Skip to content

MES - Definition, Funktionen & Nutzen 2026

Manufacturing Execution System: Tablet-Steuerung in der vernetzten Produktion mit Robotik, IoT-Sensoren und Echtzeit-Datenanalyse
Von Uwe Kobbert · Zuletzt aktualisiert: März 2026

Definition

Ein MES (Manufacturing Execution System) ist eine Software, die Fertigungsprozesse in Echtzeit steuert, überwacht und optimiert. Das System bildet die Schnittstelle zwischen dem ERP-System auf der Planungsebene und dem Shopfloor mit Maschinen, Sensoren und Mitarbeitenden.

Die Kernaufgabe: die Umwandlung von Rohstoffen in Fertigerzeugnisse lückenlos begleiten und dabei Betriebs-, Maschinen- und Qualitätsdaten automatisch erfassen.

International
ISA-95 · Level 3 zwischen ERP und Prozessleitebene
Deutschland
VDI 5600 · 7 Kernfunktionen standardisiert
Synonym
Produktionsleitsystem · Fertigungsmanagementsystem

Warum die meisten MES-Projekte scheitern, bevor sie wirken

Die Definition eines MES ist in jedem Lehrbuch nachzulesen. Die VDI 5600 listet die Funktionen sauber auf. Und trotzdem liefern die meisten MES-Einführungen nicht die Ergebnisse, die in der Vertriebspräsentation versprochen wurden.  Das Problem liegt selten an der Software. Es liegt daran, wie MES-Projekte umgesetzt werden.
In über 25 Jahren MES-Implementierungen und Daten von mehr als 15.000 angebundenen Maschinen in 18 Ländern zeigt sich ein wiederkehrendes Muster:

Unternehmen investieren sechsstellig in ein MES, dann dauert die Implementierung 12 bis 18 Monate, und wenn das System endlich produktiv ist, hat sich die Organisation verändert, der Projektleiter gewechselt und die ursprünglichen Anforderungen sind überholt.

Die Konsequenz: Ein Großteil der installierten MES-Systeme wird nur als teure Datenerfassungsmaschine genutzt statt als das Steuerungsinstrument, das es sein sollte. Die Dashboards existieren, aber niemand handelt danach. Die Daten werden gesammelt, aber nicht zu Entscheidungen verdichtet. Dieser Artikel erklärt nicht nur, was ein MES ist. Er zeigt, was ein MES in der Praxis tatsächlich verändert, welche Architekturen heute relevant sind, was eine Einführung realistisch kostet und wie Unternehmen von der Datenerfassung zur messbaren Verbesserung kommen.


Die Kernfunktionen eines MES nach VDI 5600

Die VDI-Richtlinie 5600 definiert den Funktionsumfang eines Manufacturing Execution Systems für den deutschen Markt. Sie ist kein Gesetz, aber der anerkannte Standard, an dem sich Anbieter und Anwender orientieren. International ergänzt die ISA-95 (IEC 62264) die Funktionsdefinition mit einem Fokus auf die Systemintegration zwischen ERP und Shopfloor.

Die acht Kernfunktionen im Überblick

Feinplanung und Feinsteuerung übersetzt die Grobplanung aus dem ERP in konkrete Arbeitsaufträge. Das MES berücksichtigt dabei die tatsächliche Verfügbarkeit von Maschinen, Werkzeugen und Personal und passt die Reihenfolge dynamisch an, wenn sich Bedingungen ändern. In der Praxis ist das der Punkt, an dem ein MES den größten operativen Unterschied zu einer reinen Excel-Planung macht: Die Feinplanung reagiert in Echtzeit auf Störungen, Materialengpässe oder Personalausfälle.

Datenerfassung ist das Fundament jeder MES-Funktion. Ohne automatische Erfassung von Maschinendaten (MDE) und Betriebsdaten (BDE) fehlt die Datenbasis für alle nachfolgenden Funktionen. Maschinendatenerfassung liefert Taktzeiten, Stückzahlen und Stillstände direkt von der Anlage. Betriebsdatenerfassung ergänzt Auftrags-, Schicht- und Personaldaten. Die Qualität dieser Daten entscheidet über die Qualität aller Kennzahlen und Entscheidungen, die darauf aufbauen.

