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Maschinenausfall in der Fertigung: Ursachen und Praxis

Von Martin Brandel · Zuletzt aktualisiert: März 2026

Was ist ein Maschinenausfall?

Ein Maschinenausfall ist jeder Zustand, in dem eine Produktionsanlage nicht produziert, obwohl sie laut Plan produzieren sollte. Die Maschine steht, aber sie sollte laufen.

In der Praxis wird zwischen geplanten und ungeplanten Stillständen unterschieden. Geplante Stillstände (Wartung, Rüsten, Pause) sind Teil des Produktionsplans. Ungeplante Stillstände (technischer Defekt, Materialmangel, Qualitätsproblem) sind Maschinenausfälle im engeren Sinn. Sie sind nicht eingeplant, nicht vorbereitet und kosten deutlich mehr als geplante Unterbrechungen.

Maschinenausfälle sind einer der grössten Verlustfaktoren in der diskreten Fertigung. Sie senken die Verfügbarkeit, den wichtigsten der drei OEE-Faktoren, und wirken sich direkt auf Ausbringung, Liefertreue und Kosten aus.


Die häufigsten Ursachen für Maschinenausfälle

In über 30 Jahren Maschinenanbindung habe ich hunderte Fertigungen von innen gesehen. Die Ursachen für Maschinenausfälle wiederholen sich unabhängig von Branche und Maschinenhersteller.

Ursachenkategorie Beispiele Typisches Muster
Mechanischer Verschleiß Lager, Riemen, Dichtungen, Werkzeuge, Führungen Schleichend: Zykluszeit steigt langsam, Vibration nimmt zu, dann Totalausfall
Elektrische Störungen Sensordefekte, Kabelbruch, Schütz-/Relaisversagen, Frequenzumrichter Oft plötzlich, Maschine geht in Störung, SPS zeigt Alarm
Pneumatik und Hydraulik Leckagen, Druckabfall, Ventilversagen, Ölverschmutzung Erst Leistungsverlust (langsamere Zyklen), dann Funktionsausfall
Materialprobleme Materialstau, falsche Charge, Fremdkörper, Abweichung Materialeigenschaften Häufig nach Materialwechsel oder Lieferantenwechsel
Bedienfehler Falsche Parametereinstellung, Fehlbedienung, fehlender Reset nach Alarm Häufig bei Schichtwechsel oder neuen Mitarbeitern
Softwarefehler / SPS Programmfehler, Kommunikationsabbruch, Softwareupdate-Folgen Sporadisch, oft schwer reproduzierbar

Was die meisten Betriebe unterschätzen: In der Regel sind nicht die großen Totalausfälle das Hauptproblem, sondern die vielen kleinen Unterbrechungen. Ein Materialstau, der 2 Minuten dauert und 15 Mal pro Schicht auftritt, kostet 30 Minuten Produktionszeit pro Schicht. Auf einen Monat hochgerechnet sind das 30 Stunden. Das ist mehr als ein großer Ausfall, der einmal pro Quartal 6 Stunden dauert.


Was ein Maschinenausfall tatsächlich kostet

Die Kosten eines Maschinenausfalls setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen, von denen die meisten nicht auf der Reparaturrechnung stehen.

Direkte Kosten. Ersatzteil, Monteurzeit, eventuell externer Servicetechniker. Das ist der sichtbare Teil, typischerweise ein Bruchteil der Gesamtkosten.

Produktionsausfall. Jede Stunde, in der die Maschine steht, fehlen Teile. Bei einer Maschine mit einer Ausbringung von 200 Teilen pro Stunde und einem Deckungsbeitrag von 3 Euro pro Teil sind das 600 Euro pro Stunde entgangener Deckungsbeitrag.

Folgeschäden. Wenn die ausgefallene Maschine Teil einer Verkettung ist, stehen nachgelagerte Maschinen ebenfalls. Wenn der Ausfall zu Lieferverzug führt, kommen Konventionalstrafen, Sonderschichten oder Sondertransporte dazu.

