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MES-Funktionen nach VDI 5600: 8 Aufgaben mit Praxiszuordnung 2026

MES-Funktionen nach VDI 5600: 8 Aufgaben mit Praxiszuordnung 2026
Von Uwe Kobbert · Zuletzt aktualisiert: April 2026

TL;DR: Die VDI 5600 definiert 8 Aufgabenbereiche für ein Manufacturing Execution System (MES): Feinplanung, Feinsteuerung, Datenerfassung, Leistungsanalyse, Qualitätsmanagement, Betriebsmittelmanagement, Materialmanagement, Personalmanagement und Informationsmanagement. Zusammen bilden sie einen geschlossenen Regelkreis – jede Abweichung in einer Funktion wirkt sich auf alle anderen aus. Kein Unternehmen braucht alle 8 Funktionen am ersten Tag. Die Einführungsreihenfolge entscheidet über den ROI: Datenerfassung und Leistungsanalyse zuerst, Feinplanung und Qualität folgen, wenn die Datenbasis steht.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was definiert die VDI 5600?
  2. Alle 8 Funktionen auf einen Blick
  3. Feinplanung & Feinsteuerung
  4. Datenerfassung (BDE & MDE)
  5. Leistungsanalyse
  6. Qualitätsmanagement
  7. Betriebsmittelmanagement
  8. Materialmanagement
  9. Personalmanagement
  10. Informationsmanagement
  11. Wie die 8 Funktionen einen geschlossenen Regelkreis bilden
  12. Welche Funktion zuerst? Die Einführungsmatrix
  13. VDI 5600 → SYMESTIC-Modul-Zuordnung
  14. FAQ

Was definiert die VDI 5600?

Die VDI-Richtlinie 5600 der VDI/VDE-Gesellschaft für Mess- und Automatisierungstechnik standardisiert den Funktionsumfang von Manufacturing Execution Systems. Sie definiert 8 Aufgabenbereiche, die ein MES in der Fertigung abdecken soll, und beschreibt deren Schnittstellen zu ERP (Level 4) und Shopfloor (Level 0–2) gemäß ISA-95.

Die VDI 5600 ist der maßgebliche MES-Standard im deutschsprachigen Raum. International ergänzt die ISA-95 (IEC 62264) die Funktionsdefinition mit einem stärkeren Fokus auf Systemintegration. Beide Standards beschreiben dasselbe MES auf Level 3 der Automatisierungspyramide – die VDI 5600 aus der Funktionsperspektive, die ISA-95 aus der Integrationsperspektive.

Für den vollständigen MES-Überblick mit Definition, Architekturen, Kosten und Praxis: MES: Definition, Funktionen & Nutzen 2026.

Was die meisten VDI-5600-Erklärungen verschweigen: Die Richtlinie beschreibt was ein MES leisten soll – nicht in welcher Reihenfolge man die Funktionen einführt. In der Praxis ist die Einführungsreihenfolge aber der entscheidende Erfolgsfaktor. Unternehmen, die mit Feinplanung starten bevor eine belastbare Datenbasis existiert, scheitern systematisch. Die Einführungsmatrix weiter unten zeigt den praxiserprobten Weg.


Alle 8 Funktionen auf einen Blick

Die folgende Tabelle fasst alle 8 VDI-5600-Aufgabenbereiche zusammen: Was jede Funktion leistet, welche Daten sie verarbeitet, welchen messbaren Nutzen sie liefert und welche SYMESTIC-Module sie abdecken.