Leistungsanalyse berechnet Produktionskennzahlen wie OEE (Overall Equipment Effectiveness), Verfügbarkeit, Leistung und Qualität in Echtzeit. Diese Kennzahlen sind die Grundlage für operative Entscheidungen im Shopfloor Management und für strategische Verbesserungsprogramme. Ohne ein MES basiert die Leistungsanalyse auf manuellen Schätzungen, die systematisch von der Realität abweichen. Aus SYMESTIC-Implementierungsdaten zeigt sich: Bei der ersten automatischen Erfassung liegt der gemessene OEE-Wert im Schnitt 8-12 Prozentpunkte unter dem, was das Team vorher geschätzt hatte.

Qualitätsmanagement überwacht Prozess- und Produktqualität in Echtzeit, dokumentiert Prüfergebnisse und löst bei Abweichungen automatisch Maßnahmen aus. Für Branchen mit Rückverfolgbarkeitspflichten (Automotive, Lebensmittel) ist diese Funktion nicht optional, sondern Voraussetzung für die Belieferung von OEMs.

Betriebsmittelmanagement verwaltet Maschinen, Werkzeuge und Prüfmittel mit dem Ziel, ungeplante Ausfälle zu minimieren. In Kombination mit Echtzeit-Maschinendaten wird daraus die Grundlage für vorausschauende Instandhaltung (Predictive Maintenance).

Materialmanagement stellt die rechtzeitige Versorgung der Produktion mit Material sicher und verwaltet Umlauf- und Zwischenbestände. Die Anbindung an das ERP-System synchronisiert Materialbestände zwischen Planung und Shopfloor.

Personalmanagement gleicht Aufträge mit der Verfügbarkeit und Qualifikation von Mitarbeitenden ab. In Fertigungen mit wechselnden Schichtmodellen und produktspezifischen Qualifikationsanforderungen verhindert diese Funktion, dass Aufträge auf Maschinen geplant werden, für die kein qualifiziertes Personal verfügbar ist.

Informationsmanagement verknüpft alle genannten Funktionen und stellt die richtigen Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort bereit. In der Praxis bedeutet das: Der Werker sieht an seiner Maschine den aktuellen Auftrag mit Arbeitsanweisungen, der Schichtleiter sieht das OEE-Dashboard für seine Linie, und der Werkleiter sieht den Gesamtstatus aller Linien.

Für die vollständige Funktionsübersicht mit Praxisbeispielen: MES-Funktionen nach VDI 5600

Digitalisierung der Produktion
Symestic Manufacturing Digitalization
Der schnelle Weg in die Digitalisierung
Profitabler werden – einfach und schnell
Effizienz durch Echtzeit-Daten
Kennzahlen für Ihren Erfolg
Ohne Investitionskosten optimieren
OEE SaaS – heute gebucht, morgen startklar

 


Was ein MES konkret verändert: Ergebnisse aus der Praxis

Die Nutzenfrage lässt sich nicht mit Theorie beantworten. Sie lässt sich nur mit Daten beantworten. Aus hunderten MES-Implementierungen über alle Branchen hinweg kristallisieren sich fünf messbare Ergebniskategorien heraus.

Transparenz ist der erste und unmittelbarste Effekt. Innerhalb von Stunden nach der ersten Maschinenanbindung sehen Unternehmen zum ersten Mal die tatsächlichen Stillstandsursachen, Taktzeiten und Verlustmuster. Bei Yanfeng International, einem globalen Automobilzulieferer mit über 30 Standorten und mehr als 500 angebundenen Segmenten, reduzierte sich der Zeitaufwand für KPI-Berichte um über 90 %. Die Information war vorher vorhanden, aber verteilt auf Excel-Listen, Schichtprotokolle und ERP-Auswertungen. Das MES brachte sie an eine Stelle.

Stillstandsreduktion folgt, sobald die Verlustursachen sichtbar werden. Bei Meleghy Automotive, einem internationalen Automobilzulieferer mit Werken in Deutschland, Spanien, Tschechien und Ungarn, sanken die Stillstandszeiten innerhalb von sechs Monaten um 10 %. Die Maschinen waren nicht repariert worden. Die Verlustursachen waren erstmals sichtbar geworden, und die Teams konnten gezielt reagieren statt pauschal zu suchen. Bei Brita, einem international führenden Konsumgüterhersteller mit hochautomatisierten Montagelinien, lag die Reduktion der Stillstandszeiten bei 5 %, begleitet von einer Ausbringungssteigerung von 7 %.