Qualitätsverluste. Nach einem Ausfall und Wiederanfahren brauchen viele Prozesse eine Einfahrphase. Die ersten Teile nach dem Wiederanlauf haben eine höhere Ausschusswahrscheinlichkeit, besonders bei thermischen Prozessen (Spritzguss, Schweissen, Wärmebehandlung).

Planungsunsicherheit. Wenn ungeplante Ausfälle häufig vorkommen, muss die Produktionsplanung mit Sicherheitspuffern arbeiten: höhere Lagerbestände, längere Vorlaufzeiten, Reservekapazitäten. Das bindet Kapital und Fläche.

Ein einfaches Rechenbeispiel: Eine Maschine mit 500 Euro/Stunde Maschinenstundensatz fällt ungeplant für 4 Stunden aus. Direkte Kosten: 800 Euro (Ersatzteil + Monteur). Produktionsausfall: 2.000 Euro (4h × 500 Euro). Folgeschäden (Sonderschicht für Nachproduktion): 1.500 Euro. Gesamtkosten: 4.300 Euro. Die Reparatur selbst macht weniger als 20 % der Gesamtkosten aus.


Geplant vs. ungeplant: Warum der Unterschied entscheidend ist

Nicht jeder Maschinenstillstand ist ein Problem. Der entscheidende Unterschied liegt zwischen geplant und ungeplant.

Geplanter Stillstand. Die Maschine wird zu einem definierten Zeitpunkt abgeschaltet. Ersatzteile sind vorbereitet, der Instandhalter ist eingeplant, die Produktion ist auf andere Maschinen umgeleitet. Die Dauer ist kalkulierbar. Die Auswirkung auf die Produktion ist minimal.

Ungeplanter Stillstand. Die Maschine fällt während der Produktion aus. Der Auftrag wird unterbrochen. Der Instandhalter muss erst diagnostizieren, dann Material beschaffen, dann reparieren. Die Dauer ist nicht kalkulierbar. Folgeschäden kommen dazu.

Die Faustformel aus der Instandhaltungspraxis: Eine Stunde ungeplante Reparatur kostet 3 bis 5 Mal so viel wie eine Stunde geplante Wartung. Nicht weil die Arbeit teurer ist, sondern wegen der Folgekosten.

Das Ziel jeder Instandhaltungsorganisation ist es, den Anteil ungeplanter Stillstände zu senken und den Anteil geplanter Wartung zu erhöhen. Die Kennzahl dafür ist der geplante Wartungsanteil (PMP).


Das Problem der unsichtbaren Ausfälle

In den meisten Fertigungsbetrieben werden Maschinenausfälle nicht systematisch erfasst. Und was nicht erfasst wird, wird nicht gemanagt.

Große Ausfälle werden bemerkt. Wenn eine Maschine 4 Stunden steht, weiss es jeder. Der Instandhaltungsleiter wird gerufen, die Produktionsleitung informiert, im Schichtbuch steht ein Eintrag.

Kleine Ausfälle verschwinden. Ein Materialstau, der 90 Sekunden dauert. Ein Alarm, den der Bediener quittiert. Ein Mikrostopp von 30 Sekunden, der sich 20 Mal pro Stunde wiederholt. Diese Ereignisse werden nicht dokumentiert, nicht analysiert und nicht abgestellt. Aber sie summieren sich.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Automobilzulieferer mit 30 Maschinen erfasste bisher nur Stillstände über 15 Minuten im Schichtbuch. Nach der Einführung der automatischen Stillstandserfassung über SYMESTIC zeigte sich: 40 % der gesamten Stillstandszeit entfielen auf Unterbrechungen unter 5 Minuten. Diese "unsichtbaren" Verluste waren in Summe grösser als die dokumentierten großen Ausfälle.

Genau das ist der Punkt, an dem ein MES ansetzt: Es erfasst jeden Stillstand automatisch, unabhängig von der Dauer, ohne menschliche Entscheidung, ob ein Ereignis "wichtig genug" zum Aufschreiben ist.


Wie SYMESTIC Maschinenausfälle sichtbar macht

SYMESTIC ist kein Instandhaltungssystem. Es plant keine Wartungen und verwaltet keine Ersatzteile. Aber SYMESTIC liefert die Daten, ohne die eine systematische Reduktion von Maschinenausfällen nicht funktioniert.

