Skip to content

Repairs Per Thousand (RPT): Formel, Berechnung & Praxis

Was ist Repairs Per Thousand (RPT)?

Repairs Per Thousand (RPT) gibt an, wie viele Teile pro 1.000 produzierte Einheiten nachgearbeitet werden müssen. Die Kennzahl misst damit direkt die Nacharbeitsquote in der Fertigung und zeigt, wie stabil ein Produktionsprozess arbeitet.

Die Formel:

RPT = (Anzahl nachgearbeiteter Teile ÷ Gesamtmenge produzierter Teile) × 1.000

Ein Beispiel: Eine Montagelinie produziert in einer Schicht 4.200 Teile. 63 davon müssen nachgearbeitet werden (Rework). RPT = (63 ÷ 4.200) × 1.000 = 15 RPT. Das bedeutet: Von je 1.000 produzierten Teilen benötigen 15 eine Nachbearbeitung.

RPT ist besonders in der Automobilindustrie verbreitet, weil dort die Nacharbeitsquote direkten Einfluss auf Taktzeit, Linieneffizienz und Liefertreue hat. Jedes Teil, das nachgearbeitet wird, blockiert eine Rework-Station, bindet Personal und verlangsamt den Materialfluss.


RPT in der Fertigung vs. RPT im Feld

RPT wird in zwei verschiedenen Kontexten verwendet, die klar unterschieden werden müssen:

Kontext Was wird gemessen? Datenquelle Typischer Bereich
RPT in der Fertigung (In-Plant RPT) Nacharbeit pro 1.000 produzierte Teile, gemessen direkt in der Linie MES, Rework-Station, Visual Inspection 5 bis 50 RPT je nach Komplexität
RPT im Feld (Field RPT) Reparaturen pro 1.000 ausgelieferte Einheiten innerhalb der Gewährleistung Garantie-Datenbank, CRM, Händlermeldungen 0,5 bis 10 RPT (Automotive)

Dieser Artikel fokussiert auf In-Plant RPT, also die Nacharbeitsquote in der Fertigung. Das ist der Hebel, den Produktionsteams direkt beeinflussen können. Field RPT ist eine Spätindikator-Kennzahl: Wenn sie steigt, ist das Problem bereits beim Kunden angekommen.


RPT berechnen: Formel, Varianten und Rechenbeispiel

Die Grundformel ist einfach. Die Herausforderung liegt in der sauberen Definition der Zähler- und Nennergröße.

Grundformel: RPT = (Rework-Teile ÷ Gesamtmenge) × 1.000

Variante mit Rework-Vorgängen: In manchen Werken wird nicht die Anzahl der Rework-Teile gezählt, sondern die Anzahl der Rework-Vorgänge. Ein Teil, das zweimal nachgearbeitet wird (z. B. erst Schweißnaht, dann Oberfläche), erzeugt dann 2 Rework-Vorgänge. Diese Variante heißt Rework Incidents per Thousand und liegt immer höher als die teilebezogene RPT.

Variante Zähler Nenner Beispiel (Schicht: 4.200 Teile, 63 Rework-Teile, 78 Rework-Vorgänge)
RPT (teilebezogen) Teile mit mindestens einem Rework Gesamtmenge (63 ÷ 4.200) × 1.000 = 15,0 RPT
RPT (vorgangsbezogen) Gesamtanzahl Rework-Vorgänge Gesamtmenge (78 ÷ 4.200) × 1.000 = 18,6 RPT

Die Differenz zwischen beiden Varianten zeigt, wie viele Teile mehrfach nachgearbeitet werden. Ein großer Abstand deutet auf systematische Probleme hin, bei denen der erste Rework-Versuch das Problem nicht dauerhaft löst.


