MES: Definition, Funktionen & Nutzen 2026
MES (Manufacturing Execution System): Funktionen nach VDI 5600, Architekturen, Kosten und Praxisergebnisse. Mit Implementierungsdaten aus 15.000+ Maschinen.
Maschinenzustandsdaten sind alle Informationen, die beschreiben, was eine Produktionsanlage gerade tut: Läuft sie? Steht sie? Wie schnell produziert sie? Wie viele Teile sind gut, wie viele Ausschuss? Welche Temperatur, welchen Druck, welche Vibration hat sie gerade?
In der Fertigungspraxis lassen sich Maschinenzustandsdaten in drei Kategorien einteilen:
Der Unterschied zwischen Maschinenzustandsdaten und dem, was die meisten Betriebe heute haben: Die meisten Betriebe haben Schätzungen. Der Schichtführer schätzt die Stillstandszeit, der Werker schätzt die Stückzahl, die Ausschussrate wird am Ende der Schicht aus dem Kopf rekonstruiert. Maschinenzustandsdaten sind das Gegenteil: automatisch, sekundengenau, lückenlos.
| Datenkategorie | Was wird erfasst | Typische Quelle | Welche Kennzahl daraus entsteht |
|---|---|---|---|
| Laufzeit / Stillstand | Wann läuft die Maschine, wann steht sie, wie lange | Digitales Signal (Maschinentakt), SPS-Statusbit | Verfügbarkeit, Stillstandszeit, MTBF, MTTR |
| Stückzahl | Anzahl produzierter Teile (Gesamt, Gut, Schlecht) | Zählsignal (Taktimpuls), SPS-Zähler | Ausbringung, Ausschussrate, Qualitätsrate |
| Taktzeit | Zeit zwischen zwei aufeinanderfolgenden Teilen | Berechnet aus Taktimpuls-Abständen | Leistungsgrad, Mikrostopps, Taktzeit-Varianz |
| Stillstandsgrund | Warum steht die Maschine (technisch, Rüsten, Material, Organisation) | SPS-Alarm (automatisch) oder Bediener-Eingabe (manuell) | Pareto der Stillstandsursachen, geplant vs. ungeplant |
| Prozessparameter | Temperatur, Druck, Vibration, Drehmoment, Stromaufnahme, Durchfluss | Analogsensoren, SPS-Variablen via OPC UA | Prozessstabilität, Korrelation mit Qualitätsdefekten, Verschleisstrend |
| SPS-Alarme | Fehlermeldungen der Maschinensteuerung (Alarm-ID, Zeitstempel, Dauer) | SPS-Alarmpuffer via OPC UA oder proprietäres Protokoll | Alarm-Pareto, Korrelation Alarm/Stillstand, Alarm/Qualitätsdefekt |
| Energiedaten | Stromverbrauch, Druckluft, Gas, Wasser pro Maschine oder Linie | Energiemessgerät, Analogsignal | Energieverbrauch pro Teil, Energieverbrauch pro Stillstand |
Die ersten drei Kategorien (Laufzeit, Stückzahl, Taktzeit) sind die Mindestanforderung für eine OEE-Berechnung. Stillstandsgründe ermöglichen die Pareto-Analyse. Prozessparameter und SPS-Alarme ermöglichen die Ursachenanalyse und Qualitätskorrelation.
Es gibt drei Wege, Maschinenzustandsdaten zu erfassen. Jeder hat seine Anwendung, aber die Unterschiede in Qualität und Aufwand sind erheblich.
