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Betriebszeit: Definition, OEE-Zeitstruktur und Berechnung

Was ist Betriebszeit?

Die Betriebszeit (englisch: Operating Time) ist die Zeit, in der eine Maschine oder Anlage tatsächlich produziert. Sie ergibt sich aus der geplanten Produktionszeit abzüglich aller Stillstände, ob geplant (Rüsten, geplante Wartung) oder ungeplant (Störungen, Materialwarten, organisatorische Stopps).

In der OEE-Systematik ist die Betriebszeit der Ausgangspunkt für die Berechnung des Verfügbarkeitsfaktors. Sie beantwortet eine einfache Frage: Wie viele Minuten der geplanten Schicht hat die Maschine tatsächlich produziert? Die Differenz zwischen geplanter Produktionszeit und Betriebszeit sind die Verfügbarkeitsverluste.


Betriebszeit in der OEE-Zeitkaskade: Die fünf Zeitebenen

Betriebszeit existiert nicht isoliert. Sie ist eine von fünf Zeitebenen, die in der OEE-Methodik aufeinander aufbauen. Jede Ebene entsteht durch Abzug einer bestimmten Verlustgruppe von der darüberliegenden Ebene.

Zeitebene Definition Abzug Beispiel (Doppelschicht)
Kalenderzeit Gesamte verfügbare Zeit (24h/365d) Keine 1.440 Min./Tag
Geplante Produktionszeit Zeit, in der die Maschine planmäßig produzieren soll Geplante Nicht-Produktionszeit (Wochenende, Feiertage, produktionsfreie Schichten) 960 Min. (2 Schichten à 8h)
Betriebszeit Zeit, in der die Maschine tatsächlich produziert Stillstände (Rüsten, Störungen, Materialwarten, organisatorische Stopps) 780 Min.
Nettobetriebszeit Betriebszeit bereinigt um Geschwindigkeitsverluste Taktzeitverluste, verlangsamter Lauf, Mikrostillstände 710 Min.
Wertschöpfende Zeit Zeit, die tatsächlich Gutteile produziert hat Qualitätsverluste (Ausschuss, Nacharbeit, Anlaufteile) 690 Min.

Der Verfügbarkeitsfaktor der OEE berechnet sich aus dem Verhältnis von Betriebszeit zu geplanter Produktionszeit: 780 / 960 = 81,3 %. Die Betriebszeit selbst wird dabei nicht in Prozent angegeben, sondern in Minuten oder Stunden. Das ist ein häufiger Fehler: Betriebszeit ist eine absolute Zeitgröße. Die Prozentzahl, die sich aus dem Verhältnis zur geplanten Produktionszeit ergibt, ist die Verfügbarkeit.


Betriebszeit berechnen: Rechenbeispiel mit Stillstandsaufschlüsselung

Eine CNC-Fräsmaschine ist für eine Doppelschicht geplant (960 Minuten geplante Produktionszeit). Während des Tages treten folgende Stillstände auf:

Stillstandsart Dauer Kategorie
Werkzeugwechsel und Einfahren (3 Aufträge) 75 Min. Rüsten
Spindelstörung 40 Min. Technische Störung
Rohmaterial nicht rechtzeitig bereitgestellt 30 Min. Organisatorischer Stillstand
Schichtwechsel-Übergabe 20 Min. Organisatorischer Stillstand
6 Mikrostillstände à 2-3 Min. 15 Min. Mikrostillstände

Gesamte Stillstandszeit: 180 Minuten

Betriebszeit: 960 - 180 = 780 Minuten

Verfügbarkeit: 780 / 960 = 81,3 %

Die Aufschlüsselung zeigt, wo die 180 verlorenen Minuten liegen: 75 Min. Rüsten (42 % der Verluste), 40 Min. technische Störung (22 %), 50 Min. organisatorische Stillstände (28 %), 15 Min. Mikrostillstände (8 %). Der größte Hebel liegt beim Rüsten, nicht bei der Instandhaltung. Ohne die Aufschlüsselung hätte die Standardreaktion "mehr vorbeugende Wartung" nur 22 % der Verluste adressiert.


Betriebszeit vs. Laufzeit vs. Produktionszeit: Drei Begriffe, drei Bedeutungen

In der Praxis werden Betriebszeit, Laufzeit und Produktionszeit häufig synonym verwendet. Das führt zu Missverständnissen, weil jeder Begriff in der OEE-Systematik eine andere Bedeutung hat.

Begriff Definition Enthält Rüstzeiten? Enthält Stillstände?
Geplante Produktionszeit Zeit, in der die Maschine planmäßig laufen soll (Schichtmodell abzüglich geplanter Nicht-Produktionszeit) Ja (als Teil der geplanten Zeit) Ja (als Teil der geplanten Zeit)
Betriebszeit (Operating Time) Geplante Produktionszeit minus alle Stillstände Nein (abgezogen) Nein (abgezogen)
Laufzeit (Run Time) Oft synonym mit Betriebszeit verwendet, manchmal enger definiert als Zeit, in der die Maschine physisch in Bewegung ist Nein Nein
Maschinenlaufzeit Technischer Begriff: Die Zeit, in der die SPS den Zustand "Produktion" meldet Nein Nein

Der entscheidende Punkt: Wenn jemand sagt "die Maschine hat heute 8 Stunden Betriebszeit gehabt", kann das drei verschiedene Dinge bedeuten. Entweder: Die Maschine war 8 Stunden eingeplant (geplante Produktionszeit). Oder: Die Maschine hat 8 Stunden tatsächlich produziert (Betriebszeit im OEE-Sinn). Oder: Die SPS hat 8 Stunden lang den Zustand "läuft" gemeldet (Maschinenlaufzeit). Die Differenz zwischen diesen drei Werten kann bei einer typischen Anlage 60 bis 120 Minuten pro Schicht betragen.


