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Ausfallrate: Definition, Berechnung & Praxis in der Fertigung

Ausfallrate: Was ist das?

Die Ausfallrate (englisch: Failure Rate, Symbol λ) gibt an, wie häufig eine Maschine, Anlage oder Komponente innerhalb eines definierten Zeitraums ausfällt. Sie wird typischerweise in Ausfällen pro Betriebsstunde angegeben und ist die zentrale Kennzahl der Zuverlässigkeitstechnik in der Fertigung.

Die Formel ist einfach: λ = Anzahl der Ausfälle ÷ Gesamtbetriebszeit. Eine Anlage, die in 10.000 Betriebsstunden 5-mal ungeplant ausfällt, hat eine Ausfallrate von 0,0005 pro Stunde. Der Kehrwert ergibt die Mean Time Between Failures (MTBF) von 2.000 Stunden. Beide Kennzahlen beschreiben dasselbe Phänomen aus unterschiedlicher Perspektive.

Entscheidend für die Praxis: Die Ausfallrate ist keine konstante Größe. Sie verändert sich über die Lebensdauer einer Anlage und hängt von Faktoren wie Wartungsqualität, Betriebsbedingungen und Materialermüdung ab.


Ausfallrate: Die Badewannenkurve und ihre drei Phasen

Das Ausfallverhalten technischer Systeme folgt einem charakteristischen Muster, das als Badewannenkurve (Bathtub Curve) bekannt ist. Sie beschreibt drei Lebensphasen mit unterschiedlichen Ausfallraten:

Phase Ausfallverhalten Typische Ursachen
Frühausfälle (Infant Mortality) Hohe, schnell sinkende Ausfallrate Montagefehler, Materialdefekte, fehlerhafte Inbetriebnahme, ungeeignete Parametrierung
Nutzungsphase (Useful Life) Niedrige, annähernd konstante Ausfallrate Zufällige Ausfälle durch externe Einflüsse, Bedienfehler, sporadische Materialermüdung
Verschleißphase (Wear-Out) Steil ansteigende Ausfallrate Materialermüdung, Korrosion, Lagerverschleiß, Alterung von Dichtungen und Elektronik

Für die Instandhaltung hat jede Phase unterschiedliche Konsequenzen. Frühausfälle lassen sich durch sorgfältige Inbetriebnahme und Burn-in-Tests reduzieren. In der Nutzungsphase dominiert die zustandsbasierte Wartung. In der Verschleißphase wird die planmäßige Erneuerung kritischer Komponenten zur Pflicht, bevor die Ausfallrate unkontrolliert steigt.


Ausfallrate: Warum sie für die Fertigung so wichtig ist

Jeder ungeplante Stillstand kostet Geld. Wie viel genau, hängt von der Anlage und dem Produkt ab, aber die Größenordnungen sind klar: In der Automobilzulieferung verursacht eine Stunde ungeplanter Stillstand an einer Presslinie schnell Kosten von 5.000 bis 20.000 €, wenn Folgekosten wie Expressfracht, Vertragsstrafen und Nacharbeit eingerechnet werden.

Verfügbarkeit. Die Ausfallrate bestimmt direkt den Verfügbarkeitsfaktor der OEE. Eine Anlage mit einer Ausfallrate von 0,001 pro Stunde (MTBF 1.000 h) und einer mittleren Reparaturzeit (MTTR) von 2 Stunden erreicht rechnerisch eine Verfügbarkeit von 99,8 %. Steigt die Ausfallrate auf 0,005 (MTBF 200 h), sinkt die Verfügbarkeit auf 99,0 %, was bei Dreischichtbetrieb rund 50 Stunden pro Jahr zusätzlichem Stillstand entspricht.

Wartungskosten. Unternehmen, die ihre Ausfallrate systematisch erfassen und auswerten, können den Übergang von reaktiver zu vorbeugender Wartung vollziehen. Die Faustregel: Ungeplante Reparaturen kosten 3- bis 5-mal mehr als geplante Instandhaltungsmaßnahmen, weil Wartezeiten auf Ersatzteile, Expressbestellungen und Überstunden hinzukommen.

Planungssicherheit. Wer die Ausfallrate seiner kritischen Anlagen kennt, kann Ersatzteilbestände richtig dimensionieren, Wartungsfenster vorausschauend planen und Produktionskapazitäten realistisch kalkulieren.


Ausfallrate: So funktioniert die Erfassung in der Praxis

Die Ausfallrate zu berechnen ist mathematisch trivial. Die Herausforderung liegt in der Datenqualität. Wer Stillstände manuell auf Papier oder in Excel erfasst, hat drei Probleme: Bediener dokumentieren selektiv, Kurzstillstände unter 5 Minuten werden ignoriert und die Stillstandsursache wird nachträglich aus der Erinnerung eingetragen.

1. Automatische Stillstandserfassung. Ein MES mit Maschinendatenerfassung (MDE) registriert jeden Stillstand sekundengenau, inklusive Zeitstempel, Dauer und Maschinenzustand. Bei SYMESTIC-Kunden zeigt die Erfahrung: Nach Einführung der automatischen Erfassung werden 8 bis 12 % zusätzliche Mikro-Stillstände sichtbar, die bei manueller Dokumentation komplett untergegangen sind.

2. Stillstandsklassifizierung. Ein Stillstand ist nicht automatisch ein Ausfall. Geplante Wartung, Rüstvorgänge und Pausen müssen von ungeplanten Ausfällen getrennt werden. Im Cloud-MES von SYMESTIC klassifiziert der Bediener am Shopfloor-Client den Stillstandsgrund. Bei Neoperl übernimmt die SPS-basierte Alarmerfassung die automatische Begründung technischer Stillstände ohne Eingriff der Mitarbeitenden.

