MES: Definition, Funktionen & Nutzen 2026
MES (Manufacturing Execution System): Funktionen nach VDI 5600, Architekturen, Kosten und Praxisergebnisse. Mit Implementierungsdaten aus 15.000+ Maschinen.
Prozessauswertung ist die systematische Interpretation von Produktionsdaten mit dem Ziel, aus Rohdaten Erkenntnisse zu gewinnen, die zu konkreten Maßnahmen führen. Sie beantwortet die Frage: Was sagen die Daten, und was folgt daraus?
In der Fertigung bedeutet Prozessauswertung konkret: Die automatisch erfassten Maschinendaten (Laufzeiten, Stillstände, Taktzeiten, Qualitätsereignisse, Prozessparameter) werden strukturiert, visualisiert und interpretiert. Das Ergebnis ist nicht eine Zahl in einem Report, sondern eine priorisierte Handlungsempfehlung: Welcher Verlust ist der teuerste? Welche Ursache liegt dahinter? Welche Maßnahme hat den größten Hebel?
Die beiden Begriffe werden oft synonym verwendet. In der Fertigungspraxis gibt es einen wichtigen Unterschied.
| Merkmal | Prozessanalyse | Prozessauswertung |
|---|---|---|
| Fokus | Untersuchung: Warum läuft der Prozess so, wie er läuft? | Interpretation: Was sagen die Daten, und was folgt daraus? |
| Zeitpunkt | Einmalig oder periodisch (z. B. Projektanalyse, Wertstromanalyse) | Kontinuierlich (z. B. täglicher Schichtreport, Echtzeit-Dashboard) |
| Methode | 5-Why, Ishikawa, Wertstromanalyse, Prozessbegehung | Pareto-Analyse, OEE-Zerlegung, Trendanalyse, Schichtvergleich, Korrelation |
| Output | Ursachenverständnis ("Der Stillstand kommt von Ursache X") | Handlungsempfehlung ("Ursache X kostet Y Euro, Maßnahme Z wird empfohlen") |
| Voraussetzung | Daten + Beobachtung vor Ort | Strukturierte, automatisch erfasste Daten |
Kurz: Die Analyse fragt "Warum?", die Auswertung fragt "Was tun?". Beide brauchen automatisch erfasste Daten. Aber die Auswertung ist der Schritt, der aus Daten Entscheidungen macht.
Prozessauswertung in der Fertigung hat vier Ebenen. Jede Ebene baut auf der vorherigen auf und liefert tiefere Erkenntnisse.
| Ebene | Frage | Methode | Beispiel |
|---|---|---|---|
| 1. Deskriptiv | Was ist passiert? | Dashboards, Reports, OEE-Anzeige | "Die OEE lag gestern bei 68 %." |
| 2. Diagnostisch | Warum ist es passiert? | Pareto-Analyse, Schichtvergleich, Maschinenvergleich | "Die OEE war niedrig, weil 45 Min ungeplanter Stillstand durch Materialfehler auftraten." |
| 3. Prädiktiv | Was wird wahrscheinlich passieren? | Trendanalyse, Prozessdatenkorrelation, SPC | "Der Verschleiß-Trend zeigt: In 3 Schichten wird die Ausschussrate steigen." |
| 4. Präskriptiv | Was sollten wir tun? | Kosten-Nutzen-Bewertung, Maßnahmen-Priorisierung | "Werkzeugwechsel jetzt statt in 3 Schichten spart 4.200 Euro Ausschusskosten." |
Die meisten Betriebe bleiben auf Ebene 1: Sie wissen, was passiert ist. Aber sie wissen nicht, warum es passiert ist, was als nächstes passieren wird und was sie dagegen tun sollten. Wirksame Prozessauswertung führt mindestens bis Ebene 2, idealerweise bis Ebene 4.
Ausgangslage: Ein Automobilzulieferer betreibt 5 Fügelinien. Maschinenstundensatz: 110 Euro. Betrieb: 3 Schichten, 21 Stunden pro Tag, 220 Produktionstage pro Jahr. Aktuelle OEE: 71 %.
Zustand vor der automatischen Auswertung: Die Schichtführer tragen Stillstände auf Papier ein. Am Monatsende erstellt der Produktionsleiter einen Excel-Report. Der Report zeigt: OEE 71 %. Keine weitere Aufschlüsselung. Keine Ursachenklassifikation. Keine Euro-Bewertung.
