Equipment – oder umgekehrt. (SG Systems Global)

4. Rezeptmodell (Recipes)

ISA-88 unterscheidet vier Rezepttypen: (Wikipedia)

  • General Recipe

  • Site Recipe

  • Master Recipe

  • Control Recipe

Ein Rezept besteht aus:

  • Header (Stammdaten)

  • Formula (Stoff- und Produktionsdaten)

  • Equipment Requirements

  • Recipe Procedure

  • weiteren, relevanten Informationen

So können Rezepte sauber von Produktdefinition (General/Site) über Anlagen-spezifische Master Recipes bis hin zum laufenden Control Recipe (für die einzelne Charge) heruntergebrochen werden. (gmpua.com)

Warum ISA-88 für MES und Cloud-MES relevant ist

Auch wenn ISA-88 aus der Batch-Welt stammt, sind die Prinzipien heute Best Practice für MES- und Cloud-MES-Architekturen – auch in diskreter Fertigung:

  1. Trennung von Rezept/Verfahren und Equipment

    • Verfahrenslogik (Unit Procedures, Operations, Phases) ist nicht hart an eine SPS gebunden.

    • Gleiche Prozesslogik kann auf unterschiedlichen Maschinen / Units laufen. 

  2. Modularisierung & Wiederverwendung

    • Phasen, Operations und Equipment-Module sind wiederverwendbare Bausteine.

    • Änderungen werden an zentralen Modulen durchgeführt – nicht in hunderten Einzelskripten.

  3. Klarer Anlagenbaum

    • Enterprise/Site/Area/Process Cell/Unit-Struktur ist direkt auf MES-/ISA-95-Modelle übertragbar.

  4. Bessere Kommunikation & Spezifikation

    • Engineering, Automatisierung, Qualität und IT sprechen über dieselben Modelle und Begriffe.

    • Lastenhefte, Funktionsspezifikationen und MES-Modellierung werden konsistenter. 

ISA-88 im Kontext von ISA-95 und Digital Factory

ISA-95 erweitert die Modellwelt von ISA-88 auf die Unternehmens- und Betriebsleitebene (Level 3/4), z. B. für MES-Funktionalität, Produktionsplanung und Informationsmodelle.

Kombiniert ergeben ISA-88 und ISA-95:

Für moderne Cloud-MES-Ansätze ist diese Trennung entscheidend, um:

  • Standardfunktionen (OEE, Traceability, Batches, Recipes) generisch anzubieten,

  • trotzdem werks- und anlagenspezifische Besonderheiten sauber zu modellieren,

  • und Integrationen zu Leitsystemen, ERP und PLM nicht jedes Mal neu zu erfinden.

Exklusives Whitepaper

Lernen Sie die modernsten Ansätze der Industrie 4.0, die Sie in Ihrer Produktion schon morgen umsetzen können, um innerhalb von 4 Wochen Ihre Kosten um gut 20% zu reduzieren.

mehr erfahren

Digitalisierung der Produktion
Symestic Manufacturing Digitalization
Der schnelle Weg in die Digitalisierung
Profitabler werden – einfach und schnell
Effizienz durch Echtzeit-Daten
Kennzahlen für Ihren Erfolg
Ohne Investitionskosten optimieren
OEE SaaS – heute gebucht, morgen startklar
Deutsch
English