# Aufgabenbereich Kernaufgabe Typischer Nutzen SYMESTIC-Modul
1 Feinplanung & Feinsteuerung ERP-Grobplanung in ausführbare Aufträge übersetzen, Reihenfolge dynamisch optimieren 10–30 % weniger Rüstzeit, höhere Termintreue Fertigungssteuerung, Fertigungsfeinplanung
2 Datenerfassung (BDE/MDE) Maschinendaten (Taktzeiten, Stillstände) und Betriebsdaten (Aufträge, Personal) automatisch erfassen Datenbasis für alle anderen Funktionen, Eliminierung manueller Erfassung MDE, BDE, OPC-UA Cloud Connector, IoT-Gateway
3 Leistungsanalyse OEE, Verfügbarkeit, Leistung, Qualität in Echtzeit berechnen und visualisieren 5–15 % OEE-Verbesserung, Verluste erstmals sichtbar Produktionskennzahlen, Dashboards, AI-Assistent
4 Qualitätsmanagement Inline-Qualitätsüberwachung, SPC, Prüfplanung, Traceability 5–15 % weniger Ausschuss, lückenlose Rückverfolgbarkeit Qualitätsmodul, Prozessdaten
5 Betriebsmittelmanagement Maschinen, Werkzeuge, Prüfmittel verwalten, Verfügbarkeit maximieren 5–10 % weniger ungeplante Ausfälle Instandhaltungsmanagement, Maschinenalarme
6 Materialmanagement Materialbereitstellung, WIP-Verfolgung, Chargenverfolgung Kürzere Durchlaufzeiten, geringere Bestände, Chargen-Traceability Fertigungssteuerung, ERP-Schnittstelle
7 Personalmanagement Personalzuordnung, Qualifikationsabgleich, auftragsbezogene Zeiterfassung Richtige Person an richtiger Maschine, Nachkalkulation Personal / Headcount
8 Informationsmanagement Dashboards, digitale Arbeitsanweisungen, Schichtbuch, ERP-Integration Alle Ebenen arbeiten mit derselben Datenbasis Dashboards, Shopfloor Dokumente, Schichtbuch, REST-API

Was leistet die Feinplanung & Feinsteuerung?

Die Feinplanung übersetzt die Grobplanung des ERP in konkrete, ausführbare Aufträge auf dem Shopfloor. Während das ERP vorgibt, was produziert wird (Produkt, Menge, Termin), berechnet das MES wie produziert wird: Reihenfolge, Maschine, Werkzeug, Personal – in Echtzeit.

Reihenfolgeoptimierung

Das MES ordnet Aufträge so an, dass Rüstwechsel minimiert werden. Drei Aufträge mit demselben Werkzeug werden hintereinander geplant statt zwischen Rüstvorgängen verteilt. In der Praxis spart das 10–30 % Rüstzeit. Bei Klocke führte die optimierte Auftragsreihenfolge zu 12 % mehr Ausbringung und 7 zusätzlichen Produktionsstunden pro Woche.

Echtzeit-Reaktion auf Störungen

Wenn eine Maschine ungeplant ausfällt, plant das MES die betroffenen Aufträge automatisch um – auf eine alternative Maschine oder eine spätere Schicht. ERP erfährt davon erst über die verspätete Rückmeldung. Das MES weiß es in Sekunden.

Engpass-Erkennung

Die Feinplanung identifiziert Bottleneck-Maschinen in Echtzeit. Wenn eine Anlage die Auslastungsgrenze erreicht, zeigt das MES dies und schlägt Maßnahmen vor: Schichtverlängerung, Auftragsverlagerung, Priorisierung.

Abgrenzung: ERP plant in Tagen und Wochen. MES plant in Stunden und Minuten. ERP kennt keine Maschinenzustände. Diese Abgrenzung ist so fundamental, dass wir ihr einen eigenen Artikel gewidmet haben:
MES vs. ERP.


Was leistet die Datenerfassung (BDE & MDE)?

Die Datenerfassung ist das Fundament aller anderen MES-Funktionen. Ohne automatische Erfassung von Maschinendaten (MDE) und Betriebsdaten (BDE) gibt es keine OEE, keine Stillstandsanalyse, keine Auftragsrückmeldung und keine Qualitätsdokumentation.

Maschinendatenerfassung (MDE)

MDE erfasst technische Daten direkt an der Maschine: Laufzeiten, Stillstände, Zykluszeiten, Stückzahlen, Prozessparameter (Temperatur, Druck, Drehmoment), Energieverbräuche. Die Erfassung erfolgt automatisch – über OPC UA bei modernen Steuerungen, über IoT-Gateways mit digitalen Signalen bei Brownfield-Anlagen.

Betriebsdatenerfassung (BDE)

BDE erweitert den Scope um organisatorische Daten: Auftragszuordnungen, Personalzeiten, Rüstzeiten pro Auftrag, Start-/Endzeiten von Arbeitsgängen, Qualitätsrückmeldungen, Ausschussgründe. BDE verknüpft die Maschinendaten mit dem Auftrag – so entsteht ein vollständiges Bild des Produktionsprozesses.

