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NTF-Quote: Bedeutung
Die NTF-Quote (No Trouble Found) misst den Anteil an Teilen, Baugruppen oder Produkten, die als fehlerhaft gemeldet oder aussortiert werden, bei denen eine nachfolgende Prüfung jedoch keinen reproduzierbaren Fehler feststellen kann. Die Kennzahl wird sowohl für Kundenreklamationen (Feldretouren) als auch für interne Produktionsprozesse (Pseudo-Ausschuss) verwendet.
In der Fertigung kann die produktionsinterne NTF-Quote das größere Problem sein als Feldretouren. Wenn eine Endprüfung ein Teil als „nicht in Ordnung“ aussortiert, ein Retest aber keinen Fehler bestätigt, ist das ein NTF-Fall. Das Teil hat alle Ressourcen verbraucht, wird aber trotzdem aussortiert oder muss aufwändig nachgeprüft werden.
NTF-Fälle deuten auf ein Diagnoseproblem hin. Entweder ist der Fehler real, aber intermittierend (er tritt nur unter bestimmten Bedingungen auf). Oder der Prüfprozess selbst ist fehlerhaft (Prüfmittel-Drift, falsche Toleranzen, Umgebungseinflüsse). Beides zu unterscheiden erfordert Daten, die über den Prüfvorgang hinausgehen.
NTF-Quote berechnen
Die Grundformel:
NTF-Quote (%) = (Anzahl NTF-Fälle / Gesamtanzahl gemeldeter Fehlerfälle) × 100
Dabei zählen als NTF-Fälle alle Teile oder Produkte, bei denen nach einer strukturierten Nachprüfung kein Fehler reproduziert werden konnte.
| Kontext | Zähler (NTF-Fälle) | Nenner (Gesamtfälle) | Wovon der Wert abhängt |
|---|---|---|---|
| Feldretouren | Vom Kunden als defekt zurückgesendete Produkte ohne reproduzierbaren Fehler | Alle Retouren im Zeitraum | Retourenprozess und Tiefe der Nachprüfung |
| Produktionsintern | An der Endprüfung aussortierte Teile, die beim Retest bestehen | Alle an der Endprüfung aussortierten Teile | Prüftechnologie und Produktkomplexität |
| Warranty | Garantiefälle ohne bestätigten Defekt nach Laboranalyse | Alle Garantiefälle | Tiefe der Laboranalyse |
Wichtig: Die Aussagekraft der NTF-Quote hängt vollständig von der Qualität der Nachprüfung ab. Wer ein Teil nur ein zweites Mal durch dieselbe Prüfstation schickt, findet naturgemäß weniger Fehler als bei einer systematischen Nachanalyse mit erweiterten Prüfbedingungen.
Die fünf Ursachenkategorien von NTF
NTF-Fälle haben eine Ursache. „No Trouble Found“ heißt: Das Problem ist mit den verfügbaren Mitteln nicht reproduzierbar. Die Ursachen lassen sich in fünf Kategorien einteilen:
Kategorie 1: Intermittierende Fehler. Der Fehler ist real, tritt aber nur unter bestimmten Bedingungen auf: bei bestimmten Temperaturen, nach einer Mindestbetriebsdauer, bei einer spezifischen Kombination von Eingangssignalen oder unter mechanischer Belastung. Beim Retest unter Standardbedingungen ist er nicht reproduzierbar.
Kategorie 2: Prüfmittel- und Prüfprozessfehler. Die Prüfstation selbst erzeugt Falsch-Ausschuss. Typische Ursachen: Prüfmittel-Drift (Kontaktstifte verschleißen, Sensoren altern), zu enge Prüftoleranzen, instabile Prüfumgebung (Temperatur, Vibrationen) oder fehlerhafte Prüfprogramme. Diese Kategorie wird leicht unterschätzt: Wenn die Prüfstation 1 % Falsch-Ausschuss erzeugt und 100.000 Teile pro Monat geprüft werden, sind das 1.000 NTF-Fälle pro Monat.