RPT vs. ppm vs. FPY vs. Scrap Rate: Die Abgrenzung

RPT ist eine von mehreren Qualitätskennzahlen. Die Unterschiede liegen in der Bezugsgröße und darin, was genau gemessen wird:

Kennzahl Was wird gemessen? Bezugsgröße Wann einsetzen?
RPT Nacharbeit (Rework) pro 1.000 Teile 1.000 Einheiten Wenn Rework der Hauptverlust ist und die Quote im zweistelligen Bereich liegt
ppm (Parts per Million) Fehlerhafte Teile pro 1.000.000 Teile 1.000.000 Einheiten Bei sehr niedrigen Fehlerquoten (z. B. Automotive-Feldrückmeldungen, Elektronik)
FPY (First Pass Yield) Anteil Teile, die beim ersten Durchlauf fehlerfrei sind Prozent Wenn der gesamte Liniendurchsatz bewertet werden soll
Scrap Rate Anteil Teile, die nicht reparierbar sind und verschrottet werden Prozent oder ppm Wenn Materialverlust der Hauptkostentreiber ist
OEE-Qualitätsfaktor Gutteile ÷ Gesamtmenge (Rework + Scrap als Verlust) Prozent Wenn Qualität im Zusammenspiel mit Verfügbarkeit und Leistung bewertet werden soll

Die Beziehung zwischen RPT und FPY lässt sich direkt umrechnen: Wenn RPT = 15 ist, dann sind 15 von 1.000 Teilen nachzuarbeiten. FPY (nur Rework) = (1.000 - 15) ÷ 1.000 = 98,5 %. FPY bezieht sich aber auf den ersten Durchlauf und schließt auch Ausschuss ein, RPT nur auf Nacharbeit. In der Praxis ergänzen sich die beiden Kennzahlen: FPY für den Gesamtüberblick, RPT für die detaillierte Rework-Analyse.


Warum RPT in der diskreten Fertigung so relevant ist

Nacharbeit ist ein verdeckter Kostentreiber. Ein Teil, das nachgearbeitet wird, hat auf den ersten Blick keinen Materialverlust verursacht, weil es am Ende als Gutteil ausgeliefert wird. Aber die versteckten Kosten sind erheblich:

  • Personalkosten: Jede Rework-Station bindet mindestens einen Mitarbeitenden, der sonst in der regulären Produktion arbeiten könnte.
  • Taktzeitverlust: Nacharbeit erfolgt oft außerhalb des normalen Takts. Das Teil muss ausgeschleust, repariert und wieder eingeschleust werden.
  • Flächenbedarf: Rework-Bereiche belegen Hallenfläche, die produktiv nutzbar wäre.
  • Qualitätsrisiko: Nachgearbeitete Teile haben ein höheres Restrisiko als Erstdurchläufer. Bei sicherheitsrelevanten Merkmalen in der Automobilindustrie erfordern sie oft eine zusätzliche Prüfung.
  • OEE-Effekt: Rework senkt den OEE-Qualitätsfaktor direkt. Ein RPT von 30 bedeutet, dass 3 % der Produktion nachgearbeitet werden, was den Qualitätsfaktor auf maximal 97 % begrenzt.

In der Praxis zeigt sich: Viele Werke akzeptieren eine bestimmte Rework-Quote als „normal", ohne die tatsächlichen Kosten zu kennen. Erst wenn die Nacharbeit pro Teil kalkuliert wird (Personal × Zeit + Materialzuschlag + Flächenkosten + Prüfaufwand), wird der Hebel sichtbar.


Wie ein MES die RPT-Erfassung und -Analyse automatisiert

Ohne digitale Unterstützung wird Rework manuell auf Papier oder in Excel erfasst. Das funktioniert bei kleinen Stückzahlen, führt aber bei mehreren Linien und Schichten zu drei Problemen: unvollständige Erfassung (nicht jede Nacharbeit wird dokumentiert), fehlende Fehlerklassifizierung (Rework wird gezählt, aber nicht nach Ursache aufgeschlüsselt) und zeitverzögerte Auswertung (die Analyse erfolgt am Monatsende, nicht in Echtzeit).

Ein Manufacturing Execution System (MES) löst alle drei Probleme:

Automatische Rework-Erfassung: Jedes Teil, das an einer Rework-Station bearbeitet wird, erhält im MES den Status „Rework". Die Erfassung erfolgt automatisch über die SPS-Anbindung oder manuell über die Visual Inspection Station. Bei SYMESTIC dokumentiert die Visual Inspection Station jeden Defekt nach Fehlertyp und Fehlerzone direkt am Bildschirm. Das Teil wird dann für Nacharbeit oder Ausschuss gebucht.