3. Auswertung und Trendanalyse. Die reine Ausfallrate als Einzelzahl reicht nicht. Erst die Analyse über die Zeit zeigt, ob eine Anlage in die Verschleißphase eintritt. SYMESTIC erfasst Prozessdaten kontinuierlich und macht Trends sichtbar, bevor sie zum ungeplanten Stillstand führen.


Ausfallrate: Typische Fehler bei der Erhebung und Nutzung

Fehler 1: Nur ungeplante Totalausfälle zählen. Viele Betriebe erfassen nur Stillstände, bei denen die Anlage komplett steht. Leistungsverluste durch intermittierende Störungen, erhöhte Taktzeiten oder sporadische Fehlermeldungen fallen durch das Raster. Diese "versteckten Ausfälle" senken die OEE, tauchen aber in keiner Ausfallstatistik auf.

Fehler 2: Ausfallrate über verschiedene Anlagentypen vergleichen. Eine Spritzgussmaschine hat andere Ausfallcharakteristiken als eine CNC-Fräse oder eine Verpackungslinie. Die Ausfallrate ist eine Verbesserungskennzahl für die einzelne Anlage oder Anlagengruppe, kein Benchmarking-Werkzeug zwischen verschiedenen Maschinentypen.

Fehler 3: Keine Trennung nach Ausfallursache. Eine Ausfallrate ohne Ursachenaufschlüsselung ist ein Symptom, keine Diagnose. Erst die Pareto-Analyse der Stillstandsgründe zeigt, ob Hydraulik, Sensorik, Steuerung oder Werkzeugverschleiß den größten Anteil hat. Bei Meleghy Automotive führte genau diese Transparenz zu 10 % weniger Stillstandszeiten.

Fehler 4: MTBF mit Lebensdauer verwechseln. Eine MTBF von 10.000 Stunden bedeutet nicht, dass die Anlage 10.000 Stunden störungsfrei läuft. MTBF ist ein statistischer Erwartungswert über viele Ausfallzyklen. Für einzelne Anlagen schwankt die tatsächliche Zeit zwischen Ausfällen erheblich.


Ausfallrate vs. MTBF vs. Verfügbarkeit: Der Unterschied

Drei Kennzahlen, die häufig verwechselt werden, aber unterschiedliche Aspekte der Anlagenzuverlässigkeit beschreiben:

Kennzahl Formel Aussage
Ausfallrate (λ) Ausfälle ÷ Betriebszeit Wie häufig fällt die Anlage aus?
MTBF 1 ÷ λ (Kehrwert der Ausfallrate) Wie lange läuft die Anlage im Schnitt zwischen zwei Ausfällen?
MTTR Gesamte Reparaturzeit ÷ Anzahl Reparaturen Wie lange dauert eine Reparatur im Schnitt?
Verfügbarkeit MTBF ÷ (MTBF + MTTR) Welcher Anteil der geplanten Zeit steht die Anlage tatsächlich zur Verfügung?

In der OEE-Berechnung fließt die Ausfallrate indirekt über den Verfügbarkeitsfaktor ein. Eine sinkende Ausfallrate erhöht die MTBF, verbessert die Verfügbarkeit und steigert damit die OEE. SYMESTIC berechnet all diese Kennzahlen automatisch auf Basis der erfassten Maschinendaten und stellt sie in Echtzeit-Dashboards bereit.


Häufige Fragen zur Ausfallrate

Was ist eine gute Ausfallrate in der Fertigung?
Das hängt stark vom Anlagentyp und der Branche ab. Für hochautomatisierte Montagelinien liegt eine typische Ziel-MTBF bei 500 bis 2.000 Betriebsstunden. Einzelne CNC-Maschinen erreichen MTBF-Werte von 3.000 bis 5.000 Stunden. Entscheidend ist nicht der Absolutwert, sondern der Trend: Steigt die Ausfallrate über Monate an, deutet das auf den Eintritt in die Verschleißphase hin.

Wie hilft ein MES bei der Reduzierung der Ausfallrate?
Ein MES wie SYMESTIC erfasst Stillstände automatisch, klassifiziert Ursachen und macht Muster sichtbar. Durch Alarme mit Eskalationslogik verkürzt sich die Reaktionszeit bei Störungen. Carcoustics erreichte mit SYMESTIC 4 % weniger Stillstandszeiten und 8 % höhere Anlagenverfügbarkeit, weil Stillstandsursachen erstmals systematisch analysiert und abgestellt werden konnten.

Was ist der Zusammenhang zwischen Ausfallrate und Predictive Maintenance?
Predictive Maintenance nutzt Prozessdaten wie Vibration, Temperatur und Stromaufnahme, um den Eintritt in die Verschleißphase vorherzusagen, bevor die Ausfallrate tatsächlich ansteigt. Die Grundlage dafür sind historische Ausfalldaten und kontinuierlich erfasste Prozessparameter, die ein Cloud-MES automatisch sammelt und für Trendanalysen bereitstellt.

Wie berechne ich die Ausfallrate meiner Anlagen?
Zählen Sie die ungeplanten Ausfälle über einen definierten Zeitraum (mindestens 3 Monate für statistisch belastbare Werte) und teilen Sie durch die gesamte Betriebszeit im gleichen Zeitraum. Beispiel: 8 Ausfälle in 4.000 Betriebsstunden ergibt λ = 0,002 pro Stunde, entsprechend einer MTBF von 500 Stunden. Mit automatischer Maschinendatenerfassung entfällt die manuelle Zählung und die Daten sind sekundengenau.

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