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Betriebszeit: Definition, OEE-Zeitstruktur und Berechnung

Christian Fieg Head of Sales

Veröffentlicht November 2024Überarbeitet Juni 20266 Min. Lesezeit

Lernpfad Schritt 1 von 4
Inhalt
    Von Christian Fieg · Zuletzt aktualisiert: Juni 2026

    Was ist Betriebszeit?

    Die Betriebszeit (englisch: Operating Time) ist die Zeit, in der eine Maschine oder Anlage tatsächlich produziert. Sie ergibt sich aus der geplanten Produktionszeit abzüglich aller Stillstände, ob geplant (Rüsten, geplante Wartung) oder ungeplant (Störungen, Materialwarten, organisatorische Stopps).

    In der OEE-Systematik ist die Betriebszeit der Ausgangspunkt für die Berechnung des Verfügbarkeitsfaktors. Sie beantwortet eine einfache Frage: Wie viele Minuten der geplanten Schicht hat die Maschine tatsächlich produziert? Die Differenz zwischen geplanter Produktionszeit und Betriebszeit sind die Verfügbarkeitsverluste.


    Betriebszeit in der OEE-Zeitkaskade: Die fünf Zeitebenen

    Betriebszeit existiert nicht isoliert. Sie ist eine von fünf Zeitebenen, die in der OEE-Methodik aufeinander aufbauen. Jede Ebene entsteht durch Abzug einer bestimmten Verlustgruppe von der darüberliegenden Ebene.

    Zeitebene Definition Abzug Beispiel (Doppelschicht)
    Kalenderzeit Gesamte verfügbare Zeit (24h/365d) Keine 1.440 Min./Tag
    Geplante Produktionszeit Zeit, in der die Maschine planmäßig produzieren soll Geplante Nicht-Produktionszeit (Wochenende, Feiertage, produktionsfreie Schichten) 960 Min. (2 Schichten à 8h)
    Betriebszeit Zeit, in der die Maschine tatsächlich produziert Stillstände (Rüsten, Störungen, Materialwarten, organisatorische Stopps) 780 Min.
    Nettobetriebszeit Betriebszeit bereinigt um Geschwindigkeitsverluste Taktzeitverluste, verlangsamter Lauf, Mikrostillstände 710 Min.
    Wertschöpfende Zeit Zeit, die tatsächlich Gutteile produziert hat Qualitätsverluste (Ausschuss, Nacharbeit, Anlaufteile) 690 Min.

    Der Verfügbarkeitsfaktor der OEE berechnet sich aus dem Verhältnis von Betriebszeit zu geplanter Produktionszeit: 780 / 960 = 81,3 %. Die Betriebszeit selbst wird dabei nicht in Prozent angegeben, sondern in Minuten oder Stunden. Das ist ein häufiger Fehler: Betriebszeit ist eine absolute Zeitgröße. Die Prozentzahl, die sich aus dem Verhältnis zur geplanten Produktionszeit ergibt, ist die Verfügbarkeit.


    Betriebszeit berechnen: Rechenbeispiel mit Stillstandsaufschlüsselung

    Eine CNC-Fräsmaschine ist für eine Doppelschicht geplant (960 Minuten geplante Produktionszeit). Während des Tages treten folgende Stillstände auf:

    Stillstandsart Dauer Kategorie
    Werkzeugwechsel und Einfahren (3 Aufträge) 75 Min. Rüsten
    Spindelstörung 40 Min. Technische Störung
    Rohmaterial nicht rechtzeitig bereitgestellt 30 Min. Organisatorischer Stillstand
    Schichtwechsel-Übergabe 20 Min. Organisatorischer Stillstand
    6 Mikrostillstände à 2-3 Min. 15 Min. Mikrostillstände

    Gesamte Stillstandszeit: 180 Minuten

    Betriebszeit: 960 - 180 = 780 Minuten

    Verfügbarkeit: 780 / 960 = 81,3 %

    Die Aufschlüsselung zeigt, wo die 180 verlorenen Minuten liegen: 75 Min. Rüsten (42 % der Verluste), 40 Min. technische Störung (22 %), 50 Min. organisatorische Stillstände (28 %), 15 Min. Mikrostillstände (8 %). Der größte Hebel liegt beim Rüsten, nicht bei der Instandhaltung. Ohne die Aufschlüsselung hätte die Standardreaktion "mehr vorbeugende Wartung" nur 22 % der Verluste adressiert.


    Betriebszeit vs. Laufzeit vs. Produktionszeit: Drei Begriffe, drei Bedeutungen

    In der Praxis werden Betriebszeit, Laufzeit und Produktionszeit häufig synonym verwendet. Das führt zu Missverständnissen, weil jeder Begriff in der OEE-Systematik eine andere Bedeutung hat.

    Begriff Definition Enthält Rüstzeiten? Enthält Stillstände?
    Geplante Produktionszeit Zeit, in der die Maschine planmäßig laufen soll (Schichtmodell abzüglich geplanter Nicht-Produktionszeit) Ja (als Teil der geplanten Zeit) Ja (als Teil der geplanten Zeit)
    Betriebszeit (Operating Time) Geplante Produktionszeit minus alle Stillstände Nein (abgezogen) Nein (abgezogen)
    Laufzeit (Run Time) Oft synonym mit Betriebszeit verwendet, manchmal enger definiert als Zeit, in der die Maschine physisch in Bewegung ist Nein Nein
    Maschinenlaufzeit Technischer Begriff: Die Zeit, in der die SPS den Zustand "Produktion" meldet Nein Nein

    Der entscheidende Punkt: Wenn jemand sagt "die Maschine hat heute 8 Stunden Betriebszeit gehabt", kann das drei verschiedene Dinge bedeuten. Entweder: Die Maschine war 8 Stunden eingeplant (geplante Produktionszeit). Oder: Die Maschine hat 8 Stunden tatsächlich produziert (Betriebszeit im OEE-Sinn). Oder: Die SPS hat 8 Stunden lang den Zustand "läuft" gemeldet (Maschinenlaufzeit). Die Differenz zwischen diesen drei Werten kann bei einer typischen Anlage 60 bis 120 Minuten pro Schicht betragen.