Effizienzsteigerung ergibt sich aus der Kombination von weniger Stillständen, kürzeren Rüstzeiten und besserer Auslastung. Die typische Produktivitätsverbesserung liegt in den ersten 12 Wochen bei 2-5 %. Das klingt bescheiden, aber bei einer Fertigung mit 50 Maschinen im Drei-Schicht-Betrieb entspricht 2 % Produktivitätssteigerung einem sechsstelligen Jahreswert.

Kostensenkung ist die direkte Folge von Transparenz und Effizienz. Die CAPEX-Einsparung gegenüber klassischen On-Premise-MES-Systemen liegt bei cloud-nativen Lösungen bei über 95 %. Die Einsparung bezieht sich nicht nur auf die Software, sondern auf das gesamte Projektumfeld: keine Serverinfrastruktur, keine lokale IT-Betreuung, kein monatelanges Customizing-Projekt.

Skalierbarkeit zeigt sich, wenn ein Unternehmen vom Piloten in einem Werk auf mehrere Standorte ausrollt. Bei Meleghy Automotive dauerte der Rollout vom Piloten in Wilnsdorf auf alle Kernprozesse an sämtlichen internationalen Standorten sechs Monate. Nach einer eintägigen Enablement-Schulung führten die Werke den Rollout eigenständig durch. Das ist ein Implementierungstempo, das mit klassischen On-Premise-MES-Projekten nicht erreichbar ist.


MES-Architekturen: On-Premise, Cloud-hosted, Cloud-native

Die Architektur eines MES bestimmt nicht nur die technische Infrastruktur, sondern auch die Implementierungsgeschwindigkeit, die laufenden Kosten und die langfristige Innovationsfähigkeit.

On-Premise-MES wird lokal im Rechenzentrum des Unternehmens installiert. Diese Architektur bietet maximale Datenhoheit und ermöglicht tiefgreifende Individualisierung. Der Preis: sechsstellige Anfangsinvestitionen, Implementierungszeiten von 12 bis 24 Monaten, laufende Kosten für Serverinfrastruktur, Wartung und Updates. On-Premise eignet sich für Unternehmen mit strikten regulatorischen Anforderungen (z. B. validierte Pharma-Prozesse) oder Standorte ohne stabile Internetverbindung. Die etablierten Anbieter in diesem Segment wie MPDV (Hydra X), industrieinformatik (cronetwork) oder GFOS bieten umfassende Funktionsabdeckung, erfordern aber entsprechend umfangreiche Einführungsprojekte.

Cloud-hosted MES (Lift and Shift) verlagert bestehende MES-Software in eine Cloud-Infrastruktur. Das reduziert den internen IT-Aufwand, ändert aber nichts an der zugrundeliegenden Architektur. Die Software bleibt oft monolithisch, Lizenz- und Wartungskosten bleiben bestehen, und die Skalierbarkeit ist begrenzt. SAP Digital Manufacturing Cloud und Siemens Opcenter fallen teilweise in diese Kategorie: Sie bieten die Integrationsstärke ihrer ERP-Ökosysteme, erfordern aber weiterhin komplexe Implementierungsprojekte.

Cloud-native MES ist von Grund auf für die Cloud entwickelt: Microservice-Architektur, offene APIs, automatische Skalierung, automatische Updates. Die Implementierungszeit liegt typischerweise bei Tagen bis Wochen statt Monaten. Der Einstieg erfolgt über ein SaaS-Modell ohne Anfangsinvestition. Die Einschränkung: Cloud-native MES setzt eine stabile Internetverbindung voraus und eignet sich derzeit nicht für vollständig validierte Pharma-Prozesse. SYMESTIC ist als cloud-native MES-Plattform auf Microsoft Azure aufgebaut und deckt die VDI-5600-Kernfunktionen ab: Auftragssteuerung, Echtzeit-Datenerfassung, Leistungsanalyse, Qualitätsnachverfolgung.

Die folgende Bilderserie zeigt Screenshots des Cloud-MES-Dashboards von SYMESTIC:

Cloud-native MES live erleben!

Sehen Sie in einer Demo, wie SYMESTIC Maschinen verbindet, Daten erfasst und Produktion transparent macht.

