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Produktionsplanung Software: Definition, Systeme und Praxis

Christian Fieg Head of Sales

Veröffentlicht Februar 20255 Min. Lesezeit

Lernpfad Schritt 3 von 3
Inhalt

    Produktionsplanungssoftware: drei Systemarten

    Produktionsplanungssoftware verteilt Fertigungsaufträge auf Termine, Maschinen, Werkzeuge und Personal. Sie steckt in drei Systemarten: im ERP (Grobplanung), im APS (Feinplanung gegen begrenzte Kapazität) und im MES, das Aufträge in der Fertigung steuert und die Ist-Daten an die Planung zurückgibt. Die Richtlinie VDI 5600 Blatt 1 zählt Feinplanung und Feinsteuerung ausdrücklich zu den Aufgaben eines MES.

    Wer nach „Produktionsplanung Software“ sucht, findet deshalb Listen, in denen ERP-Module, Plantafeln und Feinplanungssysteme nebeneinanderstehen. Für die Auswahl hilft zuerst die Frage, welche Planungsebene im eigenen Werk fehlt.

    ERP, APS und MES: wer plant was

    SystemPlanungshorizontKernfrageKapazität
    ERP (oft als PPS-Modul)Wochen bis MonateWas muss wann fertig sein, und welches Material fehlt?in der Grundform unbegrenzt, Abgleich meist grob nach Arbeitsplatzgruppe
    APS (Advanced Planning and Scheduling), FeinplanungsmodulTage bis WochenWelcher Auftrag läuft auf welcher Maschine in welcher Reihenfolge?begrenzt, mehrere Ressourcen zugleich
    MESSchicht bis MinuteWas läuft gerade, und wie weit ist jeder Auftrag?misst die tatsächliche Kapazität

    Das ERP rechnet aus Liefertermin, Stückliste und Arbeitsplan, wann ein Auftrag starten muss. Ob die Maschine an diesem Tag frei ist, prüft es in der Grundform nicht: Die Durchlaufterminierung rechnet zunächst ohne die Kapazitätssituation, der Abgleich folgt erst danach (Gabler Wirtschaftslexikon). Die Feinplanung übernimmt ein APS oder ein MES mit Leitstand: Sie legt die Reihenfolge je Maschine fest und berücksichtigt dabei Rüstzeiten, Werkzeuge und die Qualifikation der Bediener. Wie man Reihenfolgen bildet, beschreibt der Beitrag zu Production Scheduling. Das MES meldet zurück, was in der Fertigung passiert ist: Start, Stillstand, Stückzahl, Ende.

    Ab wann sich ein Feinplanungssystem lohnt

    Ob ERP mit Plantafel oder Excel-Liste reicht, hängt weniger an der Betriebsgröße als an diesen Merkmalen:

    MerkmalPlantafel oder Excel reicht meistFeinplanung (APS) lohnt sich
    Rüstzeitfast gleich, egal welches Produkt vorher liefhängt stark vom Vorgängerprodukt ab (Farbe, Material, Werkzeug)
    Begrenzende Ressourcenur die MaschineMaschine, Werkzeug und qualifizierter Bediener zugleich
    Fertigungsstufenein oder zwei Arbeitsgänge je Auftragviele Arbeitsgänge, die aufeinander warten
    Umplanungenselten, der Wochenplan hältmehrmals täglich durch Eilaufträge, Störungen oder Material
    WissenPlan ist für jeden nachvollziehbarPlan steckt im Kopf einer Person

    Treffen mehrere Merkmale der rechten Spalte zu, wächst die Zahl möglicher Reihenfolgen schneller, als ein Mensch sie prüfen kann. Bei vier Aufträgen an einer Maschine gibt es 24 Reihenfolgen, bei zehn Aufträgen 3.628.800.

    Rechenbeispiel: was die Reihenfolge an Rüstzeit kostet

    Eine Lackieranlage fährt vier Aufträge in den Farben Weiß, Beige, Grau und Schwarz. Die Rüstzeit hängt davon ab, welche Farbe vorher lief: Von hell nach dunkel genügt eine kurze Spülung, von Schwarz nach Weiß muss gründlich gereinigt werden (konstruierte Zahlen).

    ReihenfolgeWechselRüstzeit
    A, nach Auftragseingang: Schwarz, Weiß, Grau, BeigeSchwarz→Weiß 60 min, Weiß→Grau 20 min, Grau→Beige 35 min115 min
    B, von hell nach dunkel: Weiß, Beige, Grau, SchwarzWeiß→Beige 10 min, Beige→Grau 15 min, Grau→Schwarz 15 min40 min

    Reihenfolge B spart in diesem Durchlauf 75 Minuten. Wiederholt sich der Farbzyklus, kommt der Rückwechsel hinzu: Bei B folgt auf Schwarz wieder Weiß (60 Minuten), bei A folgt auf Beige wieder Schwarz (15 Minuten). Je Zyklus braucht B dann 100 Minuten und A 130 Minuten, die Ersparnis sinkt auf 30 Minuten. Bei fünf Zyklen in der Woche sind das 150 Minuten, also zweieinhalb Stunden Anlagenzeit. Wer Reihenfolgen vergleicht, muss den Rückwechsel mitrechnen. Bei vier Aufträgen sieht ein erfahrener Planer das selbst. Bei 40 Aufträgen auf drei Anlagen mit Liefertermin und Werkzeugbedarf braucht er dafür eine Rüstmatrix im System, und die ist nur so gut wie die gemessenen Rüstzeiten, die in ihr stehen.