    Warum manuelle Betriebszeiterfassung systematisch falsch ist

    Bei manueller Erfassung notiert der Bediener am Schichtende die großen Stillstände: "45 Minuten Rüsten, 20 Minuten Störung". Mikrostillstände, kurze Materialwartezeiten und Schichtwechsel-Verluste fallen weg. Das Ergebnis: Die manuell gemeldete Betriebszeit liegt typischerweise 10 bis 20 % über dem tatsächlichen Wert, weil die kurzen Stillstände unsichtbar bleiben.

    Automatische Maschinendatenerfassung über SPS-Signale, OPC-UA oder digitale I/O ändert das grundlegend. Die Maschine meldet ihren Zustand selbst: läuft, steht, Störung. Jede Sekunde wird erfasst und einem Zustand zugeordnet. Die Betriebszeit ergibt sich automatisch aus der Summe aller Sekunden im Zustand "Produktion".


    Betriebszeit und Maschinenverfügbarkeit: Wie beide zusammenhängen

    Die Maschinenverfügbarkeit (Availability) ist das Verhältnis von Betriebszeit zu geplanter Produktionszeit, ausgedrückt in Prozent. Die Betriebszeit ist also die Eingangsgröße, die Verfügbarkeit die daraus abgeleitete Kennzahl.

    Verfügbarkeit (%) = Betriebszeit / Geplante Produktionszeit x 100

    Wenn die Betriebszeit steigt, steigt automatisch die Verfügbarkeit. Und weil die Verfügbarkeit der erste Faktor in der OEE-Multiplikation ist (Verfügbarkeit x Leistung x Qualität), wirkt jede Minute zusätzlicher Betriebszeit im gleichen Verhältnis auf die Gesamt-OEE.

    Ein Beispiel: Eine Anlage mit 78 % Verfügbarkeit, 92 % Leistung und 97 % Qualität hat eine OEE von 69,6 %. Wenn die Betriebszeit um 48 Minuten pro Schicht steigt (von 749 auf 797 Minuten bei 960 Minuten geplanter Produktionszeit), steigt die Verfügbarkeit auf 83 %. Die OEE steigt auf 74,1 %. Diese 48 Minuten mehr Betriebszeit bedeuten 4,5 Prozentpunkte mehr OEE.


    Häufige Fragen zur Betriebszeit

    Was ist der Unterschied zwischen Betriebszeit und geplanter Produktionszeit?
    Die geplante Produktionszeit ist die Zeit, in der die Maschine planmäßig produzieren soll (z. B. 960 Minuten in einer Doppelschicht). Die Betriebszeit ist die geplante Produktionszeit abzüglich aller Stillstände. Die Differenz sind die Verfügbarkeitsverluste.

    Ist Betriebszeit eine Prozentzahl oder eine absolute Zeit?
    Die Betriebszeit ist eine absolute Zeitgröße, angegeben in Minuten oder Stunden. Die Prozentzahl, die sich aus dem Verhältnis von Betriebszeit zu geplanter Produktionszeit ergibt, ist die Verfügbarkeit, nicht die Betriebszeit.

    Warum ist die manuell gemeldete Betriebszeit höher als die tatsächliche?
    Weil bei manueller Erfassung Mikrostillstände (unter 2-3 Minuten), kurze Wartezeiten und Schichtwechsel-Verluste nicht dokumentiert werden. Automatische Betriebsdatenerfassung deckt typischerweise 10 bis 20 % mehr Stillstände auf als manuelle Schichtprotokolle.

    Wie hängt Betriebszeit mit OEE zusammen?
    Die Betriebszeit ist der Eingangswert für den Verfügbarkeitsfaktor der OEE. Verfügbarkeit = Betriebszeit / Geplante Produktionszeit. Da die Verfügbarkeit ein Faktor der OEE-Multiplikation ist, wirkt jede zusätzliche Minute Betriebszeit im gleichen Verhältnis auf die Gesamt-OEE.

    Wie wird Betriebszeit automatisch erfasst?
    Über SPS-Signale, OPC-UA oder digitale I/O meldet die Maschine ihren Zustand sekundengenau: Produktion, Stillstand, Rüsten, Störung. Die Betriebszeit ergibt sich automatisch aus der Summe aller Sekunden im Zustand "Produktion".

    Wie sich die eigene Betriebszeit automatisch von Stillstands- und Rüstzeiten abgegrenzt auswerten lässt, zeigt eine kostenlose Demo am eigenen Anwendungsfall.

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    Über den Autor

    Christian FiegHead of Sales

    Six Sigma Black Belt mit über 25 Jahren in der Fertigungsindustrie, zuvor bei Johnson Controls, Visteon, iTAC und Dürr. Autor des Buchs „OEE: Eine Zahl, viele Lügen“.

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