Symestic Web Application


Die vollständige Gegenüberstellung aller drei Architekturen: MES-Architekturen im Vergleich
Vertiefung: Cloud MES: Vorteile, Kosten und Umsetzung 


MES und ERP: Warum beides zusammengehört

Ein MES ohne ERP-Anbindung liefert Transparenz am Shopfloor, aber keine durchgängige Wertschöpfungskette. Ein ERP ohne MES plant in der Theorie, hat aber keinen Kontakt zur Realität auf dem Shopfloor. Erst im Zusammenspiel entsteht der volle Nutzen.Infografik MES Pyramide

Das ERP-System (Enterprise Resource Planning) steuert die betriebswirtschaftliche Ebene: welche Produkte in welcher Menge bis wann gefertigt werden sollen. Das MES übersetzt diese Vorgaben in die operative Realität: welche Maschine läuft mit welchem Werkzeug in welcher Reihenfolge, und wer bedient sie. Rückmeldungen aus dem MES (produzierte Mengen, Stillstände, Qualitätsdaten) fließen ins ERP zurück und verbessern dort Planung, Kalkulation und Lieferterminzusagen.

Ein konkretes Beispiel: Das ERP gibt vor, dass 10.000 Teile bis Freitag produziert werden müssen. Das MES prüft in Echtzeit, welche Maschinen verfügbar sind, wie hoch die aktuelle Geschwindigkeit ist und wo Engpässe entstehen. Es steuert den Ablauf dynamisch und meldet zurück, ob die Deadline realistisch ist oder ob Anpassungen notwendig sind. Bei Meleghy Automotive wurde über eine bidirektionale SAP-R3-Anbindung per ABAP IDoc erreicht, dass Maschinenzyklen direkt Fertigungsaufträgen zugeordnet werden, während die Rückmeldung ins ERP für durchgängige Transparenz sorgt.

Der internationale Standard ISA-95 (IEC 62264) definiert die Schnittstelle zwischen MES (Level 3) und ERP (Level 4) als zentrales Element einer modernen Produktions-IT. Nur durch diese Integration entstehen durchgängige Datenflüsse und eine belastbare Grundlage für Industrie 4.0.


Abgrenzung: MES vs. ERP vs. SCADA vs. MOM

In der Praxis werden diese Begriffe häufig unscharf verwendet. Für eine erfolgreiche Systemauswahl ist die Abgrenzung entscheidend.

ERP steuert die betriebswirtschaftliche Ebene: Planung, Einkauf, Finanzen, Personal, Lieferketten. ERP entscheidet was produziert wird. MES entscheidet wie produziert wird. Beide Systeme operieren auf unterschiedlichen Zeitskalen: ERP plant in Tagen und Wochen, MES steuert in Minuten und Sekunden.

SCADA (Supervisory Control and Data Acquisition) ist ein reines Überwachungs- und Leitsystem für Maschinen und Anlagen. Es erfasst Prozesswerte wie Temperaturen, Drücke und Laufzeiten. Ein MES geht darüber hinaus: Es verknüpft diese Maschinendaten mit Aufträgen, Materialien, Personal und Qualitätszielen. SCADA liefert Signale, MES macht daraus steuerungsrelevante Informationen.

MOM (Manufacturing Operations Management) ist der übergeordnete Begriff, der alle operativen Systeme der Fertigung umfasst: MES, Qualitätsmanagement, Instandhaltung, Laborinformationssysteme. MES ist das Kernsystem innerhalb von MOM, das die übrigen Funktionen miteinander verbindet. Wer von MOM spricht, meint das Gesamtsystem. MES ist das Herzstück.


Was ein MES kosten sollte: Architektur bestimmt das Preismodell

Die Kosten eines MES hängen weniger vom Funktionsumfang ab als von der Architektur und dem Implementierungsmodell.

On-Premise-MES erfordert typischerweise sechsstellige Anfangsinvestitionen: Lizenzkosten, Serverinfrastruktur, Implementierungsprojekt mit externen Beratern, Schulung, Customizing. Dazu kommen jährliche Wartungsgebühren von 15-20 % des Lizenzwerts. Die Gesamtkosten über fünf Jahre (Total Cost of Ownership) liegen für ein mittelständisches Unternehmen mit 50-100 Maschinen oft im mittleren bis hohen sechsstelligen Bereich.

Cloud-native MES arbeitet mit einem SaaS-Modell: monatliche oder jährliche Gebühren pro Maschine oder Segment, ohne Anfangsinvestition. Die Implementierung erfolgt in Tagen bis Wochen statt Monaten. Wartung, Updates und Infrastruktur sind im Preis enthalten. Bei Yanfeng International bedeutete das eine CAPEX-Einsparung von über 95 % gegenüber dem vorherigen On-Premise-Ansatz. Hier können Sie einen monatlichen Preis konfigurieren.

