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KPI Dashboard in der Fertigung: Aufbau, KPIs, Praxis

Von Uwe Kobbert · Zuletzt aktualisiert: März 2026

Was ist ein KPI Dashboard?

Ein KPI Dashboard ist eine visuelle Darstellung von Leistungskennzahlen in Echtzeit. In der Fertigung zeigt es auf einen Blick, ob die Produktion im Plan liegt: Stückzahlen, Stillstände, OEE, Ausschuss, Taktzeiten. Nicht als Bericht von gestern, sondern als Live-Bild der laufenden Schicht.

Der Unterschied zu einem allgemeinen Business-Dashboard (Power BI, Tableau, Geckoboard) liegt in der Datenquelle und der Aktualisierungsfrequenz. Ein Produktions-KPI-Dashboard bezieht seine Daten direkt von den Maschinen, nicht aus dem ERP oder einem Data Warehouse. Die Aktualisierung erfolgt in Sekunden, nicht in Stunden oder Tagen. Und die Nutzer stehen auf dem Shopfloor, nicht in einem Büro.

Dieser Artikel erklärt, welche Kennzahlen auf ein Produktions-Dashboard gehören, wie sich die Anforderungen nach Zielgruppe unterscheiden und warum die meisten Excel-basierten KPI-Übersichten in der Fertigung scheitern.


Dashboard-Typen in der Fertigung

In der Produktion gibt es nicht ein Dashboard, sondern mehrere, die unterschiedliche Fragen beantworten:

Dashboard-Typ Zielgruppe Frage, die es beantwortet Aktualisierung
Shopfloor-Client (Maschinen-Dashboard) Bediener, Schichtführer Was passiert gerade an meiner Maschine? Wie viele Teile sind fertig? Welcher Stillstand liegt an? Sekunden (Echtzeit)
Werksmonitor (Linien-Dashboard) Produktionsleiter, Schichtführer Wie läuft die gesamte Linie / Halle? Welche Maschine steht? Wo ist der Engpass? Sekunden bis Minuten
Analyse-Dashboard (KPI-Auswertung) KVP-Manager, Lean-Manager, Produktionsleiter Wie hat sich die OEE über die letzten Wochen entwickelt? Was sind die Top-Stillstandsursachen? Welche Schicht hat die höchste Ausschussrate? Schicht, Tag, Woche
Management-Dashboard (Werksvergleich) COO, Werksleiter, Geschäftsführung Wie stehen die Werke im Vergleich? Welches Werk hat die beste Verfügbarkeit? Wo gibt es den größten Handlungsbedarf? Tag, Woche, Monat

Der häufigste Fehler: ein einziges Dashboard für alle Nutzer. Der Bediener braucht den aktuellen Maschinenstatus und die Stückzahl. Der COO braucht den Werksvergleich auf Monatsebene. Wenn beide dasselbe Dashboard sehen, ist es für beide nutzlos.


Welche KPIs auf ein Produktions-Dashboard gehören

Die Auswahl der KPIs hängt vom Dashboard-Typ und der Zielgruppe ab. Zu viele Kennzahlen machen ein Dashboard unlesbar. Zu wenige lassen wichtige Informationen unsichtbar. Als Faustregel: maximal 5-7 KPIs pro Dashboard-Ansicht.

KPI Was gemessen wird Dashboard-Typ Warum relevant
OEE (Verfügbarkeit x Leistung x Qualität) Gesamtanlageneffektivität in Prozent Alle Verdichtet die drei wichtigsten Verlustquellen in einer Zahl
Verfügbarkeit Anteil der geplanten Produktionszeit, in der die Maschine tatsächlich produziert Shopfloor, Werksmonitor Zeigt Stillstands- und Rüstverluste
Leistung Verhältnis von Ist-Taktzeit zu Soll-Taktzeit Shopfloor, Analyse Deckt Mikrostopps und reduzierte Geschwindigkeit auf
Qualität Anteil der Gutteile an der Gesamtproduktion Shopfloor, Analyse Zeigt Ausschuss und Nacharbeit
Stückzahl (Ist vs. Soll) Produzierte Teile im Vergleich zum Plan Shopfloor, Werksmonitor Sofort erkennbar, ob die Schicht im Plan liegt
Stillstände (Top 5 Ursachen) Die häufigsten Stillstandsursachen, sortiert nach Dauer oder Häufigkeit Analyse, Werksmonitor Zeigt, wo der größte Hebel für Verbesserung liegt
Ausbringung pro Schicht/Tag/Woche Gutteile pro Zeitraum, Trend über mehrere Perioden Analyse, Management Zeigt den Trend: wird es besser oder schlechter?