  • Automatische Stillstandserkennung. Jeder Maschinenstillstand wird automatisch erfasst: Zeitpunkt, Dauer, Häufigkeit. Das passiert über das Maschinensignal (OPC UA oder digitales Gateway), ohne manuelle Eingabe. Es gibt keine Lücke und keine Schwelle, ab der ein Stillstand "zählt".
  • Stillstandsklassifikation. Über den Shopfloor-Client klassifiziert der Werker den Stillstand: technischer Ausfall, Materialmangel, Rüsten, geplante Wartung, Qualitätsproblem. Damit wird sichtbar, nicht nur wie lange die Maschine stand, sondern warum.
  • Top-10-Stillstandsursachen. In der Analyse werden Stillstände nach Ursache, Dauer und Häufigkeit gerankt. Die Instandhaltung sieht auf einen Blick, welche Ursache die meiste Produktionszeit kostet, und kann gezielt dort ansetzen. Bei Meleghy Automotive hat diese Analyse zu einer 10 % Reduktion der Stillstandszeiten geführt.
  • Alarmkorrelation. Über das Alarme-Modul werden SPS-Alarme erfasst und mit Stillständen korreliert. Bei Neoperl hat die Korrelation von SPS-Alarmen mit Stillständen und Qualitätsdefekten zu 10 % weniger Stillständen und 8 % höherer Anlagenverfügbarkeit geführt.
  • Zykluszeitüberwachung. Wenn die Zykluszeit einer Maschine langsam ansteigt, deutet das auf Verschleiß hin, lange bevor der Totalausfall kommt. SYMESTIC erfasst jede Zykluszeit und macht Abweichungen vom Sollwert sichtbar.
  • Benachrichtigungen. SYMESTIC sendet automatische Benachrichtigungen per E-Mail oder Push auf die Smartphone-App, wenn ein Stillstand eine definierte Dauer überschreitet. Die Instandhaltung erfährt sofort von einem Problem, nicht erst beim nächsten Rundgang.

Drei Schritte zur systematischen Reduktion

Maschinenausfälle lassen sich nicht mit einem einzigen Projekt halbieren. Aber mit einem systematischen Ansatz lassen sich die grössten Verluste innerhalb weniger Wochen deutlich reduzieren.

Schritt 1: Daten erfassen. Automatische Stillstandserfassung einrichten. Jeder Stillstand wird erfasst, jede Ursache wird klassifiziert. Das ist die Grundlage. Ohne Daten gibt es keine Analyse, ohne Analyse keine gezielte Verbesserung. Mit SYMESTIC ist dieser Schritt innerhalb von Tagen umsetzbar, ohne Eingriff in die Maschinensteuerung.

Schritt 2: Top-Verluste identifizieren. Nach 2 bis 4 Wochen Datenerfassung zeigt die Analyse die größten Stillstandsursachen. Typisch: 3 bis 5 Ursachen machen 60 bis 80 % der gesamten ungeplanten Stillstandszeit aus. Auf diese Ursachen konzentriert sich die Verbesserung.

Schritt 3: Ursachen abstellen. Für die Top-Ursachen werden Massnahmen definiert: Wartungsintervall anpassen, Ersatzteil tauschen, Prozessparameter ändern, Bedienertraining durchführen. Die Wirksamkeit wird über die Stillstandsdaten geprüft: Ist die Ursache nach der Maßnahme seltener oder kürzer geworden?

Bei Carcoustics hat SYMESTIC nach der Einführung der automatischen Stillstandserfassung in 6 Werken eine 4 % Reduktion der Stillstandszeiten und 8 % Verbesserung der Verfügbarkeit dokumentiert. Bei Klocke (Pharma-Verpackung) führte die Analyse der Stillstandsmuster zu 7 zusätzlichen Produktionsstunden pro Woche.


Maschinenausfälle und die OEE

Maschinenausfälle wirken sich direkt auf den Verfügbarkeitsfaktor der OEE aus.