    Warum ein Plan ohne Rückmeldung veraltet

    Jeder Plan beruht auf Vorgabezeiten. Fällt eine Maschine 40 Minuten aus oder dauert ein Rüstvorgang länger, verschieben sich alle folgenden Aufträge. Erfährt die Planung davon erst am Schichtende, plant sie gegen einen Zustand, den es nicht mehr gibt. In Excel kommt hinzu, dass Abhängigkeiten zwischen Arbeitsgängen nicht mitgerechnet werden: Wer einen Auftrag verschiebt, muss die Folgen für alle anderen selbst nachziehen.

    Eine Feinplanung braucht deshalb zwei Dinge aus der Fertigung: den aktuellen Stand jedes Auftrags und gemessene statt geschätzte Zeiten für Rüsten und Bearbeitung. Beides kommt aus der Betriebsdatenerfassung.

    Software für die Produktionsplanung auswählen

    Vor dem Vergleich von Anbietern stehen fünf Fragen, in dieser Reihenfolge:

    1. Wo entstehen die Aufträge? Fast immer im ERP. Die Planungssoftware muss Aufträge, Arbeitspläne und Termine von dort übernehmen und Rückmeldungen zurückgeben können.
    2. Was begrenzt die Fertigung? Ist es nur die Maschine, genügt eine einfachere Planung. Sind es Werkzeuge oder Qualifikationen, muss das System mehrere Ressourcen zugleich planen.
    3. Woher kommen die Ist-Zeiten? Ohne Rückmeldung aus der Fertigung rechnet jede Planung mit Vorgabezeiten, die niemand prüft.
    4. Wer pflegt die Stammdaten? Vorgabezeiten und Rüstmatrix müssen jemandem gehören, sonst veraltet die Planung mit dem ersten neuen Produkt.
    5. Wie schnell muss umgeplant werden? Wer mehrmals am Tag umplant, braucht eine Planung, die auf Störungen reagiert, und einen Leitstand, auf dem der Planer die Folgen sieht.

    Was die Software kostet, lässt sich pauschal nicht beantworten. ERP-Module, APS und MES werden nach Nutzern, Ressourcen oder Anlagen abgerechnet, und die Pflege der Stammdaten kostet laufend Zeit, die in keinem Angebot steht.

    Was SYMESTIC im Bereich Produktionsplanung bietet

    SYMESTIC ist ein Cloud-MES und liefert der Planung die Ist-Daten, die ihr sonst fehlen. Aufträge kommen aus dem ERP oder werden direkt angelegt, werden freigegeben und priorisiert, Werker starten, pausieren und beenden sie an der Maschine, und Status und aktueller Arbeitsgang sind live sichtbar. Mehr dazu auf der Seite Fertigungssteuerung.

    Angebunden sind unter anderem InforCOM, SAP, Microsoft Dynamics NAV und Business Central: Aufträge kommen aus dem ERP, Rückmeldungen gehen dorthin zurück (ERP-Integration). Ein vorhandenes APS bindet SYMESTIC über eine dokumentierte REST-API an. Bei der Schmiedetechnik Plettenberg ist das ERP InforCOM in beide Richtungen angebunden, und die Echtzeitdaten standen ab dem ersten Tag zur Verfügung. Grundlage ist die Maschinendatenerfassung. Liefert eine Maschine kein Stillstandssignal, erkennt SYMESTIC den Stillstand daran, dass keine Bauteile mehr gezählt werden.

    Wie Ihre Planung Ist-Daten aus Ihrer Fertigung bekommt, zeigt eine kostenlose Live-Demo am eigenen Anwendungsfall.

    • Live-Demo
    • 30 Minuten
    • Kostenlos

    Sehen, wie Ihre Planung Ist-Daten aus der Fertigung bekommt

    In einer Live-Demo zeigen wir, wie Aufträge aus Ihrer Planung an der Maschine laufen und Fortschritt und Stillstände live zurückkommen.

    • OEE live
    • Stillstände und Gründe
    • Maschinen und ERP anbinden
    SYMESTIC Management View

    Über den Autor

    Christian FiegHead of Sales

    Six Sigma Black Belt mit über 25 Jahren in der Fertigungsindustrie, zuvor bei Johnson Controls, Visteon, iTAC und Dürr. Autor des Buchs „OEE: Eine Zahl, viele Lügen“.

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