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Scrap Rate und Rework Rate in der Fertigung erklärt

Von Christian Fieg · Zuletzt aktualisiert: März 2026

Was ist die Scrap Rate?

Die Scrap Rate (Ausschussquote) misst den Anteil der produzierten Teile, die aufgrund irreparabler Mängel endgültig verworfen werden müssen. Das Teil kann nicht nachgearbeitet werden. Das Material, die Energie und die Arbeitszeit, die in dieses Teil geflossen sind, sind verloren.

Scrap Rate = Ausschussteile / Gesamtproduzierte Teile x 100

Wenn eine Maschine 1.000 Teile produziert und 30 davon als Ausschuss verworfen werden, beträgt die Scrap Rate 3 %.

Was ist die Rework Rate?

Die Rework Rate (Nacharbeitsquote) misst den Anteil der produzierten Teile, die den Qualitätsstandard im ersten Durchlauf verfehlt haben, aber durch zusätzlichen Aufwand korrigiert werden können. Das Teil wird nicht verworfen, sondern ein zweites Mal bearbeitet, geprüft oder korrigiert.

Rework Rate = Nachgearbeitete Teile / Gesamtproduzierte Teile x 100

Wenn von 1.000 produzierten Teilen 80 nachgearbeitet werden müssen, beträgt die Rework Rate 8 %.


Der Unterschied zwischen Scrap und Rework

Kriterium Scrap (Ausschuss) Rework (Nacharbeit)
Was passiert mit dem Teil? Endgültig verworfen. Materialverlust. Korrigiert und als Gutteil weiterverarbeitet.
Kostenart Direkte Kosten: Material, Energie, Arbeitszeit. Sofort sichtbar in der Bilanz. Versteckte Kosten: Maschinenzeit, Personalzeit, Kapazitätsverlust. Oft unsichtbar in der Bilanz.
Auswirkung auf OEE Reduziert direkt den Qualitätsfaktor der OEE. Belastet den Leistungsfaktor (Maschine produziert langsamer, weil Teile doppelt bearbeitet werden) oder die Verfügbarkeit (Maschine wird für Nacharbeit blockiert).
Sichtbarkeit Hoch. Ausschuss wird gezählt, gewogen, entsorgt. Jeder sieht den Schrotthaufen. Gering. Nachgearbeitete Teile verlassen die Linie als "Gutteile". Die Nacharbeit verschwindet in der Statistik.
Typische Ursachen Materialfehler, Werkzeugverschleiss, Parameterabweichung ausserhalb der Toleranz, Maschinendefekt. Prozessinstabilität, mangelnde Mitarbeiterschulung, Werkzeugdrift innerhalb der Toleranz, Montagefehler bei manuellen Schritten.
Verhalten bei Messung Wird fast immer gemessen (weil Material verschwindet). Wird oft nicht systematisch erfasst (weil das Teil am Ende als Gutteil zählt).
Zusammenhang mit FPY FPY = 1 - Scrap Rate - Rework Rate. Scrap senkt den FPY direkt. FPY = 1 - Scrap Rate - Rework Rate. Rework senkt den FPY genauso wie Scrap, wird aber oft ignoriert.

Die Hidden Factory: Warum Rework gefährlicher ist als Scrap

Der Begriff Hidden Factory beschreibt die versteckte Fabrik innerhalb der Fabrik: alle Kapazitäten, die für Korrekturschleifen verbraucht werden, ohne dass sie in der Produktionsplanung oder in der Ausschussstatistik auftauchen.

Die Mathematik ist einfach: Wenn eine Maschine eine Rework Rate von 8 % hat, dann bearbeitet sie 8 % ihrer Teile ein zweites Mal. Das sind 8 % der Maschinenzeit, die nicht für neue Aufträge zur Verfügung stehen. Wenn diese Maschine der Engpass in der Linie ist, reduziert die Rework Rate den Durchsatz der gesamten Linie um 8 %.

Das Problem: Viele Unternehmen messen nur die Scrap Rate und melden "2 % Ausschuss, Qualität ist gut". Was sie nicht melden: 8 % Rework, die den Materialfluss unterbrechen, die Durchlaufzeiten verlängern und die Kapazität der Engpassmaschine um 8 % reduzieren.

Der Rolled Throughput Yield (RTY) macht diese Hidden Factory sichtbar. Er berechnet, wie viele Teile den gesamten Prozess ohne jede Korrektur (weder Scrap noch Rework) beim ersten Durchlauf bestanden haben. Nur der RTY zeigt die tatsächliche Prozessqualität.