Warum Excel-Dashboards in der Fertigung scheitern

Kriterium Excel / manuelle KPI-Übersicht MES-Dashboard (Echtzeit)
Datenquelle Manuelle Eingabe (Strichlisten, Schichtberichte, ERP-Exporte) Automatisch von der Maschine (Taktsignal, Stillstandssignal, Alarme)
Aktualität Stunden bis Tage (Daten werden nach Schichtende eingetragen) Sekunden (Echtzeit)
Genauigkeit OEE typischerweise 5-15 Prozentpunkte zu hoch. Mikrostopps fehlen, Stillstände werden gerundet Sekundengenau. Jeder Stillstand, jede Taktzeitabweichung wird erfasst
Aufwand 30-60 Minuten pro Schicht für Datenerfassung und Auswertung Kein manueller Aufwand. Dashboard ist sofort aktuell
Drill-Down Nicht möglich. Eine Zahl, keine Ursachenanalyse Vom Werksvergleich bis zur einzelnen Störung in drei Klicks
Skalierung Funktioniert bis ca. 5-10 Maschinen. Darüber wird es unbeherrschbar Hunderte Maschinen, mehrere Werke, standortübergreifend

Die Erfahrung aus über 15.000 Maschinenanbindungen zeigt: Die erste automatische Datenerfassung liefert fast immer ein anderes Bild als die bisherige manuelle Erfassung. Die OEE liegt niedriger, die Mikrostopps sind häufiger, die Rüstzeiten länger als erwartet. Nicht weil die Mitarbeiter falsch erfasst haben, sondern weil manuelle Erfassung systematisch ungenau ist.


Was ein gutes Produktions-Dashboard ausmacht

Ein Dashboard, das tatsächlich genutzt wird, unterscheidet sich von einem, das nur existiert, durch fünf Eigenschaften:

Eigenschaft Was das bedeutet Gegenbeispiel
Zielgruppenspezifisch Jede Rolle sieht die KPIs, die für sie relevant sind. Der Bediener sieht den Maschinenstatus, der COO den Werksvergleich Ein einziges Dashboard für alle. Zu viel Information für den Bediener, zu wenig Detail für den KVP-Manager
Handlungsauslösend Das Dashboard zeigt nicht nur Zahlen, sondern Abweichungen vom Soll. Rot = Handlungsbedarf. Grün = im Plan Alle Werte in derselben Farbe, ohne Schwellenwerte. Man muss erst rechnen, ob ein Wert gut oder schlecht ist
Drill-Down-fähig Vom Überblick zur Ursache in wenigen Klicks. OEE niedrig? Klick auf Verfügbarkeit. Top-Stillstand: Werkzeugwechsel. Dauer: 47 Minuten Eine Zahl ohne Kontext. "OEE = 62 %." Warum? Keine Ahnung
Automatisch aktuell Daten kommen direkt von der Maschine. Kein manuelles Update, keine Verzögerung Daten von gestern. Oder von letzter Woche. Manuell in Excel eingetragen
Auf dem Shopfloor sichtbar Großbildschirme in der Halle, Shopfloor-Clients an der Maschine, mobile Ansicht auf dem Tablet Dashboard nur im Büro auf dem PC des Produktionsleiters. Die Bediener sehen nichts

Praxis: Wie KPI-Dashboards in der Fertigung eingesetzt werden

Bei Klocke (Lohnhersteller Pharma, Kosmetik, Nahrungsergänzungsmittel, vollautomatische Verpackungslinien) wurde zunächst die Erfassung von Stückzahlen und Stillständen über ein DI-Gateway aufgebaut. Das KPI-Dashboard zeigt die OEE pro Linie in Echtzeit, mit Drill-Down auf Stillstandsursachen. Unidirektionale Anbindung an das Navision ERP über eine Dateischnittstelle liefert den Auftragskontext. Ergebnis: 7 Stunden mehr Produktionszeit pro Woche, 12 % bessere Ausbringung, 8 % bessere Verfügbarkeit. Der entscheidende Faktor war, dass die Dashboards direkt am Shopfloor verfügbar waren, nicht nur im Büro.

