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Leistungskennzahlen: Die wichtigsten KPIs in der Fertigung

Von Christian Fieg · Zuletzt aktualisiert: März 2026

Was sind Leistungskennzahlen in der Fertigung?

Leistungskennzahlen (KPIs) in der Fertigung sind messbare Grössen, die zeigen, wie gut eine Produktion arbeitet: Wie viel wird produziert? Wie lange stehen die Maschinen? Wie hoch ist der Ausschuss? Wie schnell läuft die Anlage im Vergleich zu dem, was sie leisten könnte?

Der Unterschied zwischen Leistungskennzahlen und dem, was die meisten Betriebe heute haben: Die meisten Betriebe haben Zahlen. Stückzahlen auf Papier, Stillstandszeiten aus dem Kopf, OEE-Werte in einer Excel-Tabelle. Aber Zahlen sind noch keine Kennzahlen. Eine Kennzahl ist erst dann eine Kennzahl, wenn sie auf verlässlichen Daten basiert, einheitlich berechnet wird, vergleichbar ist (Schicht zu Schicht, Maschine zu Maschine, Werk zu Werk) und zu einer Entscheidung führt.

In der Praxis scheitern Leistungskennzahlen nicht an der Formel. Sie scheitern an der Datenqualität. Wer Stillstandszeiten manuell erfasst, misst keine Mikrostopps. Wer Stückzahlen am Schichtende aufschreibt, erfasst keine Taktzeit-Verluste. Wer Ausschuss per Strichliste zählt, hat keine Korrelation zum Prozessparameter. Die Formel für OEE ist trivial. Die Herausforderung ist, die drei Eingangsgrössen (Verfügbarkeit, Leistung, Qualität) automatisch, sekundengenau und lückenlos zu erfassen.


Die wichtigsten Leistungskennzahlen in der Fertigung

Kennzahl Was sie misst Formel Typischer Zielwert
OEE Gesamtanlageneffektivität: Wie viel der theoretisch möglichen Produktion wird tatsächlich als Gutteile ausgebracht? Verfügbarkeit x Leistung x Qualität 65-85 % (branchenabhängig)
Verfügbarkeit Wie viel der geplanten Produktionszeit läuft die Maschine tatsächlich? Laufzeit / geplante Produktionszeit 85-95 %
Leistungsgrad Wie schnell läuft die Maschine im Vergleich zur Solltaktzeit? (Stückzahl x Solltaktzeit) / Laufzeit 90-98 %
Qualitätsrate Wie viel Prozent der produzierten Teile sind Gutteile? Gutteile / Gesamtstückzahl 95-99,5 %
Stillstandszeit Wie lange steht die Maschine insgesamt (geplant + ungeplant)? Geplante Produktionszeit - Laufzeit So niedrig wie möglich
MTBF Mittlere Zeit zwischen zwei Ausfällen (Mean Time Between Failures) Gesamtlaufzeit / Anzahl Ausfälle Branchenabhängig
MTTR Mittlere Reparaturzeit (Mean Time To Repair) Gesamte Reparaturzeit / Anzahl Reparaturen So niedrig wie möglich
Ausschussrate Anteil der Schlechtteile an der Gesamtproduktion Schlechtteile / Gesamtstückzahl Unter 1-3 % (branchenabhängig)
Rüstzeit Zeit vom letzten Gutteil des alten Auftrags bis zum ersten Gutteil des neuen Auftrags Direkte Messung (Zeitstempel) SMED-Ziel: unter 10 Minuten
Taktzeit Zeit zwischen zwei aufeinanderfolgenden Teilen Direkte Messung (Taktimpuls-Abstand) Gleich oder unter Solltaktzeit

Die ersten vier Kennzahlen (OEE, Verfügbarkeit, Leistungsgrad, Qualitätsrate) bilden zusammen das OEE-Framework. Die OEE ist die verdichtete Kennzahl, die drei Faktoren sind die Aufschlüsselung. Wer nur OEE misst, weiss, dass etwas nicht stimmt. Wer die drei Faktoren misst, weiss, wo das Problem liegt.


Warum manuelle Leistungskennzahlen nicht funktionieren

In den meisten Betrieben werden Leistungskennzahlen manuell erfasst. Der Schichtführer schreibt die Stückzahl auf, schätzt die Stillstandszeit und klassifiziert den Stillstand aus der Erinnerung. Am Montagmorgen liegt ein Schichtbericht auf dem Tisch des Produktionsleiters.

