MES: Definition, Funktionen & Nutzen 2026
MES (Manufacturing Execution System): Funktionen nach VDI 5600, Architekturen, Kosten und Praxisergebnisse. Mit Implementierungsdaten aus 15.000+ Maschinen.
Anlagenverfügbarkeit ist der Anteil der geplanten Produktionszeit, in dem eine Maschine tatsächlich produziert. Sie beantwortet eine einfache Frage: Wie viel der Zeit, die für Produktion vorgesehen war, wurde tatsächlich für Produktion genutzt?
Die Formel:
Verfügbarkeit (%) = (Geplante Produktionszeit - Stillstandszeit) / Geplante Produktionszeit × 100
Ein Beispiel: Eine Maschine hat eine geplante Produktionszeit von 8 Stunden (480 Minuten). Während dieser Zeit steht sie 55 Minuten still (technischer Ausfall: 30 Minuten, Rüsten: 25 Minuten). Die Verfügbarkeit beträgt: (480 - 55) / 480 × 100 = 88,5 %.
Verfügbarkeit ist einer der drei Faktoren der OEE (Overall Equipment Effectiveness). Die OEE multipliziert Verfügbarkeit × Leistung × Qualität. Eine niedrige Verfügbarkeit senkt die OEE direkt, unabhängig davon, wie gut Leistung und Qualität sind.
Verfügbarkeit und OEE werden oft verwechselt oder gleichgesetzt. Sie messen aber unterschiedliche Dinge.
| Kennzahl | Was sie misst | Was sie nicht misst | Formel |
|---|---|---|---|
| Verfügbarkeit | Wie viel der geplanten Zeit die Maschine läuft (nicht steht) | Ob die Maschine schnell genug läuft oder gute Teile produziert | (Geplante Produktionszeit - Stillstand) / Geplante Produktionszeit |
| OEE | Wie effektiv die gesamte geplante Produktionszeit genutzt wird (Verfügbarkeit × Leistung × Qualität) | Verluste ausserhalb der geplanten Produktionszeit (z.B. fehlende Aufträge, Wochenende) | Verfügbarkeit × Leistung × Qualität |
Das bedeutet: Eine Maschine kann eine Verfügbarkeit von 92 % haben, aber eine OEE von nur 68 %. Die Maschine läuft fast immer (hohe Verfügbarkeit), aber wenn sie läuft, läuft sie zu langsam (Leistungsverlust) und produziert zu viele schlechte Teile (Qualitätsverlust). Wer nur die Verfügbarkeit betrachtet, übersieht zwei Drittel der Verluste.
Im OEE-Modell gibt es sechs große Verlustarten (Six Big Losses). Zwei davon betreffen die Verfügbarkeit direkt.
| Verlusttyp | OEE-Faktor | Beschreibung | Beispiele |
|---|---|---|---|
| Ungeplante Stillstände | Verfügbarkeit | Maschine steht wegen technischem Ausfall oder organisatorischem Problem | Motorschaden, Sensorausfall, SPS-Fehler, Materialmangel, Bediener fehlt |
| Geplante Stillstände / Rüsten | Verfügbarkeit (je nach Definition) | Maschine steht wegen Werkzeugwechsel, Artikelwechsel, Reinigung | Rüstvorgang, Formatwechsel, geplante Wartung während der Produktionszeit |
| Mikrostopps | Leistung | Kurze Unterbrechungen unter 5 Minuten | Materialstau, Sensor blockiert, Teil klemmt |
| Reduzierte Geschwindigkeit | Leistung | Maschine läuft, aber langsamer als Soll-Taktzeit | Verschleiß, suboptimale Parameter, Bedienereingriff |
| Anlaufverluste | Qualität | Teile nach dem Anfahren sind nicht verkaufsfähig | Einfahrteile nach Rüsten, Temperaturstabilisierung |
| Produktionsausschuss | Qualität | Teile während der stabilen Produktion sind nicht verkaufsfähig | Maß Toleranzen, Oberflächenfehler, Prozessabweichung |
In der Praxis sind ungeplante Stillstände der größte Einzelposten beim Verfügbarkeitsverlust. In vielen Betrieben machen sie 10 bis 25 % der geplanten Produktionszeit aus. Rüstzeiten kommen als zweiter großer Posten dazu.
Jede Minute, in der eine Maschine steht statt produziert, kostet Geld. Die Kosten setzen sich aus drei Komponenten zusammen.