Szenario Scrap Rate Rework Rate FPY Endausbeute Hidden Factory
A: Niedrig Scrap, niedrig Rework 1 % 2 % 97 % 99 % 2 % (klein)
B: Niedrig Scrap, hoch Rework 2 % 12 % 86 % 98 % 12 % (gross, unsichtbar)
C: Hoch Scrap, niedrig Rework 8 % 2 % 90 % 92 % 2 % (klein)
D: Hoch Scrap, hoch Rework 5 % 15 % 80 % 95 % 15 % (gross, unsichtbar)

Szenario B ist das gefährlichste: Die Endausbeute beträgt 98 %, was sehr gut aussieht. Aber der FPY liegt nur bei 86 %. 12 % aller Teile durchlaufen eine Korrekturschleife. Das sind 12 % der Kapazität, die in der Hidden Factory verschwinden.

Szenario D zeigt einen Prozess, der in der Endausbeute (95 %) noch akzeptabel wirkt, aber in Wirklichkeit massive Probleme hat: Nur 80 % der Teile laufen beim ersten Versuch fehlerfrei durch. 20 % verursachen Zusatzkosten durch Scrap oder Rework.


Scrap Rate und Rework Rate nach Branche

Branche Typische Scrap Rate Typische Rework Rate Wo die Verluste sitzen
Automotive (Interieur) 1-3 % 5-15 % Rework dominiert. Sichtprüfungen (Visual Inspection) nach Schweissoperationen. Oberflächenfehler werden nachpoliert, Clips nachgesetzt, Nähte korrigiert.
Metallverarbeitung (Schmieden, Umformen) 3-8 % 2-5 % Scrap dominiert. Materialfehler nach Umformung, Risse nach Wärmebehandlung. Nacharbeit oft nicht möglich (Materialgefüge irreversibel verändert).
Kunststoff (Spritzguss) 2-5 % 3-8 % Gemischt. Scrap durch Angussprobleme und Kurzschüsse. Rework durch Entgraten, Nachbearbeitung von Oberflächen, Korrektur von Montageschritten.
Lebensmittel / FMCG (Verpackung) 1-4 % 1-3 % Scrap dominiert. Ausgeschleuste Einheiten bei optischer Kontrolle, Etikettierfehler, Verschlussfehler. Rework oft regulatorisch nicht erlaubt.
Pharma (Verpackung) 2-6 % 1-2 % Scrap dominiert. GMP-Vorschriften schränken Nacharbeit stark ein. Ausgeschleuste Blister, falsche Etikettierung, Versiegelungsfehler gehen direkt in den Ausschuss.
Montage (Filterherstellung, Sanitär) 1-3 % 3-10 % Rework dominiert bei manuellen Schritten. Fehlmontage, falsche Komponentenauswahl, Dichtigkeitsfehler bei EOL-Test mit Möglichkeit zur Korrektur.

Das Muster: In Branchen mit hohem Automatisierungsgrad und strengen Regulierungen (Pharma, Lebensmittel) dominiert der Scrap, weil Nacharbeit entweder technisch nicht möglich oder regulatorisch nicht erlaubt ist. In Branchen mit manuellen Montageschritten und Sichtprüfungen (Automotive Interieur, allgemeine Montage) dominiert der Rework, weil Bediener instabile Prozesse durch manuelle Korrektur "retten".


Auswirkung auf die OEE

Scrap und Rework wirken unterschiedlich auf die drei Faktoren der OEE (Verfügbarkeit x Leistung x Qualität):

OEE-Faktor Auswirkung von Scrap Auswirkung von Rework
Qualität (Q) Direkte Reduktion. Jedes Ausschussteil reduziert den Q-Faktor. Indirekt. Wenn das nachgearbeitete Teil am Ende als Gutteil gezählt wird, erscheint es nicht im Q-Faktor. Die Qualitätsproblematik wird unsichtbar.
Leistung (P) Keine direkte Auswirkung (solange die Maschine mit normaler Geschwindigkeit produziert). Direkte Reduktion. Teile, die ein zweites Mal die Maschine belegen, reduzieren den effektiven Durchsatz. Mikrostopps durch Rework-Handling.
Verfügbarkeit (A) Keine direkte Auswirkung (solange der Scrap nicht zu einem Maschinenstillstand führt). Direkte Reduktion, wenn die Maschine für Nacharbeit angehalten oder umgerüstet werden muss.

Das bedeutet: Ein Prozess mit 2 % Scrap und 10 % Rework kann eine OEE von 85 % melden, weil der Q-Faktor nur die 2 % Scrap zeigt. Aber der reale Kapazitätsverlust durch die 10 % Rework versteckt sich im P-Faktor oder A-Faktor, wo er schwerer zuzuordnen ist. Wer nur den OEE-Qualitätsfaktor optimiert, übersieht die Hidden Factory.