Aufschlüsselung nach Ursache: Der Rework/Scrap Analyzer in SYMESTIC wertet Nacharbeit nach Segment, Produkt, Produktionsregel und Zeitraum aus. So wird sichtbar, ob die hohe RPT an einer bestimmten Station, einem bestimmten Produkt oder einer bestimmten Schicht liegt. Trendanalysen mit Regressionslinie und gleitendem Durchschnitt zeigen, ob sich die Quote verbessert oder verschlechtert.

Korrelation mit Prozessdaten: Wenn RPT an einer Station plötzlich steigt, stellt sich die Frage: Liegt es am Material, an der Maschine oder am Bediener? Ein MES kann Nacharbeitsdaten mit Stillständen, SPS-Alarmen und Prozessparametern (Temperatur, Druck, Drehmoment) korrelieren. Bei Neoperl wird genau dieser Zusammenhang genutzt: SPS-Alarme werden automatisch mit Stillständen und Qualitätsdefekten korreliert. Ergebnis: 15 % weniger Ausschuss durch gezielte Qualitätsdaten-Auswertung.

Bei Carcoustics, einem internationalen Automobilzulieferer für akustische und thermische Lösungen, wurde SYMESTIC auf 500+ Anlagen in Spritzguss-, Kaltschäum- und Stanzprozessen ausgerollt. Die bidirektionale SAP-R3-Anbindung über ABAP IDoc stellt sicher, dass Rework-Daten direkt an das ERP zurückgemeldet werden. Ergebnis: 8 % Verbesserung der Verfügbarkeit und 3 % Verbesserung der Ausbringung.


RPT gezielt senken: Fünf Hebel aus der Praxis

Hebel 1: Rework nach Fehlerart aufschlüsseln, nicht nur zählen. Eine RPT von 25 ist keine Analyse. Welche Fehlerart macht 60 % der Nacharbeit aus? Ist es eine Schweißnaht, eine Oberfläche, eine Verschraubung? Erst die Pareto-Analyse zeigt, wo die Maßnahme den größten Effekt hat. SYMESTIC liefert diese Aufschlüsselung über den Rework Analyzer mit Filtermöglichkeiten nach Fehlertyp, Station und Zeitraum.

Hebel 2: PokaYoke am Entstehungsort einsetzen. Nacharbeit entsteht, weil ein Fehler im Prozess nicht verhindert wurde. Der PokaYoke-Ansatz im MES prüft vor jedem Bearbeitungsschritt automatisch, ob die Voraussetzungen erfüllt sind: Teile-Status, Vorprozess-Ergebnis, Zyklusanzahl. Bei SYMESTIC läuft das über den Request/Release-Mechanismus zwischen SPS und MES. Teile, die den Vorprozess nicht bestanden haben, werden automatisch gesperrt.

Hebel 3: Blind Audits zur Prüfung der Sichtprüfung einführen. Sichtprüfungen sind fehleranfällig. Wenn der Prüfer müde ist oder unter Zeitdruck steht, werden Defekte übersehen. SYMESTIC bietet ein Blind-Audit-Plug-in, das stichprobenartig bereits freigegebene Teile zur Nachprüfung markiert. So wird die Wirksamkeit der regulären Sichtprüfung kontrolliert und die tatsächliche RPT validiert.

Hebel 4: Rework-Zeiten messen und in die Kapazitätsplanung einbeziehen. Jede Minute Nacharbeit ist eine Minute weniger Produktionskapazität. Ein MES erfasst die Rework-Zeit pro Teil und macht sie in der Kapazitätsplanung sichtbar. So wird klar, ob eine zusätzliche Rework-Station notwendig ist oder ob die Ursachenbekämpfung wirtschaftlicher wäre.

Hebel 5: RPT als Schicht- und Team-KPI etablieren. Wenn RPT täglich pro Schicht sichtbar ist, entsteht ein Bewusstsein für Nacharbeit. Bei Schmiedetechnik Plettenberg wurde durch die SYMESTIC-Einführung eine gemeinsame Datenbasis für alle Beteiligten geschaffen. Thorsten Manns, Technischer Leiter, beschreibt den Effekt: „SYMESTIC verschafft uns eine durchgängige Echtzeittransparenz, die wir in dieser Form vorher nicht hatten. Dadurch können wir schneller eingreifen und unsere Prozesse deutlich stabiler steuern."