Direkte Maschinenstillstandskosten. Der Maschinenstundensatz läuft weiter (Abschreibung, Energie, Flächenkosten), aber die Maschine produziert nicht. Bei einem Maschinenstundensatz von 100 Euro und 55 Minuten Stillstand pro Schicht sind das ca. 92 Euro pro Schicht.
Personalkosten. Der Bediener wartet, der Instandhalter repariert. Beide Lohnkosten laufen, ohne dass produziert wird.
Opportunitätskosten. Die Teile, die während des Stillstands nicht produziert wurden, fehlen. In einer JIT-Fertigung kann ein 30-minütiger Stillstand einer Engpassmaschine zu Lieferverzögerungen und Konventionalstrafen führen.
Ein Rechenbeispiel: Ein Kunststoffverarbeiter mit 8 Spritzgussmaschinen hat eine durchschnittliche Verfügbarkeit von 82 %. Geplante Produktionszeit pro Maschine: 16 Stunden/Tag (Zweischicht). Verfügbarkeitsverlust: 18 % von 16 Stunden = 2,88 Stunden pro Maschine und Tag. Bei 8 Maschinen: 23 Stunden Stillstand pro Tag im Maschinenpark. Maschinenstundensatz: 95 Euro. Direkte Stillstandskosten: 23 × 95 = 2.185 Euro pro Tag, 48.000 Euro pro Monat (22 Arbeitstage). Wenn die Verfügbarkeit von 82 % auf 88 % gesteigert wird (6 Prozentpunkte), sinken die Stillstandskosten um ca. 14.500 Euro pro Monat.
In über 25 Jahren Fertigungsindustrie habe ich ein Muster gesehen, das sich in jedem Werk wiederholt: Wenn man Produktionsleiter nach der Verfügbarkeit fragt, sagen sie "85 bis 90 %". Wenn man zum ersten Mal automatisch misst, liegt der tatsächliche Wert bei 70 bis 80 %.
Die Differenz hat drei Ursachen.
Ursache 1: Kurze Stillstände werden nicht erfasst. Ein 3-Minuten-Stillstand wird vom Bediener nicht dokumentiert. In der manuellen Erfassung existiert er nicht. Aber über eine Schicht summieren sich zwanzig 3-Minuten-Stillstände zu einer Stunde verlorener Produktionszeit. Erst ein MES mit automatischer Stillstandserkennung macht diese Mikrostillstände sichtbar.
Ursache 2: Rüstzeiten werden unterschätzt. Der Bediener schätzt "25 Minuten" für einen Werkzeugwechsel. Die automatische Messung zeigt: 38 Minuten vom letzten Gutteil des alten Auftrags bis zum ersten Gutteil des neuen Auftrags. Die Differenz: Werkzeug suchen, Material holen, Einfahrteile.
Ursache 3: Definition von "geplanter Produktionszeit" variiert. Manche Betriebe rechnen Pausen, Schichtwechsel und Teambesprechungen aus der geplanten Produktionszeit heraus. Das macht die Verfügbarkeit optisch höher, verdeckt aber die tatsächlichen Verluste.
Ohne automatische Messung ist jede Verfügbarkeitszahl eine Schätzung. Und Schätzungen sind systematisch zu optimistisch.
SYMESTIC repariert keine Maschinen und plant keine Wartung. SYMESTIC misst die Verfügbarkeit automatisch, sekundengenau und in Echtzeit. Das ist die Datenbasis, ohne die keine gezielte Verbesserung möglich ist.
Hebel 1: Ungeplante Stillstände reduzieren. Die Pareto-Analyse zeigt die Top-Störungsursachen. Für jede Top-Ursache wird eine Maßnahme definiert: Wartungsintervall anpassen, Komponente präventiv tauschen, Bedienertraining durchführen. Die Wirksamkeit wird über die Stillstandsdaten geprüft. Bei Brita hat die automatische Stillstandserkennung und Benachrichtigung über SYMESTIC zu 5 % Reduktion der Stillstandszeiten und 3 % Verbesserung der Verfügbarkeit geführt.
Hebel 2: Rüstzeiten verkürzen. Die Rüstzeit-Analyse in SYMESTIC zeigt: Welcher Artikelwechsel dauert am längsten? Welche Maschine wird am häufigsten gerüstet? Welche Schicht rüstet am schnellsten? Auf dieser Basis können SMED-Maßnahmen gezielt eingesetzt werden: externe Rüsttätigkeiten vor den Stillstand verlagern, interne Tätigkeiten standardisieren und beschleunigen.