Wie ein MES Scrap und Rework getrennt erfasst

Die Voraussetzung für eine saubere Trennung von Scrap und Rework ist ein MES, das an jeder Station den Quality Status pro Teil erfasst: OK, NOK (Scrap) oder REWORK.

Funktion Was wird erfasst Wie SYMESTIC das umsetzt
Quality Status pro Station Jedes Teil erhält an jeder Station einen Status: OK (Gutteil), NOK (Ausschuss), REWORK (Nacharbeit). Quality Status wird automatisch pro Prozessschritt und pro Teil erfasst. Drei Status: OK, NOK, REWORK. Basis für alle weiteren Analysen.
Fehlerklassifizierung Warum wurde das Teil als NOK oder REWORK gebucht? Fehlerart, Fehlerzone, Fehlerursache. Visual Inspection Plug-In: QA-Check durch Bediener. Validierung der Qualifikation. Prüfung vordefinierter Kriterien. Fehlerklassifizierung nach Error Type und Error Zone. Buchung für Rework-Analyse oder Scrap-Analyse.
Scrap Analyzer Auswertung der Ausschussteile nach Ausschussgrund, Station, Produkt, Zeitraum. Anzahl Teile nach Ausschussgründen, Segmenten, Produkten. Qualitäts-Trendlinien mit Regressionslinie und gleitendem Durchschnitt. Analyse nach Prozesssegment, Produktsegment, Produktionsregel. Excel-Export.
Rework Analyzer Auswertung der Nacharbeitsteile nach Nacharbeitsgrund, Station, Produkt, Zeitraum. Identische Funktionalität wie Scrap Analyzer, aber für Nacharbeit. Anzahl Teile nach Rework-Gründen, Segmenten, Produkten. Trendlinien, gleitende Durchschnitte.
Rework Monitor (Echtzeit) Welche Teile warten gerade auf Nacharbeit? Wie viele sind es? Wo stauen sie sich? Rework Monitor im Echtzeit-Dashboard: "Today's REWORK", "Rework by machine / station", "Rework not processed". Zeigt die Hidden Factory live.
Scrap Monitor (Echtzeit) Wie viel Ausschuss ist heute angefallen? An welchen Stationen? Scrap Monitor im Echtzeit-Dashboard: "Today's SCRAP". Scrap nach Maschine/Station.

Bei Neoperl hat SYMESTIC die Korrelation von SPS-Alarmen mit Stillständen und Qualitätsdefekten ermöglicht. Das Ergebnis: 15 % weniger Ausschuss durch Qualitätsdaten-Auswertung. Die Methode: Das MES erkennt, dass ein bestimmter SPS-Alarm mit einer erhöhten Scrap Rate korreliert. Die Ursache wird gezielt beseitigt, bevor sie weitere Ausschussteile produziert.


Scrap und Rework: Kostenvergleich

Die Kosten von Scrap und Rework unterscheiden sich fundamental in ihrer Sichtbarkeit und in ihrer Struktur:

Kostenart Scrap Rework
Materialkosten 100 % Verlust. Material, Energie, Vorbearbeitungszeit sind verloren. 0 % Materialverlust (das Teil wird gerettet). Aber: zusätzliche Energie und Verbrauchsmaterialien für die Nachbearbeitung.
Maschinenkosten Maschinenzeit für das produzierte und verworfene Teil ist verloren. Zusätzliche Maschinenzeit für die Nachbearbeitung. Maschinenkapazität wird doppelt belegt.
Personalkosten Personalzeit für das produzierte und verworfene Teil ist verloren. Zusätzliche Personalzeit für Nacharbeit, erneute Prüfung, Dokumentation.
Kapazitätskosten Gering (Teil wird verworfen, Maschine ist sofort frei). Hoch. Maschine wird für Nacharbeit blockiert. Engpassmaschine verliert Kapazität für neue Aufträge.
Durchlaufzeit-Kosten Gering (solange Ersatzteile verfügbar sind). Hoch. Nacharbeitsschleifen verlängern die Durchlaufzeit unplanbar. Der Materialfluss wird unterbrochen.
Sichtbarkeit Hoch. Materialverlust wird in der Materialrechnung sichtbar. Gering. Rework-Kosten verschwinden in den allgemeinen Fertigungskosten. Kein separater Kostenträger.