Zustand nach 4 Wochen automatischer Erfassung und Auswertung:
| Verlustursache | Anteil am Gesamtverlust | Kosten pro Monat (5 Linien) |
|---|---|---|
| Ungeplante technische Stillstände | 32 % | 18.480 Euro |
| Rüstzeit (inkl. Einfahren) | 28 % | 16.170 Euro |
| Mikrostopps und Geschwindigkeitsverluste | 22 % | 12.705 Euro |
| Qualitätsverluste (Ausschuss + Anlaufverluste) | 12 % | 6.930 Euro |
| Organisatorische Verluste | 6 % | 3.465 Euro |
| Gesamtverlust (29 % OEE-Verlust) | 100 % | 57.750 Euro/Monat |
Erkenntnis durch Auswertung: Der Pareto zeigt klar: Technische Stillstände (32 %) und Rüstzeit (28 %) machen 60 % des Gesamtverlusts aus. Das sind 34.650 Euro pro Monat. Wenn diese beiden Ursachen um 30 % reduziert werden: 34.650 x 0,3 = 10.395 Euro pro Monat, 124.740 Euro pro Jahr. An 5 Linien.
Ohne die Auswertung wusste der Produktionsleiter: "OEE ist 71 %." Mit der Auswertung weiß er: "Technische Stillstände und Rüstzeit kosten mich 34.650 Euro pro Monat. Wenn ich die um 30 % reduziere, spare ich 124.740 Euro im Jahr."
| Methode | Was sie zeigt | Wann einsetzen |
|---|---|---|
| Pareto-Analyse | Welche wenigen Ursachen verursachen den größten Verlust (80/20-Regel) | Immer als erstes: Priorisierung der Maßnahmen |
| OEE-Zerlegung | Ob der Verlust in Verfügbarkeit, Leistung oder Qualität liegt | Immer: Strukturierte Verlustbewertung jeder Anlage |
| Schicht- und Maschinenvergleich | Ob organisatorische, personelle oder technische Unterschiede bestehen | Wenn dieselbe Maschine oder dasselbe Produkt unterschiedliche Werte zeigt |
| Trendanalyse | Ob sich eine Kennzahl verbessert, verschlechtert oder stagniert | Um Maßnahmenwirksamkeit zu prüfen und Verschleiß zu erkennen |
| Prozessdatenkorrelation | Ob ein Prozessparameter (Temperatur, Druck) mit Qualitätsproblemen zusammenhängt | Wenn die Ausschussrate steigt, aber die Ursache unklar ist |
| SPC (Statistische Prozesskontrolle) | Ob ein Prozess stabil ist oder außer Kontrolle gerät | Bei kritischen Qualitätsparametern, um Eingriffsgrenzen zu definieren |
Daten werden erfasst, Auswertungen werden erstellt, aber niemand handelt danach. Vier Gründe.
Problem 1: Die Auswertung kommt zu spät. Der Monatsreport zeigt im April, was im März passiert ist. Der Stillstand von Montag vor drei Wochen ist längst vergessen. Wirkungsvolle Auswertung ist tagesaktuell, idealerweise in Echtzeit.
Problem 2: Die Auswertung zeigt Zahlen, keine Kosten. "3,2 % Ausschuss" sagt nichts. "3,2 % Ausschuss = 4.800 Euro pro Monat an dieser Linie" sagt alles. Jede Auswertung muss die Verluste in Euro übersetzen, sonst fehlt die Dringlichkeit.
Problem 3: Die Auswertung ist nicht priorisiert. 20 Stillstandsursachen in einer Tabelle, alphabetisch sortiert. Niemand weiß, wo anfangen. Die Pareto-Analyse sortiert nach Kostenwirkung: Die teuerste Ursache zuerst.
Problem 4: Die Auswertung hat keinen Besitzer. Der Report wird verteilt, aber niemand ist verantwortlich, die Erkenntnisse in Maßnahmen umzusetzen. Jede Auswertung braucht einen definierten Empfänger, der die Maßnahme einleitet, und einen Termin.
SYMESTIC wertet keine Prozesse aus und gibt keine Handlungsempfehlungen. SYMESTIC erfasst die Rohdaten automatisch und stellt sie so strukturiert bereit, dass die Auswertung in Echtzeit möglich wird.
Schritt 1: Automatische Datenerfassung einrichten, Auswertung tagesaktuell machen. Keine Monatsreports. Tägliche Auswertung: Welche Maschine hatte gestern die niedrigste Verfügbarkeit? Was war die Top-Stillstandsursache? Wie hoch ist die Ausbringung im Vergleich zum Plan? Nach 2 bis 4 Wochen zeigt die Datenbasis den tatsächlichen Ist-Zustand. Bei Brita hat die automatische Erfassung und tagesaktuelle Auswertung zu 5 % Reduktion der Stillstandszeiten und 7 % Verbesserung der Ausbringung geführt.
Schritt 2: Verluste in Euro bewerten, Top-3 priorisieren. Jede Stillstandsursache bekommt einen Kostenwert. Die Top-3-Ursachen werden priorisiert. Maßnahmen werden abgeleitet: Wer? Was? Bis wann? Bei Carcoustics hat die kostenbasierte Priorisierung nach der Skalierung auf 500+ Anlagen zu 4 % Reduktion der Stillstandszeiten und 8 % Verbesserung der Verfügbarkeit geführt.