RPT und OEE: Wie hängen die beiden Kennzahlen zusammen?

Der OEE-Qualitätsfaktor berechnet sich als Gutteile ÷ Gesamtmenge. Nacharbeitsteile gehen als Verlust in den Qualitätsfaktor ein, sofern sie beim ersten Durchlauf nicht in Ordnung waren. RPT und OEE-Qualitätsfaktor messen also denselben Sachverhalt aus unterschiedlicher Perspektive:

RPT OEE-Qualitätsfaktor Interpretation
5 ≤ 99,5 % Stabile Prozesse, geringer Rework-Anteil
15 ≤ 98,5 % Typischer Bereich in der Automobilmontage
30 ≤ 97,0 % Rework ist ein relevanter Verlust, Ursachenanalyse notwendig
50+ ≤ 95,0 % Prozessinstabilität, sofortige Maßnahmen erforderlich

RPT ist die detailliertere Kennzahl: Sie zeigt die absolute Anzahl und ermöglicht die Aufschlüsselung nach Fehlerart. Der OEE-Qualitätsfaktor fasst Rework und Ausschuss zusammen und zeigt den Gesamteffekt auf die Linienleistung. In der Praxis werden beide parallel genutzt: OEE für den täglichen Überblick, RPT für die gezielte Rework-Analyse.

Bei Klocke, einem Lohnhersteller in der Pharma- und Kosmetikbranche, wird SYMESTIC im regulierten GMP-Umfeld eingesetzt. Die Datenerfassung erfolgt über DI-Gateways ohne LAN-Infrastruktur. Der Rollout auf alle Linien am Standort Weingarten dauerte 3 Wochen. Ergebnis: 12 % Verbesserung der Ausbringung und 7 Stunden mehr Produktionszeit pro Woche.


Häufige Fragen zu Repairs Per Thousand (RPT)

Wie berechnet man RPT?
RPT = (Anzahl nachgearbeiteter Teile ÷ Gesamtmenge produzierter Teile) × 1.000. Beispiel: 63 Rework-Teile bei 4.200 Gesamtmenge = 15 RPT.

Was ist der Unterschied zwischen RPT und ppm?
RPT misst Reparaturen pro 1.000 Einheiten und wird primär für Nacharbeit in der Fertigung verwendet. Ppm misst fehlerhafte Teile pro 1.000.000 Einheiten und eignet sich für sehr niedrige Fehlerquoten, z. B. im Feld oder in der Elektronikfertigung. 15 RPT entspricht 15.000 ppm.

Was ist ein guter RPT-Wert?
Das hängt von der Prozesskomplexität ab. In der Automobilmontage mit vielen manuellen Arbeitsschritten sind 10 bis 20 RPT ein typischer Bereich. Bei hochautomatisierten Linien (z. B. Sanitärtechnik, Elektronik) liegen gute Werte unter 5 RPT. Entscheidend ist der Trend, nicht der Absolutwert.

Wie hilft ein MES bei der RPT-Senkung?
Ein MES automatisiert die Rework-Erfassung, schlüsselt Nacharbeit nach Fehlerart, Station und Produkt auf und korreliert Rework-Daten mit Prozessparametern und Alarmen. So wird sichtbar, wo die Ursache liegt, nicht nur dass es Nacharbeit gibt.

Was zählt als Rework für die RPT-Berechnung?
Jedes Teil, das nach dem ersten Durchlauf nicht den Qualitätsanforderungen entspricht und nachbearbeitet wird (Schleifen, Nachschweißen, Neulackierung, erneute Montage). Teile, die direkt verschrottet werden, zählen nicht zu RPT, sondern zur Scrap Rate.

Exklusives Whitepaper

Lernen Sie die modernsten Ansätze der Industrie 4.0, die Sie in Ihrer Produktion schon morgen umsetzen können, um innerhalb von 4 Wochen Ihre Kosten um gut 20% zu reduzieren.

mehr erfahren

Digitalisierung der Produktion
Symestic Manufacturing Digitalization
Der schnelle Weg in die Digitalisierung
Profitabler werden – einfach und schnell
Effizienz durch Echtzeit-Daten
Kennzahlen für Ihren Erfolg
Ohne Investitionskosten optimieren
OEE SaaS – heute gebucht, morgen startklar
Deutsch
English