Wie die Daten ins MES gelangen

Erfassungsweg Datentypen SYMESTIC-Anbindung
Automatisch Maschinenzustände, Zykluszeiten, Stückzahlen, Prozessparameter OPC-UA Cloud Connector, MQTT, digitale I/O über Edge-Gateways
Semi-automatisch Auftragsanmeldung, Ausschussgründe, Qualitätsbewertungen Shopfloor-Clients, Smartphone MES App
Aus Drittsystemen Fertigungsaufträge, Stammdaten, Materialbestände REST-API (bidirektional: SAP, Infor, proAlpha, Navision)

Praxis-Erkenntnis aus 15.000+ Anbindungen: Manuelle OEE-Werte weichen typischerweise 8–12 Prozentpunkte von automatisch gemessenen Werten ab. In den ersten 1–2 Wochen nach der ersten automatischen Erfassung sinkt der angezeigte OEE-Wert sogar um 15–20 Prozentpunkte – nicht weil die Produktion schlechter wird, sondern weil erstmals korrekt gemessen wird. Dieser „OEE-Drop" ist das stärkste Signal dafür, dass die Datenerfassung funktioniert: Reale Verluste werden erstmals sichtbar.


Was leistet die Leistungsanalyse?

Die Leistungsanalyse berechnet Produktionskennzahlen wie OEE (Overall Equipment Effectiveness), Verfügbarkeit, Leistung und Qualität in Echtzeit. Sie ist die Funktion, die aus Rohdaten steuerungsrelevante Kennzahlen macht – die Grundlage für Shopfloor Management und strategische Verbesserungsprogramme (KVP, Lean, Six Sigma).

Was die Leistungsanalyse zeigt

  • OEE-Faktor Verfügbarkeit: Wie viel der geplanten Zeit war die Maschine tatsächlich produktiv? Stillstände, Rüstzeiten, Störungen reduzieren diesen Faktor.
  • OEE-Faktor Leistung: Läuft die Maschine mit Soll-Geschwindigkeit? Taktzeit-Verluste, Mikrostopps und reduzierte Geschwindigkeit senken diesen Faktor.
  • OEE-Faktor Qualität: Wie viele produzierte Teile sind gut? Ausschuss und Nacharbeit senken diesen Faktor.
  • Stillstandsanalyse: Pareto-Darstellung der häufigsten Stillstandsursachen – sortiert nach Dauer, Häufigkeit oder Kosten.

Bei Neoperl identifizierte die Leistungsanalyse vier SPS-Alarmcodes, die 80 % aller Anlagenstopps verursachten. Nach gezielter Beseitigung sanken die technischen Stillstände um 25 %.

Bei Meleghy Automotive liefert die standortübergreifende Leistungsanalyse vergleichbare OEE-Daten über 6 Werke – die Basis für Best-Practice-Transfer zwischen den Standorten.


Was leistet das Qualitätsmanagement?

Das Qualitätsmanagement im MES stellt sicher, dass Produktqualität nicht erst am Linienende geprüft, sondern prozessbegleitend in Echtzeit überwacht und dokumentiert wird. Für Branchen mit Rückverfolgbarkeitspflichten (Automotive, Lebensmittel, Pharma-Verpackung) ist diese Funktion nicht optional, sondern Lieferantenvoraussetzung.

Inline-Qualitätsüberwachung & SPC

Das MES erfasst qualitätsrelevante Prozessparameter in Echtzeit. Regelkarten (SPC) überwachen die Prozessstabilität, berechnen Cp/Cpk automatisch und erkennen Trendabweichungen, bevor Ausschuss entsteht. Neoperl erzielte 15 % weniger Ausschuss durch Korrelation von SPS-Alarmen mit Qualitätsdefekten.

Traceability & Rückverfolgbarkeit

Jedes Teil oder jede Charge wird lückenlos dokumentiert: Maschine, Bediener, Prozessparameter, Material (Chargennummer), Prüfergebnisse. Bei einem Qualitätsproblem kann der Fehler in Minuten bis zur Ursache zurückverfolgt werden.

Prüfplanung

Das MES steuert, wann welche Prüfungen fällig sind: Erstmusterprüfung, stichprobenartige Zwischenprüfungen, 100-%-Prüfung bei sicherheitskritischen Teilen. Bei Meleghy triggert die bidirektionale Anbindung an CASQ-it (Böhme & Weihs) automatisch Stichproben.


Was leistet das Betriebsmittelmanagement?

Das Betriebsmittelmanagement verwaltet Maschinen, Werkzeuge und Prüfmittel mit dem Ziel, ungeplante Ausfälle zu minimieren. In Kombination mit Echtzeit-Maschinendaten wird es zur Grundlage für zustandsbasierte und vorausschauende Instandhaltung.

