Skip to content

Spare Parts Criticality: Wie kritisch sind Ihre Ersatzteile wirklich?

Die Spare Parts Criticality ist eine Kennzahl im Asset- und Instandhaltungsmanagement, die bewertet, wie stark der Ausfall eines spezifischen Ersatzteils die Anlagenverfügbarkeit, die Sicherheit und die wirtschaftliche Stabilität eines Unternehmens gefährdet. Sie bildet die Entscheidungsgrundlage für eine risikobasierte Bevorratungs- und Beschaffungsstrategie.

Anstatt jedes Bauteil gleich zu behandeln, ermöglicht die Kritikalitätsanalyse eine gezielte Ressourcenallokation: Hochkritische Komponenten werden priorisiert bevorratet, während unkritische Teile bedarfsorientiert beschafft werden.

1. Warum ist eine Kritikalitätsbewertung notwendig?

Ohne eine systematische Klassifizierung der Ersatzteile entstehen im Unternehmen zwei kostspielige Szenarien:

  1. Überbevorratung: Kapital wird in teuren Teilen gebunden, die selten benötigt werden und kaum Einfluss auf die Kernprozesse haben.
  2. Versorgungsengpässe: Bei einem Ausfall fehlen kritische Komponenten (z. B. Speziallager oder Steuerungen), was zu mehrtägigen Produktionsausfällen und hohen Pönalen führen kann.

Durch die Definition der Spare Parts Criticality werden Lagerbestände optimiert, die Kapitalbindung gesenkt und das Risiko ungeplanter Stillstände minimiert.


2. Kriterien der Kritikalitätsbewertung

Die Einstufung erfolgt meist über ein Scoring-Modell (z. B. Skala von 1 bis 5) anhand der folgenden Hauptfaktoren:

  • Auswirkung des Ausfalls (Impact): Welchen Einfluss hat das Teil auf Arbeitssicherheit, Umweltauflagen, Produktqualität oder die Gesamtproduktionsleistung?
  • Wiederbeschaffungszeit (Lead Time): Wie lange dauert der Prozess von der Bestellung über die Lieferung bis zum Einbau? (Besonders kritisch bei Sonderanfertigungen).
  • Ausfallwahrscheinlichkeit (Probability of Failure): Wie zuverlässig ist das Bauteil basierend auf historischen Daten (MTBF) oder Herstellervorgaben?
  • Substituierbarkeit: Gibt es alternative Komponenten, Workarounds oder Redundanzen im System, die den Ausfall überbrücken können?

3. Klassifizierung: Die A/B/C-Logik

Basierend auf dem Gesamtergebnis der Bewertung werden Ersatzteile in Kritikalitätsklassen eingeteilt:

A-Teile: Hochkritisch

Ein Ausfall führt zum sofortigen Stillstand einer Schlüsselanlage oder eines Engpasses (Bottleneck). Es gibt keine Redundanz, und die Wiederbeschaffung dauert lange.

  • Strategie: Hoher Sicherheitsbestand (Safety Stock), regelmäßige Bestandsprüfungen, Rahmenverträge mit Lieferanten.

B-Teile: Mittelkritisch

Ein Ausfall beeinträchtigt die Produktion, kann aber durch Umplanung oder reduzierte Leistung zeitweise kompensiert werden.

  • Strategie: Optimierte Lagerhaltung, Überwachung der Lieferzeiten, Kosten-Nutzen-Abwägung bei der Bevorratung.

C-Teile: Niedrigkritisch

Geringes Risiko für den Gesamtprozess. Kurze Lieferzeiten und niedriger Schaden pro Ausfall.

  • Strategie: Bedarfsorientierte Beschaffung (Just-in-Time), minimale Lagerung, Fokus auf Standardisierung.

4. Integration in EAM, CMMS und MES

Die Spare Parts Criticality entfaltet ihren vollen Nutzen erst durch die Verknüpfung mit der bestehenden IT-Landschaft:

  • EAM (Enterprise Asset Management): Die Kritikalität steuert die globale Asset-Strategie und das Ersatzteil-Portfolio über mehrere Standorte hinweg.
  • CMMS (Maintenance Management): Das System nutzt die Kritikalität, um Wartungsaufträge zu priorisieren und Ersatzteile automatisch zu reservieren.
  • MES (Manufacturing Execution System): Das MES liefert reale Betriebsdaten (OEE, Stillstandsdauer, Ausfallmuster). Diese Daten ermöglichen es, die theoretische Kritikalität regelmäßig mit der realen Ausfallhistorie abzugleichen und anzupassen.

5. Fazit für die Praxis

Die Spare Parts Criticality sollte kein statisches Dokument sein. Lieferkettenprobleme, Änderungen im Produktmix oder das Altern der Anlagen verändern die Risikoprofile. Ein digital gestützter Prozess, der Daten aus dem CMMS und MES nutzt, transformiert die Kritikalitätsanalyse von einer subjektiven Schätzung in ein präzises, datenbasiertes Steuerungsinstrument.

Exklusives Whitepaper

Lernen Sie die modernsten Ansätze der Industrie 4.0, die Sie in Ihrer Produktion schon morgen umsetzen können, um innerhalb von 4 Wochen Ihre Kosten um gut 20% zu reduzieren.

mehr erfahren

Digitalisierung der Produktion
Symestic Manufacturing Digitalization
Der schnelle Weg in die Digitalisierung
Profitabler werden – einfach und schnell
Effizienz durch Echtzeit-Daten
Kennzahlen für Ihren Erfolg
Ohne Investitionskosten optimieren
OEE SaaS – heute gebucht, morgen startklar
Deutsch
English