Das Problem: Diese Zahlen sind systematisch verzerrt.

Was manuell erfasst wird Was fehlt Auswirkung auf die Kennzahl
Stückzahl am Schichtende Taktzeit-Verluste (Maschine läuft langsamer als Soll) Leistungsgrad wird zu hoch ausgewiesen
Grössere Stillstände (ab 5-10 Minuten) Mikrostopps (10-90 Sekunden, 80-120 pro Schicht) Verfügbarkeit wird 5-15 Prozentpunkte zu hoch ausgewiesen
Stillstandsgrund aus der Erinnerung Exakte Stillstandsdauer, zeitliche Korrelation mit Prozessparametern Pareto-Analyse ist unbrauchbar (falsche Rangfolge)
Ausschuss am Schichtende gezählt Wann genau der Ausschuss entstanden ist, bei welchen Prozessparametern Qualitätsrate ist korrekt, aber Ursachenanalyse ist unmöglich
Nachtschicht: "Alles lief normal" Mikrostopps, Taktzeit-Verluste, nicht dokumentierte Stillstände OEE der Nachtschicht wird systematisch zu hoch ausgewiesen

In der Praxis weicht die manuell geschätzte OEE um 5 bis 15 Prozentpunkte von der automatisch erfassten OEE ab. Bei einem Maschinenstundensatz von 80 bis 120 Euro und 16 Stunden Betrieb pro Tag bedeuten 10 Prozentpunkte Abweichung 130 bis 190 Euro pro Maschine und Tag an unsichtbarem Verlust.


Rechenbeispiel: Was unsichtbare Verluste kosten

Ausgangslage: Ein Kunststoffverarbeiter betreibt 12 Spritzgussmaschinen. Maschinenstundensatz: 110 Euro. Betrieb: 3 Schichten, 24 Stunden pro Tag, 230 Produktionstage pro Jahr. Geschätzte OEE (vom Schichtführer): 82 %.

Nach 4 Wochen automatischer Erfassung: Die tatsächliche OEE liegt bei 69 %. 13 Prozentpunkte niedriger als geschätzt.

Verlustursache Vorher sichtbar? Anteil am Gesamtverlust Kosten pro Monat (12 Maschinen)
Taktzeit-Verluste (Maschine läuft 8-12 % langsamer als Soll) Nein 32 % 17.820 Euro
Mikrostopps (Entnahme-Fehler, Anguss-Störung) Nein 22 % 12.250 Euro
Rüstzeit (tatsächlich 40 % länger als geplant) Teilweise 20 % 11.140 Euro
Ungeplante technische Stillstände Ja (die grossen) 16 % 8.910 Euro
Anlaufausschuss nach Farbwechsel / Werkzeugwechsel Teilweise 10 % 5.570 Euro
Gesamtverlust (31 % OEE-Verlust)   100 % 55.690 Euro/Monat

Von den 55.690 Euro Gesamtverlust pro Monat waren 54 % (Taktzeit-Verluste + Mikrostopps = 30.070 Euro) ohne automatische Erfassung komplett unsichtbar. Das sind 360.840 Euro pro Jahr an verlorener Kapazität, die ohne automatische Leistungskennzahlen niemand kennt.


Leistungskennzahlen nach Rolle

Nicht jeder braucht dieselben Kennzahlen. Was der Werker am Shopfloor-Client sieht, ist nicht dasselbe wie das, was der COO im Monatsreport braucht.

Rolle Primäre Kennzahlen Aktualisierung Typische Ansicht
Werker / Bediener Aktuelle Taktzeit, Stückzahl (Soll/Ist), Stillstandsgrund Echtzeit (Sekunden) Shopfloor-Client an der Maschine
Schichtführer OEE pro Schicht, Top-3-Stillstandsursachen, Ausbringung vs. Plan Echtzeit + Schichtbericht Dashboard (Werksmonitor)
Produktionsleiter OEE-Trend (Woche/Monat), Maschinenvergleich, Stillstands-Pareto, Rüstzeit-Trend Täglich / Wöchentlich Analyse-Dashboard, Berichte
Lean / KVP Manager Verlustursachen-Pareto, Vorher/Nachher-Vergleich, Massnahmen-Wirksamkeit Wöchentlich / Projektbezogen Analyse-Dashboard, Export
Instandhaltung MTBF, MTTR, Alarm-Pareto, technische Stillstände Täglich + Echtzeit-Benachrichtigung Alarm-Dashboard, Benachrichtigungen
COO / Werksleiter OEE über alle Werke, Werksvergleich, Ausbringung, Stillstandskosten Wöchentlich / Monatlich Management-Dashboard, Berichte