| Methode | Wie es funktioniert | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|
| Manuell | Werker schreibt Stückzahl, Stillstandszeit, Ausschuss auf Papier oder in Excel | Kein Investment, sofort umsetzbar | Ungenau, lückenhaft, verzerrt. Mikrostopps fehlen. Nachtschichten fehlen. Hawthorne-Effekt. |
| Digitales I/O-Gateway | Ein Gateway wird an ein vorhandenes digitales Maschinensignal angeschlossen (z. B. Taktimpuls, Betriebsanzeige). Kein SPS-Eingriff. | Schnell (2-4 Stunden pro Maschine), günstig, keine Produktionsunterbrechung. Funktioniert an jeder Maschine, auch ohne moderne Steuerung. | Erfasst nur Signale, die physisch vorhanden sind (Laufzeit, Stückzahl). Keine Prozessparameter, keine SPS-Alarme. |
| OPC UA / Steuerungsanbindung | Direkte Kommunikation mit der Maschinensteuerung (SPS) über OPC UA oder herstellerspezifisches Protokoll. | Maximale Datentiefe: Prozessparameter, SPS-Alarme, Rezeptdaten, Qualitätssignale. Alles, was die Steuerung kennt. | Setzt moderne Steuerung mit OPC-UA-Server oder offene Schnittstelle voraus. Aufwändiger als I/O-Gateway. |
In der Praxis ist ein gemischter Maschinenpark die Regel: Moderne Anlagen mit Siemens S7-1500 und OPC UA neben Bestandsanlagen von 1995 ohne jede digitale Schnittstelle. Die Lösung ist nicht "alles oder nichts", sondern ein abgestufter Ansatz: I/O-Gateway für Bestandsanlagen (Laufzeit, Stückzahl, Taktzeit), OPC UA für moderne Anlagen (zusätzlich Prozessparameter und Alarme).
Ausgangslage: Ein Metallverarbeiter betreibt 8 CNC-Bearbeitungszentren. Maschinenstundensatz: 95 Euro. Betrieb: 2 Schichten, 16 Stunden pro Tag, 230 Produktionstage pro Jahr. Geschätzte OEE (vom Schichtführer): 78 %.
Nach 4 Wochen automatischer Erfassung: Die tatsächliche OEE liegt bei 64 %. 14 Prozentpunkte niedriger als geschätzt.
| Verlustursache | Vorher sichtbar? | Anteil am Gesamtverlust | Kosten pro Monat (8 Maschinen) |
|---|---|---|---|
| Mikrostopps (Spänestau, Werkzeugwechsler-Fehler) | Nein (zu kurz für manuelle Erfassung) | 28 % | 9.120 Euro |
| Rüstzeit (tatsächlich vs. geplant) | Teilweise (Dauer unterschätzt) | 24 % | 7.820 Euro |
| Ungeplante technische Stillstände | Ja (die grossen) | 22 % | 7.170 Euro |
| Taktzeit-Verluste (Maschine läuft langsamer als Soll) | Nein (Maschine läuft ja) | 16 % | 5.210 Euro |
| Anlaufausschuss nach Rüsten | Teilweise (nicht immer dokumentiert) | 10 % | 3.260 Euro |
| Gesamtverlust (36 % OEE-Verlust) | 100 % | 32.580 Euro/Monat |
Von den 32.580 Euro Gesamtverlust pro Monat waren 44 % (Mikrostopps + Taktzeit-Verluste = 14.330 Euro) ohne automatische Erfassung komplett unsichtbar. Das sind 171.960 Euro pro Jahr an verlorener Kapazität, die ohne Maschinenzustandsdaten niemand kennt.
Die OEE-Abweichung (78 % geschätzt vs. 64 % gemessen) ist kein Einzelfall. In der Praxis weichen manuelle Schätzungen um 5 bis 15 Prozentpunkte von der automatisch erfassten OEE ab.
Warum reicht manuelle Erfassung nicht aus? Drei Gründe.
Grund 1: Mikrostopps sind unsichtbar. Ein Mikrostopp dauert 10 bis 90 Sekunden. Kein Werker notiert einen 15-Sekunden-Stopp. Aber wenn 80 bis 120 Mikrostopps pro Schicht auftreten, sind das 30 bis 60 Minuten verlorene Produktionszeit. Automatische Erfassung sieht jeden einzelnen. Manuelle Erfassung sieht keinen.