Maschinenmanagement

Digitales Abbild jeder Maschine: Standort, Zustand, Betriebsstunden, Wartungshistorie, Qualifikation (welche Produkte auf welcher Maschine). Die Feinplanung nutzt diese Daten, um Aufträge nur auf geeignete und verfügbare Maschinen zu planen.

Werkzeugmanagement

Standzeiten werden überwacht, Werkzeugwechsel rechtzeitig gemeldet – bevor Qualitätsprobleme auftreten. Werkzeuglagerorte und Zuordnung zu Maschinen werden zentral verwaltet.

Instandhaltungsanbindung

Das MES liefert Betriebsstunden, Schaltspiele, Störungshistorie und Vibrationstrends. Von kalenderbasierter Wartung (alle 3 Monate) zu zustandsbasierter Wartung (wenn die Daten eine Veränderung zeigen) – die Datenbasis für diesen Wechsel kommt aus dem MES.


Was leistet das Materialmanagement?

Das Materialmanagement stellt sicher, dass das richtige Material zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar ist. Es verwaltet WIP (Work-in-Progress) in Echtzeit und ermöglicht lückenlose Chargenverfolgung.

  • Materialbereitstellung: Das MES berechnet Materialbedarf pro Maschine und Zeitfenster aus den geplanten Aufträgen. Wird umgeplant, passt sich die Bereitstellung automatisch an.
  • WIP-Verfolgung: Wo befindet sich welches Material im Prozess? Wo staut sich Bestand? Diese Transparenz verkürzt Durchlaufzeiten und reduziert Bestände.
  • Chargenverfolgung: In regulierten Branchen Pflicht – jede Charge mit eingesetzten Materialien, Prozessparametern und Prüfergebnissen dokumentiert.
  • Soll-Ist-Verbrauchsanalyse: Systematischer Mehrverbrauch wird sichtbar – als Grundlage für Prozessverbesserungen.

Was leistet das Personalmanagement?

Das Personalmanagement ordnet Mitarbeitende Maschinen und Aufträgen zu – unter Berücksichtigung von Qualifikationen, Verfügbarkeit und Schichtmodell. Es verhindert, dass Aufträge auf Maschinen geplant werden, für die kein qualifiziertes Personal verfügbar ist.

  • Qualifikationsmatrix: Welcher Mitarbeitende ist für welche Maschine, welches Produkt, welchen Prozess qualifiziert? Ablaufende Zertifizierungen werden automatisch gemeldet.
  • Auftragsbezogene Zeiterfassung: Wie viel Zeit hat Person X für Auftrag Y aufgewendet? Grundlage für Nachkalkulation und verursachungsgerechte Kostenrechnung.
  • Leistungsvergleich: Gefertigte Stückzahlen pro Zeiteinheit ermöglichen objektive Produktivitätsvergleiche zwischen Schichten – nicht zur Überwachung, sondern zur Identifikation von Best Practices.

Was leistet das Informationsmanagement?

Das Informationsmanagement ist die Querschnittsfunktion, die alle anderen MES-Funktionen verbindet. Es stellt sicher, dass die richtigen Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar sind – vom Werker am Terminal bis zum COO im Management-Dashboard.

Dashboards & Reporting

Echtzeitdaten aus allen Funktionen werden in konfigurierbaren, rollenbasierten Dashboards zusammengeführt. Bei SYMESTIC: No-Code-Editor, unbegrenzte Dashboards, unbegrenzte Benutzer, Smartphone MES App.

Digitale Arbeitsanweisungen & Schichtbuch

Werker erhalten am Terminal die aktuelle Anweisung für den laufenden Auftrag. Schichtübergaben werden digital dokumentiert – offene Probleme, laufende Maßnahmen, besondere Vorkommnisse. Bei Schmiedetechnik Plettenberg ersetzte das digitale Schichtbuch handgeschriebene Übergabe-Notizen vollständig.

ERP-Integration (ISA-95)

Das Informationsmanagement steuert den bidirektionalen Datenaustausch mit dem ERP. Aufträge kommen vom ERP, Rückmeldungen (Mengen, Zeiten, Qualität) gehen zurück. Bei Meleghy über ABAP IDoc an SAP R3. Bei Schmiedetechnik Plettenberg an InforCOM. Bei Klocke über Dateischnittstelle an Navision. ISA-95 (IEC 62264) definiert diese Schnittstelle als Standard.