Automatische vs. manuelle Leistungskennzahlen

Kriterium Manuell (Papier, Excel) Automatisch (MES)
Genauigkeit 5-15 Prozentpunkte Abweichung bei OEE Sekundengenau, lückenlos
Mikrostopps Unsichtbar Jeder Stopp ab 1 Sekunde erfasst
Taktzeit-Verluste Unsichtbar (Maschine läuft ja) Jedes Teil gemessen, Abweichung sofort sichtbar
Stillstandsklassifikation Aus der Erinnerung, oft stundenlater Am Shopfloor-Client sofort oder automatisch via SPS-Alarm
Nachtschicht Lückenhaft, weniger dokumentiert 24/7, jede Sekunde gleich
Verfügbarkeit der Daten Stunden bis Tage nach Schichtende Echtzeit
Vergleichbarkeit Verschiedene Definitionen, verschiedene Excel-Vorlagen Einheitliche Berechnung über alle Maschinen, Schichten, Werke
Aufwand 15-30 Minuten pro Schicht pro Schichtführer Null (automatisch)

Wie SYMESTIC Leistungskennzahlen berechnet

Produktionskennzahlen automatisch berechnen ist das, was SYMESTIC tut. Das Modul heisst "Produktionskennzahlen" und ist der Kern der Plattform.

  • Automatische Datenerfassung. SYMESTIC erfasst Laufzeit, Stillstand, Stückzahl und Taktzeit automatisch. Bei Bestandsanlagen über ein digitales I/O-Gateway (2-4 Stunden Installation, kein SPS-Eingriff). Bei modernen Steuerungen über OPC UA (volle Datentiefe inkl. Prozessparameter und SPS-Alarme).
  • Einheitliche Berechnung. OEE, Verfügbarkeit, Leistung, Qualität werden über alle Maschinen, Schichten und Werke hinweg nach derselben Logik berechnet. Keine unterschiedlichen Excel-Definitionen. Keine Interpretationsspielräume. Bei Meleghy Automotive hat diese Konsistenz über 6 Werke zu 10 % Reduktion der Stillstandszeiten und 7 % Verbesserung der Ausbringung geführt.
  • Stillstands-Pareto. Jeder Stillstand wird klassifiziert (technisch, Rüsten, Material, Organisation). Die Pareto-Analyse zeigt die Top-Verlustursachen nach Dauer, Häufigkeit und Kosten. Bei Neoperl hat die automatische Stillstandsbegründung über SPS-Alarme zu 10 % weniger Stillständen und 8 % höherer Anlagenverfügbarkeit geführt.
  • Schicht- und Maschinenvergleich. Dieselbe Maschine, dieselbe Kennzahl, unterschiedliche Schichten. Oder: dieselbe Schicht, unterschiedliche Maschinen. Die Vergleiche zeigen, ob ein Problem an der Maschine liegt oder am Prozess. Bei Klocke hat der Maschinenvergleich nach 3 Wochen die Linien identifiziert, die 12 % mehr Ausbringung liefern konnten.
  • Echtzeit-Dashboards. Werksmonitor, Shopfloor-Client, Management-Dashboard. Jede Rolle sieht die Kennzahlen, die für ihre Entscheidung relevant sind. Bei Brita hat der Werksmonitor zu 5 % Reduktion der Stillstandszeiten und 7 % Verbesserung der Ausbringung geführt.
  • Automatisches Reporting und Benachrichtigungen. Schichtberichte per E-Mail, Benachrichtigungen bei Schwellenwertüberschreitungen, Export für das Management-Reporting. Kein manuelles Zusammentragen von Zahlen. Bei Schmiedetechnik Plettenberg hat die automatische Rückmeldung in das ERP (InforCOM) die manuelle Datenerfassung eliminiert und die Planungsgenauigkeit erhöht.

Drei Schritte zu verlässlichen Leistungskennzahlen

Schritt 1: Erste Maschinen anbinden, Ist-Zustand messen. Die kritischsten Maschinen werden über I/O-Gateways oder OPC UA angebunden. Nach 2 bis 4 Wochen zeigt die Datenbasis den tatsächlichen Ist-Zustand: reale OEE, reale Stillstandszeiten, reale Taktzeit. Der Vergleich mit den bisherigen manuellen Werten zeigt die Abweichung. Bei Klocke wurde die erste Linie in 3 Wochen angebunden, danach Skalierung auf alle Linien am Standort.