Grund 2: Taktzeit-Verluste sind unsichtbar. Wenn eine Maschine mit 4,2 Sekunden Taktzeit statt 3,8 Sekunden Solltaktzeit läuft, sieht das niemand. Die Maschine läuft ja. Aber 0,4 Sekunden pro Teil, bei 5.000 Teilen pro Schicht, sind 33 Minuten verlorene Kapazität. Automatische Erfassung misst die Taktzeit jedes einzelnen Teils. Manuelle Erfassung kann das nicht.
Grund 3: Die Nachtschicht fehlt. In der Nachtschicht, wenn weniger Aufsicht da ist, werden Stillstände weniger genau dokumentiert. Die automatische Erfassung macht keinen Unterschied zwischen Tag- und Nachtschicht. Jede Sekunde wird gleich erfasst.
Maschinenzustandsdaten allein sind Rohdaten. Erst ein MES macht daraus nutzbare Kennzahlen und Auswertungen.
| Rohdaten (Maschinenzustandsdaten) | Verarbeitung im MES | Ergebnis (Kennzahl / Auswertung) |
|---|---|---|
| Laufzeit + Stillstandszeit + geplante Produktionszeit | Verfügbarkeit = Laufzeit / geplante Produktionszeit | Verfügbarkeit (OEE-Faktor 1) |
| Stückzahl + Solltaktzeit + Laufzeit | Leistung = (Stückzahl x Solltaktzeit) / Laufzeit | Leistungsgrad (OEE-Faktor 2) |
| Gutteile + Gesamtstückzahl | Qualität = Gutteile / Gesamtstückzahl | Qualitätsrate (OEE-Faktor 3) |
| Verfügbarkeit x Leistung x Qualität | Multiplikation der drei Faktoren | OEE |
| Stillstandsereignisse mit Klassifikation | Sortierung nach Dauer, Häufigkeit, Kosten | Pareto-Analyse der Stillstandsursachen |
| Prozessparameter + Qualitätsereignisse | Zeitliche Korrelation von Parameterdrift und Ausschuss | Ursache-Wirkungs-Zusammenhang (Warum steigt der Ausschuss?) |
| SPS-Alarme + Stillstandsereignisse | Korrelation Alarm-ID mit Stillstandsdauer | Alarm-Pareto (Welche Alarme verursachen die meisten Stillstände?) |
Maschinenzustandsdaten automatisch erfassen ist das, was SYMESTIC tut. Das ist keine erweiterte Funktion, das ist der Kern der Plattform.
Schritt 1: Pilotmaschine anbinden, Datenbasis aufbauen. Eine Maschine, ein I/O-Gateway, 2 bis 4 Stunden. Nach 2 Wochen zeigt die Datenbasis den tatsächlichen Ist-Zustand: reale OEE, reale Stillstandszeiten, reale Taktzeit. Erfahrungsgemäss weicht die tatsächliche OEE um 5 bis 15 Prozentpunkte von der geschätzten ab. Bei Klocke (Pharma-Verpackung) wurde die erste Linie in 3 Wochen angebunden, danach Skalierung auf alle Linien am Standort.
Schritt 2: Rollout auf kritische Maschinen, Stillstandsklassifikation einführen. Die Maschinen mit der höchsten Nutzungszeit oder den höchsten Kosten werden zuerst angebunden. Stillstandsklassifikation am Shopfloor-Client einrichten. Die Pareto-Analyse zeigt die Top-3-Verlustursachen. Bei Carcoustics erfolgte die Skalierung auf 500+ Anlagen in allen Werken innerhalb von 6 Monaten.