Hebel 3: Reaktionszeit verkürzen. Automatische Benachrichtigungen statt manueller Meldewege. Störungshistorie pro Maschine, damit der Instandhalter nicht bei null anfängt. Bei Klocke (Pharma-Verpackung) ergab die systematische Analyse der Stillstandsmuster 7 zusätzliche Produktionsstunden pro Woche.
Die erzielbare Verfügbarkeit hängt stark von der Branche, dem Fertigungsverfahren und der Anlagenkomplexität ab.
| Branche / Verfahren | Typische Verfügbarkeit (gemessen) | Guter Wert | Hauptverlustquelle |
|---|---|---|---|
| Automobilzulieferer (Presswerk, Fügelinie) | 75-85 % | 88+ % | Werkzeugwechsel, technische Störungen |
| Spritzguss | 80-88 % | 90+ % | Werkzeugwechsel, Temperaturstabilisierung |
| CNC-Metallbearbeitung | 70-82 % | 85+ % | Rüsten, Werkzeugverschleiß, Programmierung |
| Verpackung (Pharma, FMCG) | 65-80 % | 85+ % | Formatwechsel, Materialzuführung, Mikrostopps |
| Lebensmittel (Hochautomatisierte Linien) | 75-85 % | 88+ % | Reinigung, Produktwechsel, Materialzuführung |
Diese Werte stammen aus automatischer Messung, nicht aus manueller Schätzung. Manuell geschätzte Werte liegen typischerweise 5 bis 15 Prozentpunkte höher als die tatsächlichen.
Was ist der Unterschied zwischen Anlagenverfügbarkeit und OEE?
Anlagenverfügbarkeit misst nur den Zeit Anteil, in dem die Maschine läuft (nicht steht). OEE multipliziert Verfügbarkeit mit Leistung (läuft die Maschine schnell genug?) und Qualität (produziert die Maschine gute Teile?). Eine Maschine kann eine hohe Verfügbarkeit haben, aber trotzdem eine niedrige OEE, wenn sie langsam läuft oder viel Ausschuss produziert.
Wie wird Anlagenverfügbarkeit berechnet?
Verfügbarkeit = (Geplante Produktionszeit - Stillstandszeit) / Geplante Produktionszeit × 100. Die geplante Produktionszeit ist die Schichtdauer abzüglich geplanter Stillstände (Pausen, geplante Wartung, je nach Definition). Die Stillstandszeit umfasst alle ungeplanten Stillstände und je nach OEE-Definition auch Rüstzeiten.
Kann SYMESTIC die Anlagenverfügbarkeit verbessern?
SYMESTIC verbessert keine Verfügbarkeit direkt. SYMESTIC misst die Verfügbarkeit automatisch, sekundengenau und in Echtzeit. Es zeigt, wo Verfügbarkeit verloren geht (welche Maschine, welche Ursache, welche Schicht) und wie sich Maßnahmen auswirken. Bei Neoperl hat das zu 8 % höherer Anlagenverfügbarkeit geführt, bei Carcoustics zu 8 % Verbesserung der Verfügbarkeit über 500+ Anlagen.
Zählt Rüstzeit als Verfügbarkeitsverlust?
Das hängt von der OEE-Definition ab. Die strengere Methode (und die, die den größten Verbesserungsanreiz bietet) rechnet Rüstzeit als Verfügbarkeitsverlust. Die weniger strenge Methode rechnet Rüstzeit als geplanten Stillstand heraus. In SYMESTIC lässt sich "Rüsten" als eigene Stillstandskategorie konfigurieren, getrennt von technischen Stillständen, damit beide Berechnungsmethoden möglich sind.
Wie schnell kann ich meine Verfügbarkeit messen?
Wenn die Maschinenanbindung über SYMESTIC eingerichtet ist (typischerweise 2 bis 4 Stunden pro Maschine über digitales Gateway oder OPC UA), wird die Verfügbarkeit ab dem ersten Tag automatisch berechnet. Nach 2 bis 4 Wochen zeigt die Analyse die tatsächlichen Verfügbarkeitswerte pro Maschine, die Top-Stillstandsursachen und die Schichtunterschiede.
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