MES-Pilotprojekt: Von der Theorie zur messbaren Verbesserung
Ein MES-Pilotprojekt ist der entscheidende Zwischenschritt zwischen Konzept und Rollout. Es übersetzt die Idee der Produktionsdigitalisierung in konkrete, überprüfbare Ergebnisse – mit echten Maschinen, realen Daten und messbarem wirtschaftlichem Nutzen.
Rolle und Ziel eines Pilotprojekts
Der Zweck eines Pilotprojekts liegt nicht in der Demonstration von Software, sondern in der Validierung der tatsächlichen Wirksamkeit eines MES unter realen Bedingungen. Unternehmen prüfen damit,
- ob die Systemarchitektur mit ihrer Infrastruktur kompatibel ist,
- wie zuverlässig Datenflüsse funktionieren,
- welche Kennzahlen belastbar sind,
- und welche Verbesserungen kurzfristig erreichbar sind.
Ein erfolgreiches Pilotprojekt liefert die Grundlage für Entscheidungen auf Geschäftsleitungsebene – über Investitionen, Rollout-Reihenfolge und Prozessprioritäten.
Aufbau und Ablauf
Ein praxisorientiertes MES-Pilotprojekt gliedert sich in aufeinander abgestimmte Phasen:
-
Zieldefinition und Scope-Festlegung
Auswahl einer Linie, Maschine oder Produktfamilie, die typische Produktionsprobleme repräsentiert. Festlegung relevanter KPIs (z. B. OEE, Stillstandszeiten, Ausschussrate, Energieverbrauch). -
Technische Anbindung
Verbindung der Maschinen über standardisierte Schnittstellen wie OPC UA, digitale I/Os oder Edge-Gateways. Sicherstellung der Datenerfassung mit klar definierten Signalen und Prozesswerten. -
Systemeinrichtung und Onboarding
Einrichtung vorkonfigurierter MES-Dashboards, Definition der Nutzerrollen und Schulung der Key-User. -
Produktivbetrieb und Datenauswertung
Echtzeiterfassung und Analyse von Leistungs-, Qualitäts- und Prozessdaten über mehrere Schichten oder Wochen hinweg. -
Ergebnisbewertung und Ableitung von Maßnahmen
Identifikation konkreter Verluste, Quantifizierung der Effekte (z. B. +10 % OEE, –20 % Ausschuss) und Erstellung eines Business-Case für den Rollout.
Technologische Basis
Ein modernes Pilotprojekt wird typischerweise cloudbasiert umgesetzt. Die Plattform läuft auf sicheren Cloud-Umgebungen (z. B. Microsoft Azure), Updates erfolgen automatisch, und Dashboards sind über Browser oder mobile Endgeräte abrufbar. Über standardisierte REST-APIs und OPC-UA-Connectoren lassen sich ERP-, Qualitätssysteme oder Instandhaltung integrieren.
Wirtschaftlicher Nutzen
Ein Pilotprojekt dient nicht nur der technischen Validierung, sondern vor allem der Wirtschaftlichkeitsbewertung:
- Schneller ROI: erste Ergebnisse nach Tagen statt Monaten.
- Kein CAPEX: Nutzung im Abonnement oder als Pauschalpaket (OPEX).
- Reduzierter Risikoaufwand: klar begrenzter Projektumfang mit messbarem Output.
- Skalierbarkeit: Erkenntnisse aus dem Pilot dienen als Template für weitere Standorte.
Organisatorische Voraussetzungen
- Klare Ziel- und KPI-Vorgaben durch das Management.
- Zugriff auf Maschinensteuerungen und OT-Netzwerke.
- Key-User mit Prozesswissen aus Produktion, Instandhaltung und Qualität.
- Bereitschaft, Entscheidungen auf Basis von Daten zu treffen.
Typische Ergebnisse aus der Praxis
Unternehmen berichten nach MES-Pilotphasen häufig über:
- 5–15 % Produktivitätssteigerung durch OEE-Transparenz,
- 20–30 % weniger technische Stillstände,
- signifikant verbesserte Nachvollziehbarkeit von Prozessdaten,
- höhere Akzeptanz von digitalen Shopfloor-Systemen.
Fazit
Ein MES-Pilotprojekt ist kein Testlauf, sondern ein strategisches Instrument. Es verbindet Technologie mit betriebswirtschaftlicher Wirkung. Statt abstrakter Digitalisierungsziele entstehen Fakten: reale Kennzahlen, echte Einsparungen, klare Entscheidungsgrundlagen. So wird aus einem Pilotprojekt der Ausgangspunkt für eine skalierbare, datengestützte Produktionssteuerung im gesamten Unternehmen.
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