Schritt 2: Stillstandsklassifikation einführen, Pareto nutzen. Jeder Stillstand wird am Shopfloor-Client klassifiziert oder automatisch über SPS-Alarme begründet. Die Pareto-Analyse zeigt die Top-3-Verlustursachen. Massnahmen werden gezielt auf die grössten Verluste gerichtet. Bei Carcoustics wurde die Stillstandsklassifikation auf 500+ Anlagen in allen Werken ausgerollt, innerhalb von 6 Monaten.

Schritt 3: KPI-basiertes Shopfloor Management einführen. Die Kennzahlen werden in das tägliche Shopfloor Meeting integriert: OEE der letzten Schicht, Top-Stillstandsursachen, offene Massnahmen. Das Produktionsmeeting basiert auf Fakten statt auf Schätzungen. Bei Brita hat die Kombination aus Echtzeit-Dashboards und Schichtberichten die Abstimmungsprozesse beschleunigt und die Reaktionszeit auf Abweichungen verkürzt.


Häufige Fragen zu Leistungskennzahlen

Was ist die wichtigste Leistungskennzahl in der Produktion?

OEE (Overall Equipment Effectiveness) ist die wichtigste verdichtete Kennzahl, weil sie Verfügbarkeit, Leistung und Qualität in einer Zahl zusammenfasst. Aber OEE allein reicht nicht. Ohne die Aufschlüsselung in die drei Faktoren und ohne Stillstands-Pareto weiss man nur, dass etwas nicht stimmt, aber nicht, wo. Eine hohe OEE ist wertlos, wenn sie auf geschätzten Daten basiert. Eine niedrige, aber echte OEE ist der erste Schritt zur Verbesserung.

Wie viele Kennzahlen brauche ich?

Weniger als die meisten denken. Für den Start: OEE mit den drei Faktoren (Verfügbarkeit, Leistung, Qualität), Stillstandszeit mit Klassifikation und Stückzahl (Soll/Ist). Das sind die Grundlagen, die jede Maschine liefern sollte. Alles Weitere (MTBF, MTTR, Rüstzeit-Trend, Energieverbrauch pro Teil) wird ergänzt, wenn die Datenbasis steht und die Grundkennzahlen im Griff sind.

Wie unterscheiden sich Leistungskennzahlen von Produktionskennzahlen?

In der Praxis werden die Begriffe synonym verwendet. "Leistungskennzahlen" ist der allgemeinere Begriff (KPIs, Key Performance Indicators). "Produktionskennzahlen" ist der spezifischere Begriff für KPIs in der Fertigung (OEE, Verfügbarkeit, Stillstandszeit, Ausbringung). SYMESTIC verwendet den Begriff "Produktionskennzahlen" für das Kernmodul, das OEE, Verfügbarkeit, Leistung, Qualität, Stillstands-Pareto und Schichtvergleiche umfasst.

Wie schnell sehe ich Ergebnisse?

Die Maschinenanbindung über SYMESTIC erfolgt in 2 bis 4 Stunden pro Maschine. Ab dem ersten Tag fliessen Echtzeitdaten. Nach 2 bis 4 Wochen zeigt die Datenbasis den tatsächlichen Ist-Zustand und die Top-Verlustursachen. Die Implementierungszeit für das Modul Produktionskennzahlen beträgt unter 1 Monat für 10 Maschinen.

Was ist der Unterschied zwischen einer Kennzahl und einer Metrik?

Eine Metrik ist ein Messwert (z. B. Stillstandszeit in Minuten). Eine Kennzahl (KPI) ist eine Metrik mit Kontext: Zielwert, Vergleich, Handlungsrelevanz. "Die Maschine stand 45 Minuten" ist eine Metrik. "Die Verfügbarkeit lag bei 72 % (Ziel: 90 %), Hauptursache: Werkzeugwechsler-Fehler, Massnahme erforderlich" ist eine Kennzahl.

Christian Fieg
Über den Autor:
Christian Fieg
Head of Sales bei SYMESTIC. Zuvor iTAC, Dürr, Visteon, Johnson Controls. Six Sigma Black Belt. Autor von "OEE: Eine Zahl, viele Lügen".
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