Der kritische Kostenfaktor ist nicht die Software selbst, sondern das Implementierungsprojekt. Bei klassischen MES-Einführungen übersteigen die Implementierungskosten regelmäßig die Lizenzkosten um den Faktor 2-3. Cloud-native Plattformen eliminieren diesen Faktor weitgehend, weil sie auf Standardkonfiguration statt Individualprogrammierung setzen.


MES einführen: Was in der Praxis funktioniert

Die Einführung eines MES folgt in erfolgreichen Projekten einem klaren Muster. Aus hunderten Implementierungen ergeben sich drei Phasen.

Phase 1: Pilot und erste Transparenz (Woche 1-4). Der Start erfolgt bewusst klein: ein Werk, eine Linie, 5-10 Maschinen. Ziel ist nicht die vollständige MES-Einführung, sondern der erste Beweis, dass automatische Datenerfassung funktioniert und sofort verwertbare Erkenntnisse liefert. Bei Meleghy Automotive startete der Pilot im Werk Wilnsdorf mit Schuler-Pressen. Bereits während des Onboarding-Trainings wurden die ersten Maschinen live angebunden. Ein Großbildmonitor direkt an der Anlage machte Taktzeiten, Stückzahlen und Stillstände in Echtzeit sichtbar. Die Prozessstabilität verbesserte sich bereits am ersten Tag spürbar.

Phase 2: Optimierung und Skalierung (Monat 2-6). Die sichtbar gewordenen Verluste werden priorisiert und systematisch beseitigt. Gleichzeitig beginnt der Rollout auf weitere Linien und Werke. Erfolgsentscheidend ist in dieser Phase nicht die Software, sondern die organisatorische Verankerung: tägliche Dashboards im Shopfloor Management, wöchentliche OEE-Reviews, klare Verantwortlichkeiten für identifizierte Verlustursachen. Mehr dazu: MES-Einführung: Standardisierte Wege in die digitale Produktion

Phase 3: Kontinuierliche Verbesserung (ab Monat 6). Das MES ist nicht mehr ein Projekt, sondern ein operatives Steuerungsinstrument. Neue Anwendungsfälle werden eigenständig umgesetzt, weitere Kennzahlen integriert, die Plattform um Funktionen wie Fertigungssteuerung, Qualitätsmanagement oder Energiemonitoring erweitert.

Der entscheidende Erfolgsfaktor über alle Phasen hinweg: Die Implementierungsgeschwindigkeit muss hoch genug sein, damit erste Ergebnisse sichtbar werden, bevor die Organisation das Interesse verliert. Deshalb scheitern Projekte mit 12-18 Monaten Vorlauf häufiger als solche, die in Wochen erste Daten liefern.

MES in wenigen Wochen starten!

Verbinden Sie Ihre ersten Maschinen und sehen Sie Produktionsdaten live – ohne monatelanges IT-Projekt.

Symestic Web Application

 


Moderne Trends: Cloud, IIoT, KI

Der MES-Markt verändert sich fundamental. Drei Entwicklungen bestimmen die Richtung.

Cloud und SaaS setzen sich in der Fertigungsindustrie durch. Laut IoT Analytics planten bereits 2021 rund 29 % der Fertigungsunternehmen, ihr MES in die Cloud zu migrieren. Heute, fünf Jahre später, ist Cloud-native MES keine Nischenlösung mehr, sondern die Standardarchitektur für Neueinführungen im Mittelstand. Der Grund ist nicht Technologiebegeisterung, sondern Ökonomie: SaaS-Modelle eliminieren die Anfangsinvestition und reduzieren die Total Cost of Ownership um 40-60 % gegenüber On-Premise.

Cloud-Migration-MES-Trends

IIoT-Integration macht Maschinendaten universell verfügbar. Standardprotokolle wie OPC UA ermöglichen die Anbindung heterogener Maschinenparks ohne proprietäre Middleware. In der Praxis bedeutet das: Eine Fertigung mit Maschinen von zehn verschiedenen Herstellern kann innerhalb von Tagen vollständig angebunden werden. Die Anbindung erfolgt über Edge Gateways, die Rohdaten vor Ort transformieren und nach höchsten Sicherheitsstandards in die Cloud übertragen. 