Kategorie 3: Umgebungs- und Transporteinflüsse. Bei Feldretouren: Das Produkt funktionierte beim Kunden nicht, weil die Einsatzbedingungen außerhalb der Spezifikation lagen (Feuchtigkeit, ESD, Netzqualität). Im Labor funktioniert es einwandfrei. Bei produktionsinternen NTF-Fällen: Das Teil war zwischen Fertigung und Prüfung Bedingungen ausgesetzt, die den Fehler ausgelöst haben (z. B. thermischer Schock beim Transport zwischen klimatisierten und nicht klimatisierten Bereichen).
Kategorie 4: Bedienfehler und Kommunikationsprobleme. Bei Feldretouren: Der Kunde hat das Produkt falsch bedient. Bei produktionsinternen Fällen: Der Werker hat den Fehler falsch klassifiziert oder die Prüfanweisung nicht korrekt befolgt.
Kategorie 5: Latente Defekte. Der Fehler ist real und reproduzierbar, wird aber beim Retest nicht gefunden, weil die Nachprüfung nicht die richtigen Parameter testet. Ein Riss in einer Lötstelle kann unter statischer Belastung bestehen, aber unter Vibration versagen. Wenn der Retest keine Vibrationsbelastung beinhaltet, wird der Fehler nicht gefunden.
NTF in der Fertigung: Warum Pseudo-Ausschuss die OEE verfälscht
In der OEE-Berechnung fließt jedes Teil, das an der Endprüfung aussortiert wird, in den Qualitätsfaktor ein. Ob das Teil tatsächlich defekt ist oder ein NTF-Fall, spielt für die OEE-Berechnung keine Rolle. Das bedeutet: Eine hohe NTF-Quote drückt den OEE-Qualitätsfaktor nach unten, obwohl die tatsächliche Fertigungsqualität besser ist als die Kennzahl zeigt.
Ein Rechenbeispiel: Eine Montagelinie produziert 10.000 Teile pro Schicht. Die Endprüfung sortiert 200 Teile aus (2 % Ausschussrate). Von diesen 200 Teilen sind 60 NTF-Fälle (30 % NTF-Quote). Der reale Ausschuss beträgt also 140 Teile (1,4 %), nicht 200 (2,0 %). Die OEE zeigt einen Qualitätsfaktor von 98,0 %, der reale Wert liegt bei 98,6 %. Bei einer Anlage mit 2 Mio. € Jahresoutput entsprechen diese 0,6 Prozentpunkte ca. 12.000 € pro Jahr an fälschlich als Ausschuss verbuchtem Material.
Das ist der Grund, warum NTF in der Qualitätsmanagement-Praxis ein eigenständiges Handlungsfeld ist und nicht einfach unter „Ausschuss“ subsumiert werden sollte.
NTF vs. verwandte Kennzahlen
| Kennzahl | Was sie misst | Abgrenzung zu NTF |
|---|---|---|
| NTF-Quote | Anteil der als fehlerhaft gemeldeten Teile ohne reproduzierbaren Fehler | Referenzkennzahl |
| False Reject Rate (FRR) | Anteil der Gutteile, die von der Prüfstation fälschlich als fehlerhaft klassifiziert werden | Fokus auf den Prüfprozess, nicht auf das Produkt. FRR ist eine Teilmenge der NTF-Ursachen (Kategorie 2) |
| Retest-OK-Rate | Anteil der aussortierten Teile, die beim wiederholten Test bestehen | Operativ ähnlich, aber ohne systematische Ursachenanalyse. Hohe Retest-OK-Rate ≈ hohe NTF-Quote |
| Pseudo-Ausschuss | Teile, die als Ausschuss verbucht werden, obwohl sie funktional in Ordnung sind | Produktionsinterner Begriff für NTF, teils ohne formale Kennzahlendefinition |
| Warranty Claim Rate | Anteil der im Feld reklamierten Produkte bezogen auf die Gesamtliefermenge | NTF ist eine Teilmenge der Warranty Claims: Reklamationen ohne bestätigten Defekt |
NTF reduzieren: Der Beitrag von Prozessdaten und Traceability
Die traditionelle NTF-Analyse folgt dem 8D-Prozess oder einer vergleichbaren Methodik: Problem beschreiben, Sofortmaßnahmen einleiten, Ursache finden, Abstellmaßnahme implementieren. Das funktioniert bei systematischen Fehlern. Bei intermittierenden Fehlern (Kategorie 1) stößt dieser Ansatz an Grenzen, weil der Fehler im Labor nicht reproduzierbar ist.
