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Störgrundkatalog: Definition, Aufbau und Nutzen für OEE-Auswertungen

Ein Störgrundkatalog ist ein standardisiertes Set an Stillstandsgründen, mit dem Produktionsstillstände konsistent erfasst und ausgewertet werden. Er ist die Voraussetzung dafür, dass OEE nicht nur eine Zahl bleibt, sondern zu konkreten Maßnahmen führt.

Ohne Katalog entsteht Freitext – und Freitext erzeugt nicht vergleichbare, nicht auswertbare Daten. Keine Pareto, keine Hebel, keine Verbesserung.


Aufbau: Wie ein Störgrundkatalog strukturiert wird

Drei Hierarchieebenen reichen für die Praxis.

Ebene 1 – Kategorie beantwortet: Warum steht die Linie grundsätzlich? Die robustesten Hauptkategorien für einen Minimalstart sind technische Störung, Material und Logistik, Rüsten und Setup, Qualität und Nacharbeit, Organisation und Personal sowie Planung.

Ebene 2 – Grundgruppe ordnet innerhalb der Kategorie: Bei Technik etwa Sensorik, Antrieb oder Greifer. Bei Material: Zulauf, Fehlteile oder Qualitätsproblem.

Ebene 3 – Konkreter Grund beschreibt das Ereignis präzise: „Lichtschranke verschmutzt", „Material fehlt am Arbeitsplatz", „Rüstvorgang verlängert".

Jeder Grund braucht eine Kurzdefinition – einen Satz, der zwei Schichten zu derselben Auswahl führt. Beispiel: „Material fehlt" bedeutet: Linie steht, weil Material am Arbeitsplatz nicht verfügbar ist, obwohl der Auftrag freigegeben ist.


Warum mit 20–40 Gründen starten, nicht mit 200

Zu viele Gründe erzeugen Auswahlstress und erhöhen die „Sonstiges"-Quote. Ziel ist nicht Vollständigkeit, sondern Nutzbarkeit. Ausgebaut wird erst, wenn die Datenqualität stabil ist. Ein Katalog mit 40 sauberen Gründen liefert bessere Auswertungen als einer mit 200 undefinierten.


Geplant vs. ungeplant: Die Trennung die OEE vergleichbar macht

Für belastbare OEE-Zahlen muss definiert sein, was in die geplante Produktionszeit fällt und was nicht. Typische Falle: Pausen, geplante Wartung und geplante Produktwechsel werden uneinheitlich behandelt – dann diskutiert man über Zahlen statt über Ursachen.


Datenqualität: Systemlogik statt Appell

Datenqualität entsteht nicht durch Erziehung, sondern durch Systemlogik. Pflichtauswahl ab einer definierten Stillstandsdauer – typisch 2 bis 5 Minuten – verhindert unbegründete Stillstände. Zeitnahe Erfassung beim Ereignis statt am Schichtende verbessert die Genauigkeit. „Sonstiges" nur mit Pflichtkommentar und regelmäßigem Review, damit es in echte Gründe überführt wird. Und eine Top-10-Liste der häufigsten Gründe pro Linie reduziert Fehlklicks, weil der Operator das Passende zuerst sieht.


Pareto-Auswertung: Drei Sichtweisen die Maßnahmen ermöglichen

Pareto richtig lesen bedeutet: nach verlorenen Minuten sortieren, nicht nach Häufigkeit. Häufigkeit ist sekundär.

Drei Sichtweisen bringen unterschiedliche Erkenntnisse. Minuten zeigen den Impact: Was kostet am meisten Produktionszeit? Häufigkeit zeigt Stabilität: Was passiert ständig und stört den Fluss? Durchschnittliche Dauer zeigt den Charakter: Lange Events sind typischerweise Technik oder Material, kurze sind oft Prozess oder Bedienung.

Der Drilldown der Maßnahmen ermöglicht führt von Kategorie über Grundgruppe und konkreten Grund bis zur betroffenen Maschine, Schicht und Artikel. Wer nicht bis zum Einzelereignis runterkommt, bleibt in der Diskussion statt in der Verbesserung.


Was die Pareto über Maßnahmen sagt

Wenn Technik die Pareto dominiert, liegt der Hebel bei Instandhaltung, MTBF/MTTR, Ersatzteilmanagement und Ursachenanalyse – nicht nur Reparieren. Wenn Material dominiert, sind Supermarkt, Kanban, Nachschubprozesse und Materialtransparenz die Ansätze. Wenn Rüsten dominiert, ist SMED der Ansatz. Wenn Qualität und Nacharbeit dominieren, liegt der Fokus auf Prozessfähigkeit, Prüfplan und Poka Yoke. Wenn Organisation und Planung dominieren, sind Schichtübergabe, Freigabeprozesse und Auftragsplanung die Stellhebel.

Ein MES das Störgrundkatalog, Maschinendaten und Maßnahmenmanagement verbindet, schließt den Kreis: Stillstand wird erfasst, ausgewertet, einer Maßnahme zugeordnet und die Wirkung in der nächsten Auswertung sichtbar.


FAQ

Wie viele Störgründe sind optimal? 20 bis 40 Gründe für den Start. Ausreichend für eine Pareto die Maßnahmen triggert, wenig genug dass Operatoren sicher auswählen. Erweiterung erst wenn die Datenqualität stabil ist und „Sonstiges" unter 10% liegt.

Was ist der Unterschied zwischen Störgrundkatalog und Stillstandskatalog? Beide Begriffe werden synonym verwendet. In manchen Systemen umfasst der Stillstandskatalog auch geplante Stillstände wie Pausen und Wartung, während der Störgrundkatalog sich auf ungeplante Ereignisse beschränkt. Entscheidend ist die interne Definition – nicht der Begriff.

Wie integriert sich ein Störgrundkatalog ins MES? Im MES ist der Katalog die Grundlage für die Stillstandserfassung am Terminal. Wenn eine Maschine stoppt, erscheint die Auswahl direkt am Shopfloor-Client. Maschinendaten und Bedienerauswahl werden zusammengeführt – daraus entsteht eine OEE-Auswertung die auf Kategorien, Linien, Schichten und Zeiträume drillbar ist.

Wer pflegt den Störgrundkatalog? Typischerweise Produktionsleitung oder CI-Manager, in Abstimmung mit Instandhaltung und Qualität. Der Katalog sollte mindestens quartalsweise reviewed werden: Was landet dauerhaft in „Sonstiges"? Welche Gründe werden nie gewählt? Welche neuen Ereignisse fehlen?

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