Weiterführende Informationen: Interoperability for Industrie 4.0 and the Internet of Things.

Künstliche Intelligenz ergänzt das MES um vorausschauende Fähigkeiten. Statt nur zu messen was passiert ist, erkennt KI Muster in den Produktionsdaten und prognostiziert Ausfälle, Qualitätsabweichungen oder Engpässe bevor sie eintreten. Predictive OEE, automatische Anomalieerkennung und KI-gestützte Planungsoptimierung sind die konkreten Anwendungsfälle, die sich aus dem Zusammenspiel von MES und maschinellem Lernen ergeben.

FAQ

Was ist ein MES? Ein MES (Manufacturing Execution System) ist eine Software, die Fertigungsprozesse in Echtzeit steuert, überwacht und optimiert. Es bildet die Schnittstelle zwischen dem ERP-System auf der Planungsebene und dem Shopfloor. Die Kernfunktionen sind in der VDI-Richtlinie 5600 und im internationalen Standard ISA-95 definiert.

Welche Funktionen hat ein MES? Die VDI 5600 definiert sieben Kernfunktionen: Feinplanung, Datenerfassung (MDE/BDE), Leistungsanalyse (OEE), Qualitätsmanagement, Betriebsmittelmanagement, Materialmanagement, Personalmanagement und Informationsmanagement.

Was ist der Unterschied zwischen MES und ERP? ERP (Enterprise Resource Planning) plant, was produziert wird: Produkte, Mengen, Termine. MES setzt diese Pläne operativ um und steuert, wie produziert wird: Ablauf, Reihenfolge, Maschinensteuerung. ERP arbeitet in Tagen und Wochen, MES in Minuten und Sekunden.

Was kostet ein MES? Die Kosten hängen von der Architektur ab. On-Premise-MES erfordert typischerweise sechsstellige Anfangsinvestitionen plus laufende Wartung. Cloud-native MES arbeitet mit monatlichen SaaS-Gebühren ohne Anfangsinvestition. Die Total Cost of Ownership über fünf Jahre liegt bei Cloud-native um 40-60 % unter On-Premise.

Wie lange dauert eine MES-Einführung? Bei On-Premise-Systemen: 12-24 Monate. Bei Cloud-nativen Plattformen: Tage bis Wochen für die Grundanbindung, unter einem Monat für erste Produktionskennzahlen, unter sechs Monaten für ein vollständiges MES. Die Implementierungsgeschwindigkeit ist der größte Hebel für den Projekterfolg.

Was ist der Unterschied zwischen On-Premise und Cloud-native MES? On-Premise wird lokal installiert, bietet maximale Datenhoheit, erfordert aber hohe Anfangsinvestitionen und lange Implementierungen. Cloud-native ist von Grund auf für die Cloud entwickelt, bietet kurze Einführungszeiten und SaaS-Preise, setzt aber eine stabile Internetverbindung voraus.

Welche Branchen nutzen MES? MES wird in der gesamten diskreten und Chargenfertigung eingesetzt: Automotive, Metallverarbeitung, Kunststoff, Lebensmittel, Elektronik, Konsumgüter. In der Pharma- und Medizintechnikbranche gelten zusätzliche Validierungsanforderungen (GMP, FDA), die spezielle MES-Module erfordern.

Braucht mein Unternehmen ein MES? Wenn Sie mehr als 10 Maschinen im Mehrschichtbetrieb betreiben und auf die Frage "Wie hoch ist Ihre OEE?" keine belastbare Antwort haben, fehlt Ihnen die Datenbasis für systematische Verbesserung. Ein MES liefert diese Datenbasis. Der Einstieg ist mit Cloud-nativen Plattformen inzwischen ohne sechsstellige Investition möglich.

Uwe Kobbert
Über den Autor:
Uwe Kobbert
Gründer und CEO der symestic GmbH. Seit über 30 Jahren in der Fertigungsindustrie. Dipl.-Ing. Nachrichtentechnik/Elektronik.

Exklusives Whitepaper

Lernen Sie die modernsten Ansätze der Industrie 4.0, die Sie in Ihrer Produktion schon morgen umsetzen können, um innerhalb von 4 Wochen Ihre Kosten um gut 20% zu reduzieren.

mehr erfahren

Starten Sie noch heute mit SYMESTIC, um Ihre Produktivität, Effizienz und Qualität zu steigern.
Kontakt aufnehmen
Symestic Ninja
Deutsch
English