Hier setzen Maschinendatenerfassung und MES-Traceability an. Wenn für jedes produzierte Teil die Prozesshistorie gespeichert ist (Prozessparameter, Maschinenalarme, Umgebungsbedingungen, Zykluszeiten), kann ein NTF-Fall retrospektiv analysiert werden: Unter welchen Bedingungen wurde das Teil gefertigt? Gab es Abweichungen bei Temperatur, Druck, Drehzahl? Lag ein SPS-Alarm vor, der zeitlich mit dem Fertigungsschritt korreliert?
Ein konstruiertes Beispiel zeigt das Prinzip: Statt den Fehler am fertigen Teil zu suchen, wird die Fertigungshistorie mit dem Prüfergebnis abgeglichen. Eine Endprüfung sortiert in einer Woche 200 Teile aus, 60 davon bestehen den erweiterten Retest (NTF-Quote 30 %, andere Linie als im Rechenbeispiel oben). Die 60 NTF-Fälle verteilen sich so:
| Befund im Abgleich | NTF-Fälle | Ursachenkategorie | Maßnahme |
|---|---|---|---|
| Alle an Prüfstation B, Prüfadapter seit dem letzten Wechsel mit hoher Zyklenzahl | 34 | 2 (Prüfmittel) | Adapter wechseln, Wechselintervall festlegen |
| Gefertigt in den zwei Stunden nach einem Temperaturalarm am Lötofen | 18 | 1 oder 5 (intermittierend oder latent) | Lötprofil prüfen, betroffene Teile unter Temperaturwechsel nachprüfen |
| Kein Muster erkennbar | 8 | offen | Einzelanalyse |
| Summe | 60 |
34 von 60 Fällen, also 57 %, gehen auf die Prüfstation zurück; ob sie nach dem Adapterwechsel verschwinden, zeigt die NTF-Quote der Folgewoche. Ohne den Abgleich hätte die Linie die gesamte NTF-Quote als Produktproblem behandelt.
NTF in der Automobilindustrie: Besondere Relevanz
In der Automobilindustrie hat NTF eine spezifische Brisanz. Wenn ein Zulieferer Teile liefert und der OEM eine Reklamation mit NTF-Ergebnis zurückspielt, steht der Zulieferer vor einem Dilemma: Er kann den Fehler nicht bestätigen, muss aber trotzdem reagieren. Ohne belastbare Prozessdaten aus der Fertigung bleibt nur die Vermutung.
Die IATF 16949 verlangt von Automobilzulieferern in Abschnitt 8.5.2.1 einen risikobasierten Plan zur Rückverfolgbarkeit. Ein MES mit Traceability-Funktion dokumentiert für jedes Teil den Fertigungsweg: welche Maschine, welcher Arbeitsgang, welche Prozessparameter, welcher Werker, zu welchem Zeitpunkt. Wenn ein NTF-Fall auftritt, kann der Zulieferer nachweisen, dass das Teil innerhalb der Spezifikation gefertigt wurde, oder die Abweichung identifizieren, die den intermittierenden Fehler verursacht hat.
SYMESTIC erfasst je Anlage Stückzahlen, Ausschuss, Stillstände, Alarme und Prozessdaten mit Zeitstempel. Damit lässt sich für den Zeitraum, in dem die NTF-Teile gefertigt wurden, prüfen, ob an der Anlage ein Alarm oder eine Prozessabweichung vorlag.
Typische Fehler bei der NTF-Analyse
Fehler 1: NTF als „kein Problem“ interpretieren. „Kein Fehler gefunden“ heißt nicht „kein Fehler vorhanden“. Es heißt „mit den verfügbaren Mitteln nicht reproduzierbar“. Der Unterschied zählt: Wer NTF-Fälle als erledigt ablegt, ohne die Ursache zu klären, akzeptiert ein ungelöstes Qualitätsproblem.