Wie die 8 Funktionen einen geschlossenen Regelkreis bilden

Die 8 VDI-5600-Funktionen sind keine isolierten Module – sie bilden einen geschlossenen Regelkreis, der in Echtzeit läuft. Jede Abweichung in einer Funktion wirkt sich auf alle anderen aus.

Der Regelkreis in einem Satz: Feinplanung erzeugt Aufträge → Datenerfassung meldet den Fortschritt → Leistungsanalyse bewertet die Ergebnisse → Qualitätsmanagement prüft die Güte → Betriebsmittelmanagement sichert die Verfügbarkeit → Materialmanagement liefert das Material → Personalmanagement ordnet die Mitarbeitenden zu → Informationsmanagement macht alles sichtbar → Feinplanung reagiert auf Abweichungen.

Konkretes Beispiel: Ungeplanter Maschinenstillstand

Eine Presse fällt ungeplant aus. Was passiert im Regelkreis?

  1. Datenerfassung erkennt den Stillstand in Echtzeit (Maschinensignal wechselt auf „Störung")
  2. Leistungsanalyse aktualisiert OEE und Verfügbarkeit sofort auf dem Dashboard
  3. Informationsmanagement eskaliert: Alarm an Instandhaltung, Benachrichtigung an Schichtführer
  4. Betriebsmittelmanagement dokumentiert die Störung in der Maschinenhistorie
  5. Feinplanung plant die betroffenen Aufträge automatisch auf eine Alternativmaschine um
  6. Materialmanagement passt die Bereitstellung an den neuen Ablauf an
  7. Personalmanagement prüft, ob der Bediener für die Alternativmaschine qualifiziert ist
  8. Qualitätsmanagement überprüft, ob die Alternativmaschine die Qualitätsanforderungen erfüllt

Dieser Ablauf dauert Sekunden bis Minuten. Ohne MES dauert derselbe Prozess Stunden – weil jede Information manuell kommuniziert, jede Entscheidung manuell getroffen und jede Anpassung manuell umgesetzt werden muss.


Welche Funktion zuerst? Die Einführungsmatrix

Die VDI 5600 beschreibt was ein MES leisten soll – nicht in welcher Reihenfolge man die Funktionen einführt. Aus über 15.000 Maschinenanbindungen zeigt sich ein klares Muster: Unternehmen, die mit Datenerfassung und Leistungsanalyse starten, erzielen schneller ROI als solche, die mit Feinplanung oder Qualitätsmanagement beginnen. Der Grund: Ohne belastbare Datenbasis fehlt jeder weiteren Funktion das Fundament.

Phase VDI-5600-Funktionen Zeitrahmen (SYMESTIC) Erwarteter Effekt
1. Fundament Datenerfassung (BDE/MDE) + Leistungsanalyse + Informationsmanagement < 1 Monat (10 Maschinen) Echtzeittransparenz, OEE-Baseline, Verluste erstmals sichtbar
2. Steuerung Feinplanung & Feinsteuerung + Betriebsmittelmanagement Monat 2–4 Auftragssteuerung, Rüstoptimierung, Instandhaltungsanbindung
3. Absicherung Qualitätsmanagement + Materialmanagement Monat 3–6 SPC, Traceability, WIP-Reduktion
4. Optimierung Personalmanagement + erweiterte Analysen (KI, Energiemonitoring) Ab Monat 6 Qualifikationsabgleich, Nachkalkulation, Predictive-Ansätze

Der häufigste Fehler: Mit Feinplanung starten, bevor die Datenerfassung steht. Das führt dazu, dass Aufträge auf Basis von Schätzungen geplant werden – nicht auf Basis realer Maschinenzustände. Die Feinplanung trifft dann Entscheidungen auf falscher Grundlage. Ergebnis: Das System produziert Pläne, die niemand vertraut, und das Team kehrt zu Excel zurück. → Immer zuerst: Datenerfassung + Leistungsanalyse. Für den vollständigen Implementierungsleitfaden: MES-Einführung: Vom Piloten zum Rollout.


VDI 5600 → SYMESTIC-Modul-Zuordnung

SYMESTIC deckt alle 8 VDI-5600-Aufgabenbereiche als cloud-native, modular erweiterbare Plattform ab. Die folgende Tabelle zeigt die Zuordnung jeder VDI-Funktion zum konkreten SYMESTIC-Modul – mit der jeweiligen Paket-Verfügbarkeit.