Der Verfügbarkeitsfaktor misst, wie viel der geplanten Produktionszeit tatsächlich für Produktion genutzt wird. Jeder ungeplante Stillstand senkt die Verfügbarkeit. Bei einer geplanten Produktionszeit von 8 Stunden und 1 Stunde ungeplantem Stillstand liegt die Verfügbarkeit bei 87,5 %. Wenn dazu noch 30 Minuten Mikrostopps kommen, die vorher nicht erfasst wurden, sinkt die tatsächliche Verfügbarkeit auf 81,25 %.

Das Problem: Ohne automatische Erfassung wird die Verfügbarkeit oft überschätzt. Der Bediener schätzt, die Maschine sei "95 % verfügbar" gewesen. Die automatische Datenerfassung zeigt: 82 %. Die Differenz sind die Mikrostopps und kurzen Unterbrechungen, die im Schichtbuch nicht auftauchen.

Ein MES wie SYMESTIC berechnet die OEE in Echtzeit pro Maschine und Schicht. Der Verfügbarkeitsfaktor wird nicht geschätzt, sondern gemessen. Damit wird sichtbar, wie viel Produktionszeit tatsächlich durch Maschinenausfälle verloren geht.


Häufige Fragen zu Maschinenausfällen

Was sind die häufigsten Ursachen für Maschinenausfälle?

Mechanischer Verschleiß (Lager, Werkzeuge, Dichtungen), elektrische Störungen (Sensordefekte, Kabelbruch), Pneumatik-/Hydraulikprobleme (Leckagen, Druckabfall), Materialstörungen (Stau, Fremdkörper) und Bedienfehler (falsche Parameter, fehlender Reset). In vielen Betrieben machen Materialstaus und Mikrostopps in Summe mehr Stillstandszeit aus als große technische Ausfälle.

Wie werden Maschinenausfälle in der OEE berücksichtigt?

Ungeplante Maschinenausfälle senken den Verfügbarkeitsfaktor der OEE. Jede Minute ungeplanter Stillstand reduziert die Verfügbarkeit und damit die Gesamt-OEE. Geplante Stillstände (Wartung, Rüsten) können je nach OEE-Berechnungsmethode in die geplante Stillstandszeit einfließen und belasten dann den Verfügbarkeitsfaktor nicht.

Kann SYMESTIC Maschinenausfälle verhindern?

SYMESTIC verhindert keine Ausfälle direkt. Aber SYMESTIC erfasst jeden Stillstand automatisch, klassifiziert die Ursache und zeigt die größten Verlustquellen in der Analyse. Das ist die Datenbasis, auf der gezielte Verbesserungsmassnahmen aufbauen. Bei Meleghy Automotive hat das zu 10 % weniger Stillstandszeiten geführt, bei Neoperl zu 10 % weniger Stillständen und 8 % höherer Verfügbarkeit.

Was kosten Mikrostopps im Vergleich zu grossen Ausfällen?

Einzeln betrachtet kosten Mikrostopps wenig. In Summe kosten sie oft mehr als die großen Ausfälle. Ein 2-Minuten-Materialstau, der 15 Mal pro Schicht auftritt, ergibt 30 Minuten verlorene Produktionszeit pro Schicht. Auf einen Monat sind das 30 Stunden, mehr als ein typischer GroßAusfall. Der Unterschied: Grossausfälle werden bemerkt und dokumentiert. Mikrostopps verschwinden, wenn sie nicht automatisch erfasst werden.

Wie schnell kann ich mit der Stillstandserfassung starten?

Wenn die Maschinenanbindung über SYMESTIC eingerichtet ist (typischerweise 2 bis 4 Stunden pro Maschine über digitales Gateway oder OPC UA), werden Stillstände ab dem ersten Tag erfasst. Die Stillstandsklassifikation am Shopfloor-Client ist innerhalb eines Tages konfiguriert. Nach 2 bis 4 Wochen Datenerfassung sind die Top-Stillstandsursachen sichtbar und die ersten Verbesserungsmaßnahmen können eingeleitet werden.

Martin Brandel
Über den Autor:
Martin Brandel
MES Consultant und Projektleiter bei der symestic GmbH. Über 30 Jahre Erfahrung in industrieller Automatisierung und Maschinenanbindung. Dipl.-Ing. Nachrichtentechnik.

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