Schritt 3: Prozessdaten und Alarme ergänzen, Korrelation nutzen. Bei Maschinen mit OPC-UA-Anbindung werden Prozessparameter und SPS-Alarme erfasst. Die Korrelation zeigt Zusammenhänge, die ohne Daten unsichtbar bleiben: Welcher Prozessparameter korreliert mit Qualitätsproblemen? Welcher Alarm korreliert mit Stillständen? Bei Brita hat die schrittweise Erweiterung um Stillstände und Werksmonitor zu 5 % Reduktion der Stillstandszeiten und 7 % Verbesserung der Ausbringung geführt.
| Branche | Typische Maschinen | Wichtigste Zustandsdaten | Typischer Anbindungsweg |
|---|---|---|---|
| Automobilzulieferer | Pressen, Fügelinien, Spritzguss, Montagezellen | Taktzeit, Stillstand, Stückzahl, Prozessparameter (Presskraft, Schweissstrom) | Mix: OPC UA + I/O-Gateway |
| Metallverarbeitung | CNC-Bearbeitungszentren, Drehmaschinen, Schleifmaschinen | Laufzeit, Rüstzeit, Werkzeugstandzeit, Spindellast | OPC UA (bei modernen CNC), I/O-Gateway (bei älteren) |
| Kunststoffverarbeitung | Spritzgussmaschinen, Extruder, Thermoformer | Taktzeit, Schussgewicht, Werkzeugtemperatur, Einspritzdruck | EUROMAP 77/83 (OPC UA), I/O-Gateway |
| Verpackung (Pharma, FMCG) | Blistermaschinen, Kartoniermaschinen, Etikettierer | Mikrostopps, Formatwechselzeit, Linieneffizienz | I/O-Gateway (schnell, ohne Validierungsaufwand) |
| Lebensmittelindustrie | Abfülllinien, Verpackungslinien, Backanlagen | Linieneffizienz, Mikrostopps, Reinigungszeit, OPC-UA-Alarme | OPC UA (bei Linienleitrechnern), I/O-Gateway |
Welche Daten brauche ich mindestens?
Für eine OEE-Berechnung: Laufzeit, Stückzahl (Gut- und Schlechtteile), Solltaktzeit. Das sind drei Datenpunkte, die über ein einfaches I/O-Gateway an nahezu jeder Maschine erfasst werden können. Für eine Ursachenanalyse zusätzlich: Stillstandsklassifikation. Für eine vertiefte Analyse: Prozessparameter und SPS-Alarme.
Können auch alte Maschinen Zustandsdaten liefern?
Ja. Jede Maschine, die ein Betriebssignal hat (Lampe, Taktimpuls, Zähler), kann über ein digitales I/O-Gateway angebunden werden. Kein SPS-Eingriff, keine Softwareänderung, keine Produktionsunterbrechung. Selbst Maschinen von 1990 haben mindestens ein digitales Signal, das den Betriebszustand anzeigt.
Was ist der Unterschied zwischen Maschinenzustandsdaten und Maschinendatenerfassung (MDE)?
Maschinenzustandsdaten sind die Daten selbst: Laufzeit, Stillstand, Stückzahl, Taktzeit, Prozessparameter. MDE (Maschinendatenerfassung) ist der Prozess, diese Daten automatisch zu erfassen. MDE ist das "Wie", Maschinenzustandsdaten sind das "Was".
Wie schnell sehe ich Ergebnisse?
Die Maschinenanbindung über SYMESTIC erfolgt in 2 bis 4 Stunden pro Maschine. Ab dem ersten Tag fliessen Echtzeitdaten. Nach 2 bis 4 Wochen zeigt die Datenbasis den tatsächlichen Ist-Zustand und die Top-Verlustursachen. Ein messbarer Rückgang der Verluste ist in 4 bis 12 Wochen realistisch.
Kann SYMESTIC Maschinenzustandsdaten auswerten?
SYMESTIC erfasst die Maschinenzustandsdaten automatisch und macht daraus Kennzahlen: OEE, Verfügbarkeit, Leistung, Qualität, Stillstands-Pareto, Schichtvergleich, Maschinenvergleich, Prozessdatenkorrelation. Die Interpretation und die Ableitung von Massnahmen liegt beim Produktionsteam. Bei Schmiedetechnik Plettenberg hat die Echtzeittransparenz durch automatisch erfasste Maschinenzustandsdaten zu schnellerer Ursachenanalyse und stabileren Fertigungsprozessen geführt.
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