VDI-5600-Funktion SYMESTIC-Modul Verfügbar ab Paket
Datenerfassung (MDE/BDE) MDE, BDE, OPC-UA Cloud Connector Segmente (Einstieg)
Leistungsanalyse Produktionskennzahlen, AI-Assistent, Dashboards Starterpaket
Informationsmanagement Dashboards, Shopfloor Dokumente, Schichtbuch, Smartphone App Starterpaket
Feinplanung & Feinsteuerung Fertigungssteuerung, Fertigungsfeinplanung Erweiterungsmodul
Qualitätsmanagement Qualitätsmodul, Prozessdaten Erweiterungsmodul
Betriebsmittelmanagement Instandhaltungsmanagement, Maschinenalarme Alarme-Paket / Erweiterung
Materialmanagement Fertigungssteuerung, ERP-Schnittstelle (REST-API) Schnittstellen-Paket
Personalmanagement Personal / Headcount Erweiterungsmodul

→ Alle Module und Preise konfigurieren


FAQ zu MES-Funktionen nach VDI 5600

Was sind die Kernfunktionen eines MES nach VDI 5600?
Die VDI 5600 definiert 8 Aufgabenbereiche: Feinplanung und Feinsteuerung, Datenerfassung (BDE/MDE), Leistungsanalyse, Qualitätsmanagement, Betriebsmittelmanagement, Materialmanagement, Personalmanagement und Informationsmanagement. Zusammen bilden sie einen geschlossenen Regelkreis für die Echtzeitsteuerung der Fertigung.

Was ist der Unterschied zwischen MES-Feinplanung und ERP-Planung?
ERP plant in Tagen und Wochen auf Basis von Aufträgen und Kapazitäten. MES-Feinplanung plant in Stunden und Minuten auf Basis von Echtzeit-Maschinenzuständen, Personalverfügbarkeit und Materialbereitstellung. Das MES reagiert auf ungeplante Ereignisse in Echtzeit – das ERP erfährt davon erst über die Rückmeldung. Mehr dazu: MES vs. ERP.

Braucht ein MES alle 8 Funktionen von Anfang an?
Nein. Der typische Einstieg ist Datenerfassung (MDE/BDE) + Leistungsanalyse (OEE) + Informationsmanagement (Dashboards). Feinplanung, Qualitäts- und Materialmanagement werden aktiviert, wenn der Bedarf wächst. Cloud-native MES-Plattformen ermöglichen diesen schrittweisen Ausbau ohne Systemwechsel. Die Einführungsmatrix zeigt die praxiserprobte Reihenfolge.

Was bedeutet VDI 5600?
VDI 5600 ist die Richtlinie der VDI/VDE-Gesellschaft für Mess- und Automatisierungstechnik, die den Funktionsumfang von Manufacturing Execution Systems standardisiert. International ergänzt die ISA-95 (IEC 62264) den Standard mit Fokus auf Systemintegration.

Was ist der Unterschied zwischen VDI 5600 und ISA-95?
Beide beschreiben das MES auf Level 3 der Automatisierungspyramide. Die VDI 5600 definiert die 8 Funktionen (was das MES tut). Die ISA-95 definiert die Schnittstellen (wie das MES mit ERP und Shopfloor kommuniziert). In der Praxis ergänzen sie sich: VDI 5600 für den Funktionsumfang, ISA-95 für die Integration.

Wie hängen die 8 Funktionen zusammen?
Sie bilden einen geschlossenen Regelkreis: Feinplanung erzeugt Aufträge → Datenerfassung meldet Fortschritt → Leistungsanalyse bewertet Ergebnisse → alle anderen Funktionen reagieren auf Abweichungen → Feinplanung passt an. Das Regelkreis-Beispiel zeigt den Ablauf bei einem ungeplanten Maschinenstillstand.


Das Wichtigste: Die VDI 5600 definiert 8 Funktionen – aber die Einführungsreihenfolge entscheidet über Erfolg oder Scheitern. Immer zuerst: Datenerfassung + Leistungsanalyse. Alles andere baut darauf auf.

→ MES-Grundlagen vertiefen · → Einführungsleitfaden · → Module & Preise ansehen

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Uwe Kobbert
Über den Autor:
Uwe Kobbert
Gründer und CEO der symestic GmbH. Seit über 30 Jahren in der Fertigungsindustrie. Dipl.-Ing. Nachrichtentechnik/Elektronik.
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