Schritt 3: Maßnahmenwirksamkeit messen, Zyklus wiederholen. Jede Massnahme wird an der Kennzahl gemessen, die das Problem aufgezeigt hat. Die Trendanalyse zeigt: Hat die Maßnahme gewirkt? Wenn ja, nächste Ursache angehen. Wenn nicht, Ursachenanalyse wiederholen. Bei Klocke (Pharma-Verpackung) ergab der kontinuierliche Zyklus 7 zusätzliche Produktionsstunden pro Woche und 12 % Verbesserung der Ausbringung.
| Branche | Häufigster Auswertungsfokus | Typische Erkenntnis |
|---|---|---|
| Automobilzulieferer | Stillstands-Pareto, Rüstzeiten, OEE pro Linie | Organisatorische Stillstände werden grösser als technische, sobald die Technik stabilisiert ist |
| Metallverarbeitung | Rüstzeiten, Werkzeugstandzeiten, Maschinenvergleich | Rüstzeiten variieren je nach Bediener um 30 bis 50 % bei gleichem Werkzeug |
| Kunststoffverarbeitung | Anlaufverluste, Prozessparameter-Trend, Ausschuss nach Rüsten | Anlaufausschuss ist oft der größte Qualitätsverlust, wird aber selten separat ausgewertet |
| Verpackung (Pharma, FMCG) | Mikrostopps, Formatwechsel, Linieneffizienz | Mikrostopps machen 30 bis 50 % des Leistungsverlusts aus und werden erst durch automatische Auswertung sichtbar |
| Lebensmittelindustrie | Mikrostopps, Reinigungszeiten, Materialverlust | Reinigungszeiten schwanken stark und bieten erhebliches Standardisierungspotenzial |
Was ist der Unterschied zwischen Prozessauswertung und Prozessanalyse?
Prozessanalyse untersucht einen Prozess, um Ursachen zu verstehen ("Warum steht die Maschine?"). Prozessauswertung interpretiert die Daten und übersetzt sie in Handlungsempfehlungen ("Die Maschine steht 45 Min pro Tag wegen Materialfehler. Das kostet 82 Euro pro Tag. Maßnahme: Materialprüfung vor Einlauf"). Beide brauchen automatisch erfasste Daten. Die Analyse ist der Untersuchungsschritt, die Auswertung ist der Entscheidungsschritt.
Welche Daten brauche ich für eine Prozessauswertung?
Mindestens: Laufzeit, Stillstandszeit (mit Klassifikation und Ursache), Stückzahl (Gut- und Schlechtteile), Solltaktzeit. Für eine vertiefte Auswertung: Prozessparameter (Temperatur, Druck, Vibration), SPS-Alarme, Rüstzeiten pro Artikel, Auftragsdaten, Schichtinformationen. Je mehr Daten automatisch erfasst werden, desto präziser die Auswertung.
Wie oft sollte man Prozessauswertungen durchführen?
Täglich. Nicht monatlich. Die wertvollste Auswertung ist die, die jeden Morgen im Shopfloor-Meeting genutzt wird: Welche Maschine hatte gestern die niedrigste OEE? Was war die Ursache? Welche Maßnahme? Monatliche Reports haben ihre Berechtigung für Trends und Managementreporting, aber die operativ wirksame Auswertung findet täglich statt.
Kann SYMESTIC Prozessauswertungen durchführen?
SYMESTIC führt keine Prozessauswertungen durch. SYMESTIC liefert die automatische Datenbasis und die Auswertungswerkzeuge: OEE-Zerlegung, Pareto-Analyse, Schichtvergleich, Maschinenvergleich, Trenddarstellung, Prozessdatenkorrelation. Die Interpretation und die Ableitung von Maßnahmen liegt beim Produktionsteam, unterstützt durch die strukturierten Daten, die SYMESTIC bereitstellt. Bei Schmiedetechnik Plettenberg hat die Echtzeittransparenz zu schnellerer Ursachenanalyse und stabileren Fertigungsprozessen geführt.
Wie schnell sehe ich Ergebnisse?
Nach 2 bis 4 Wochen automatischer Datenerfassung sind die tatsächliche Leistung und die Top-Verlustursachen sichtbar. Die ersten Maßnahmen können eingeleitet werden. Ein messbarer Rückgang der Verluste ist in 4 bis 12 Wochen realistisch. Die Maschinenanbindung über SYMESTIC erfolgt in 2 bis 4 Stunden pro Maschine. Ein MES wie SYMESTIC liefert die Datenbasis ab dem ersten Tag.
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