Die Konsequenz: Ein Ausschussteil kostet das Unternehmen den Materialwert plus die investierte Bearbeitungszeit. Ein nachgearbeitetes Teil kostet weniger Material, aber mehr Kapazität. In einer Fertigung, die am Kapazitätslimit arbeitet (und das tun die meisten SYMESTIC-Kunden), sind die Kapazitätskosten von Rework oft höher als die Materialkosten von Scrap. Die Qualitätskosten (Cost of Poor Quality) umfassen beides: Scrap-Kosten und Rework-Kosten.


Die Falle der "geretteten Teile"

Ein häufiges Muster in der Praxis: Die Scrap Rate ist niedrig, die Endausbeute sieht gut aus, aber die Herstellkosten sind höher als kalkuliert. Der Grund: Mitarbeiter "retten" instabile Prozesse durch manuelle Nacharbeit. Jedes gerettete Teil erscheint am Ende als Gutteil. Die Scrap Rate bleibt niedrig. Die Abteilungsleiter melden gute Qualitätszahlen.

Was unsichtbar bleibt:

  • Die Maschinenkapazität, die für Nacharbeit verbraucht wird.
  • Die Personalzeit, die für Korrekturen aufgewendet wird.
  • Die Durchlaufzeitverlängerung durch Nacharbeitsschleifen.
  • Die Prozessinstabilität, die durch die "Rettung" maskiert wird.

Das Problem wird erst sichtbar, wenn entweder der FPY oder der RTY gemessen wird. Beide Kennzahlen ignorieren die "Rettung" und zeigen, wie viele Teile beim ersten Versuch fehlerfrei durchgelaufen sind. Die Differenz zwischen Endausbeute und FPY ist die Hidden Factory.


Häufige Fragen zu Scrap Rate und Rework Rate

Wie berechnet man die Scrap Rate?

Scrap Rate = Ausschussteile / Gesamtproduzierte Teile x 100. Wenn eine Maschine 1.000 Teile produziert und 30 davon als irreparabler Ausschuss verworfen werden, beträgt die Scrap Rate 3 %. Wichtig: Nur Teile zählen als Scrap, die endgültig verworfen werden. Teile, die nachgearbeitet werden, sind Rework, nicht Scrap.

Warum ist eine niedrige Scrap Rate nicht automatisch ein Zeichen guter Qualität?

Weil eine niedrige Scrap Rate zusammen mit einer hohen Rework Rate auftreten kann. In diesem Fall werden Teile nicht verworfen, sondern nachgearbeitet. Die Endausbeute sieht gut aus, aber die Herstellkosten sind höher als kalkuliert. Die tatsächliche Prozessqualität zeigt sich im First Pass Yield: Wie viele Teile sind beim ersten Versuch fehlerfrei durch den Prozessschritt gelaufen?

Wie wirkt Rework auf die OEE?

Rework wirkt auf die OEE über den Leistungsfaktor und die Verfügbarkeit. Wenn eine Maschine Teile ein zweites Mal bearbeitet, sinkt der effektive Durchsatz (Leistungsfaktor). Wenn die Maschine für Nacharbeit angehalten oder umgerüstet werden muss, sinkt die Verfügbarkeit. Der Qualitätsfaktor der OEE zeigt Rework nur, wenn das Teil auch nach der Nacharbeit als Ausschuss verworfen wird.

Was ist der Zusammenhang zwischen Scrap Rate, Rework Rate und FPY?

FPY (First Pass Yield) = 1 - Scrap Rate - Rework Rate. Bei einer Scrap Rate von 2 % und einer Rework Rate von 8 % beträgt der FPY 90 %. Das bedeutet: Nur 90 % der Teile sind beim ersten Versuch fehlerfrei durch den Prozessschritt gelaufen. Die restlichen 10 % verursachen Zusatzkosten durch Scrap (2 %) oder Rework (8 %).

Braucht man ein MES, um Scrap und Rework getrennt zu erfassen?

Für eine systematische, stationsbezogene und teilebezogene Erfassung: ja. Ohne MES wird Scrap meist manuell gezählt (weil das Material verschwindet), aber Rework wird selten systematisch erfasst. Ein MES mit Quality Status (OK/NOK/REWORK) pro Station dokumentiert beides automatisch und ermöglicht die Analyse nach Fehlerart, Station, Produkt und Zeitraum. Ohne diese Datenbasis bleibt die Rework Rate eine Schätzung und die Hidden Factory unsichtbar.

Christian Fieg
Über den Autor:
Christian Fieg
Head of Sales bei SYMESTIC. Zuvor iTAC, Dürr, Visteon. Six Sigma Black Belt. Autor von "OEE: Eine Zahl, viele Lügen".
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