Bei Carcoustics (Automobilzulieferer, Spritzguss, Kaltschäumen, Stanzen, 500+ Anlagen in allen Werken) wurden die KPI-Dashboards konzernweit standardisiert. OT-Integration über IXON IoT-Geräte und das MQTT-Protokoll in MS Azure. Bidirektionale Anbindung an SAP R3 über ABAP IDoc. Konzernweite Analyse zu Performance-Kennzahlen auf identischen Dashboards, sodass die Werke vergleichbar sind. Ergebnis: 8 % bessere Verfügbarkeit, 3 % bessere Ausbringung, 4 % weniger Stillstände.

In beiden Fällen war das Dashboard nicht das Ziel, sondern das Werkzeug. Das Ziel war Transparenz. Das Dashboard macht die Daten sichtbar. Die Verbesserung kommt von den Menschen, die auf Basis dieser Daten handeln.


Häufige Fragen zum KPI Dashboard in der Fertigung

Was ist der Unterschied zwischen einem MES-Dashboard und einem BI-Dashboard?
Ein MES-Dashboard bezieht seine Daten direkt von den Maschinen in Echtzeit. Ein BI-Dashboard (Power BI, Tableau) bezieht Daten aus einem Data Warehouse oder ERP, typischerweise mit Stunden oder Tagen Verzögerung. Für die Fertigung bedeutet das: Das MES-Dashboard zeigt den aktuellen Maschinenstatus und die laufende Schicht. Das BI-Dashboard zeigt historische Auswertungen und Trends. Beide haben ihren Platz, aber auf dem Shopfloor ist nur das MES-Dashboard nützlich.

Welche KPIs gehören auf ein Shopfloor-Dashboard?
Maximal 5-7: OEE (oder die drei Einzelfaktoren Verfügbarkeit, Leistung, Qualität), Stückzahl Ist vs. Soll, aktueller Maschinenstatus (produziert/steht/rüstet) und der aktuelle Stillstandsgrund. Alles andere lenkt ab. Detailanalysen (Top-Stillstände, Trends, Schichtvergleiche) gehören auf das Analyse-Dashboard, nicht auf den Shopfloor-Client.

Braucht man ein eigenes Dashboard pro Maschine?
Nicht zwingend, aber der Shopfloor-Client sollte pro Maschine konfigurierbar sein. Ein Werksmonitor zeigt alle Maschinen in der Übersicht (z.B. als Kacheln mit Ampelfarben). Per Klick auf eine Kachel gelangt man zum Detail-Dashboard der einzelnen Maschine. So hat der Schichtführer den Überblick und kann bei Bedarf in die Tiefe gehen.

Wie schnell ist ein Produktions-KPI-Dashboard aufgebaut?
Bei einem Cloud-MES mit automatischer Maschinendatenerfassung kann das erste Dashboard innerhalb von Tagen live sein. Die Maschine wird über ein IoT-Gateway angebunden, die Daten fließen in die Cloud, das Dashboard wird konfiguriert. Kein lokaler Server, keine Softwareinstallation. Die SYMESTIC-Implementierung für 10 Maschinen dauert typischerweise unter einem Monat.

Was kostet ein KPI Dashboard in der Fertigung?
Das hängt vom Ansatz ab. Eine Excel-Lösung kostet kein Geld, aber viel Zeit und liefert ungenaue Daten. Ein On-Premise-MES mit Dashboard-Modul erfordert Serverinfrastruktur, Lizenzen und Implementierungsprojekte ab mehreren zehntausend Euro. Ein Cloud-MES wie SYMESTIC arbeitet im SaaS-Modell: monatliche Gebühr pro Anlage, kein Investitionsaufwand, Dashboard und Maschinendatenerfassung sind im Umfang enthalten.

Uwe Kobbert
Über den Autor:
Uwe Kobbert
Gründer und CEO der symestic GmbH. Seit über 30 Jahren in der Fertigungsindustrie. Dipl.-Ing. Nachrichtentechnik/Elektronik.
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