Warum manuelle Betriebszeiterfassung systematisch falsch ist

Bei manueller Erfassung notiert der Bediener am Schichtende die großen Stillstände: "45 Minuten Rüsten, 20 Minuten Störung". Mikrostillstände, kurze Materialwartezeiten und Schichtwechsel-Verluste fallen weg. Das Ergebnis: Die manuell gemeldete Betriebszeit liegt typischerweise 10 bis 20 % über dem tatsächlichen Wert, weil die kurzen Stillstände unsichtbar bleiben.

Automatische Maschinendatenerfassung über SPS-Signale, OPC-UA oder digitale I/O ändert das grundlegend. Die Maschine meldet ihren Zustand selbst: läuft, steht, rüstet, Störung. Jede Sekunde wird erfasst und einem Zustand zugeordnet. Die Betriebszeit ergibt sich automatisch aus der Summe aller Sekunden im Zustand "Produktion".

Bei einem Automobilzulieferer (Spritzguss-, Kaltschäum- und Stanzprozesse) hat die automatische Erfassung über 500+ Anlagen in mehreren Werken innerhalb von 6 Monaten eine Differenz von durchschnittlich 14 % zwischen manuell gemeldeter und tatsächlich gemessener Betriebszeit aufgedeckt. 14 % klingt wenig, aber bei einer Anlage mit 2 Mio. Euro Jahresoutput entspricht das 280.000 Euro ungenutztem Produktionspotenzial, das vorher nicht sichtbar war. Das Ergebnis nach 6 Monaten: 4 % weniger Stillstandszeiten, 3 % höhere Ausbringung, 8 % bessere Verfügbarkeit.

Bei einem Pharma-Verpackungsbetrieb (Blister, Sachets, Ampullen) wurden alle Verpackungslinien innerhalb von 3 Wochen angebunden. Die automatische Erfassung von Stückzahlen und Stillständen zeigte, dass die tatsächliche Betriebszeit pro Linie durchschnittlich 55 Minuten pro Schicht unter dem lag, was die Schichtprotokolle auswiesen. Das Ergebnis: 12 % höhere Ausbringung und 8 % bessere Verfügbarkeit, weil die verlorenen 55 Minuten pro Schicht erstmals sichtbar und adressierbar waren.


Betriebszeit und Maschinenverfügbarkeit: Wie beide zusammenhängen

Die Maschinenverfügbarkeit (Availability) ist das Verhältnis von Betriebszeit zu geplanter Produktionszeit, ausgedrückt in Prozent. Die Betriebszeit ist also die Eingangsgröße, die Verfügbarkeit die daraus abgeleitete Kennzahl.

Verfügbarkeit (%) = Betriebszeit / Geplante Produktionszeit x 100

Wenn die Betriebszeit steigt, steigt automatisch die Verfügbarkeit. Und weil die Verfügbarkeit der erste Faktor in der OEE-Multiplikation ist (Verfügbarkeit x Leistung x Qualität) und in der Praxis fast immer der niedrigste der drei Faktoren, hat jede Minute zusätzlicher Betriebszeit einen überproportionalen Effekt auf die Gesamt-OEE.

Ein Beispiel: Eine Anlage mit 78 % Verfügbarkeit, 92 % Leistung und 97 % Qualität hat eine OEE von 69,7 %. Wenn die Betriebszeit um 48 Minuten pro Schicht steigt (von 749 auf 797 Minuten bei 960 Minuten geplanter Produktionszeit), steigt die Verfügbarkeit auf 83 %. Die OEE steigt auf 74,1 %. Diese 48 Minuten mehr Betriebszeit bedeuten 4,4 Prozentpunkte mehr OEE.


Häufige Fragen zur Betriebszeit

Was ist der Unterschied zwischen Betriebszeit und geplanter Produktionszeit?
Die geplante Produktionszeit ist die Zeit, in der die Maschine planmäßig produzieren soll (z. B. 960 Minuten in einer Doppelschicht). Die Betriebszeit ist die geplante Produktionszeit abzüglich aller Stillstände. Die Differenz sind die Verfügbarkeitsverluste.

Ist Betriebszeit eine Prozentzahl oder eine absolute Zeit?
Die Betriebszeit ist eine absolute Zeitgröße, angegeben in Minuten oder Stunden. Die Prozentzahl, die sich aus dem Verhältnis von Betriebszeit zu geplanter Produktionszeit ergibt, ist die Verfügbarkeit, nicht die Betriebszeit.

Warum ist die manuell gemeldete Betriebszeit höher als die tatsächliche?
Weil bei manueller Erfassung Mikrostillstände (unter 2-3 Minuten), kurze Wartezeiten und Schichtwechsel-Verluste nicht dokumentiert werden. Automatische Betriebsdatenerfassung deckt typischerweise 10 bis 20 % mehr Stillstände auf als manuelle Schichtprotokolle.

Wie hängt Betriebszeit mit OEE zusammen?
Die Betriebszeit ist der Eingangswert für den Verfügbarkeitsfaktor der OEE. Verfügbarkeit = Betriebszeit / Geplante Produktionszeit. Da die Verfügbarkeit in der Praxis fast immer der niedrigste OEE-Faktor ist, hat jede zusätzliche Minute Betriebszeit einen überproportionalen Effekt auf die Gesamt-OEE.

Wie wird Betriebszeit automatisch erfasst?
Über SPS-Signale, OPC-UA oder digitale I/O meldet die Maschine ihren Zustand sekundengenau: Produktion, Stillstand, Rüsten, Störung. Die Betriebszeit ergibt sich automatisch aus der Summe aller Sekunden im Zustand "Produktion".

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