Fehler 2: Retest als alleinige NTF-Methode. Ein Teil ein zweites Mal durch die gleiche Prüfstation zu schicken ist kein NTF-Verfahren. Intermittierende Fehler werden so nicht gefunden. Ein strukturiertes NTF-Verfahren beinhaltet erweiterte Prüfbedingungen, Umgebungsstress (Temperatur, Vibration) und die Analyse der Fertigungshistorie.
Fehler 3: NTF-Quote nicht nach Ursachenkategorie aufschlüsseln. Eine NTF-Quote von 25 % sagt wenig aus. Die Frage ist: Sind es 25 % intermittierende Fehler (Produktproblem) oder 25 % Prüfmittelfehler (Prüfprozess-Problem)? Die Maßnahmen sind grundverschieden. Ohne Kategorisierung werden Ressourcen falsch eingesetzt.
Fehler 4: Prüfmittel-Drift ignorieren. Prüfmittel unterliegen Verschleiß. Kontaktstifte in elektrischen Prüfadaptern haben eine begrenzte Zahl an Steckzyklen, die der Hersteller angibt. Wenn die False Reject Rate schleichend steigt, steigt auch die NTF-Quote, ohne dass sich an der Produktqualität etwas geändert hat. TPM-konforme Prüfmittelüberwachung macht diesen Effekt sichtbar.
Häufige Fragen zur NTF-Quote
Was bedeutet NTF (No Trouble Found)?
NTF bedeutet, dass ein als fehlerhaft gemeldetes Teil bei der Nachprüfung keinen reproduzierbaren Fehler zeigt. Die NTF-Quote misst den Anteil solcher Fälle an allen gemeldeten Fehlerfällen. Sie wird sowohl für Kundenreklamationen (Feldretouren) als auch für produktionsinterne Ausschuss-Fälle (Pseudo-Ausschuss) verwendet.
Wie berechne ich die NTF-Quote?
NTF-Quote (%) = (Anzahl NTF-Fälle / Gesamtanzahl gemeldeter Fehlerfälle) × 100. Beispiel: 60 NTF-Fälle bei 200 gemeldeten Fehlern = 30 % NTF-Quote. Die Aussagekraft hängt von der Qualität des Nachprüfverfahrens ab.
Warum ist eine hohe NTF-Quote ein Problem?
Eine hohe NTF-Quote bedeutet entweder unentdeckte intermittierende Fehler (Qualitätsrisiko) oder fehlerhafte Prüfprozesse (Effizienzproblem). Beides verursacht Kosten: unnötige Nachprüfungen, fälschlich verschrottetes Material, verzerrte Qualitätskennzahlen wie die OEE und bei Feldretouren Logistik- und Bearbeitungskosten.
Wie helfen Prozessdaten bei der NTF-Analyse?
Prozessdaten mit Zeitstempel zeigen, ob ein NTF-Teil in einem Zeitraum mit Alarm oder Prozessabweichung gefertigt wurde.
Welche Alarme und Prozessdaten an den eigenen Anlagen zur NTF-Analyse beitragen, zeigt eine kostenlose Live-Demo am eigenen Anwendungsfall.
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Prozesswerte und Ausschuss nebeneinander sehen
In einer Live-Demo zeigen wir, wie Prozesswerte und Ausschuss an der Maschine zusammen erfasst werden.
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- Maschinen und ERP anbinden

Jeder Fehler erfasst, jeder Fehler bewertet
Bauteil scannen, OK oder NOK wählen, Fehlerstelle antippen. SYMESTIC zeigt, welcher Fehler wie oft vorkommt und was er kostet.
Über den Autor
Christian FiegHead of Sales
Six Sigma Black Belt mit über 25 Jahren in der Fertigungsindustrie, zuvor bei Johnson Controls, Visteon, iTAC und Dürr. Autor des Buchs „OEE: Eine Zahl, viele Lügen“.
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