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Ein MES (Manufacturing Execution System) ist die Software, mit der ein Werk seine laufende Fertigung steuert, erfasst und dokumentiert: Es übernimmt Aufträge aus dem ERP, verteilt sie auf Maschinen und Arbeitsplätze, erfasst Mengen, Zeiten, Stillstände und Qualität und meldet die Ergebnisse zurück. Im Ebenenmodell der Norm IEC 62264 (ISA-95) liegt es auf Ebene 3, zwischen der Unternehmensplanung und der Steuerung der Maschinen.
Die deutsche Richtlinie VDI 5600 Blatt 1 nennt ein MES Fertigungsmanagementsystem und beschreibt seine Aufgaben; in Teilen der Industrie heißt es auch Produktionsleitsystem. Wie die SYMESTIC Cloud MES Plattform aufgebaut ist, steht auf der Plattformseite.
Die zehn Aufgaben eines MES nach VDI 5600
VDI 5600 Blatt 1 (Ausgabe 2016) gliedert die Aufgaben eines MES in zehn Bereiche, so steht es im Inhaltsverzeichnis der Richtlinie. Kein MES muss alle zehn gleich tief abdecken. Für eine Auswahl ist die Liste deshalb vor allem eine Prüfliste: Welche Aufgaben braucht das eigene Werk wirklich, und welche erledigt schon ein anderes System?
| Aufgabe (VDI 5600) | Was das im Werk heißt | Prüffrage für die Auswahl |
|---|---|---|
| Auftragsmanagement | Aufträge aus dem ERP übernehmen, freigeben, verfolgen, abschließen | Kommen Aufträge automatisch aus unserem ERP, und sehen wir den Status je Arbeitsgang? |
| Feinplanung und Feinsteuerung | Reihenfolge der Aufträge je Maschine festlegen und bei Störungen umplanen | Brauchen wir Feinplanung im MES, oder plant das ERP bzw. ein eigenes Planungswerkzeug? |
| Betriebsmittelmanagement | Maschinen, Werkzeuge und Vorrichtungen verwalten, Einsatz und Zustand verfolgen | Welche Betriebsmittel müssen wir je Auftrag nachweisen? |
| Materialmanagement | Material am Arbeitsplatz bereitstellen, Verbrauch und Charge je Auftrag buchen | Müssen wir Chargen bis zum Endprodukt zurückverfolgen? |
| Personalmanagement | Personal Arbeitsplätzen zuordnen, Qualifikation berücksichtigen | Wer darf welche Anlage bedienen, und muss das System das prüfen? |
| Datenerfassung | Mengen, Zeiten, Zustände und Gründe aus Maschine und Arbeitsplatz erfassen (BDE, MDE) | Wie kommen wir an die Daten älterer Maschinen ohne Schnittstelle? |
| Leistungsanalyse | Kennzahlen wie die OEE berechnen und Verluste aufschlüsseln | Sind die Kennzahlen je Schicht und Anlage vergleichbar definiert? |
| Qualitätsmanagement | Prüfungen am Arbeitsplatz, Ausschuss mit Grund, Prozesswerte im Fenster halten | Welche Prüfungen müssen wir dokumentieren, und wo liegen sie heute? |
| Informationsmanagement | Informationen für Werker, Meister und Werkleitung bereitstellen | Wer braucht welche Zahl zu welchem Zeitpunkt? |
| Energiemanagement | Energieverbrauch je Anlage und Auftrag erfassen und auswerten | Wollen wir Energie je Bauteil ausweisen? |
Aufgabennamen nach VDI 5600 Blatt 1; Erläuterungen und Prüffragen sind eigene Einordnung, kein Richtlinientext.
MES, ERP, SCADA und MOM: die Abgrenzung
Die Normenreihe IEC 62264, international als ISA-95 bekannt, ordnet die Systeme eines Industrieunternehmens in Ebenen. Für die Fertigungsaktivitäten auf Ebene 3 verwendet sie den Begriff Manufacturing Operations Management (MOM); ein MES deckt davon in der Regel den Produktionsteil ab.
| System | Ebene | Aufgabe | Typische Frage |
|---|---|---|---|
| ERP | 4 | Kundenaufträge, Einkauf, Termine, Kosten | Was produzieren wir bis wann? |
| MES | 3 | Aufträge in der Fertigung steuern, erfassen, dokumentieren | Was läuft gerade wo, und warum steht die Maschine? |
| MOM | 3 | Oberbegriff: Produktion, Instandhaltung, Qualität, Lager in der Fertigung | Wie greifen die Fertigungsprozesse ineinander? |
| SCADA, SPS | 1 und 2 (SCADA je nach Umfang auch 3) | Anlagen überwachen und steuern, Signale und Alarme | Welchen Wert hat der Sensor jetzt? |
Der Unterschied liegt im Bezug: SCADA und SPS kennen Signale, aber keine Aufträge; das ERP kennt Aufträge, aber nicht den Zustand der Maschine. Das MES verbindet beides. Vertiefung: ISA-95 und die Ebenen der Produktions-IT und Manufacturing Operations Management.
Ein Auftrag durch die Ebenen
Wer was führt, zeigt ein Fertigungsauftrag über 2.000 Bauteile mit Liefertermin Freitag:
- ERP: gibt den Auftrag frei, mit Menge, Termin und Material.
- MES: plant ihn auf eine Maschine ein, abgestimmt auf Rüstfolge und Materialverfügbarkeit, und stellt Arbeitsanweisung und Prüfplan bereit.
- Steuerung und MES: Die Maschine meldet Takte und Zustände. Das MES zählt die Teile, ordnet Stillstände dem Auftrag zu und fragt den Grund ab.
- Störung: Die Steuerung meldet nur „Störung“. Im MES ist sichtbar, welcher Auftrag betroffen ist, ob der Termin noch hält und welche freigegebene Maschine einspringen kann.
- Zurück ins ERP: Nach Abschluss meldet das MES Gutmenge, Ausschuss und Ist-Zeiten zurück; im ERP laufen Lagerbuchung und Nachkalkulation.
Die Arbeitsteilung in einem Satz: Das ERP entscheidet, was bis wann gefertigt wird, das MES, wie und wo, die Steuerung führt aus.
MESA-11 und das Ende von MESA
Ältere Texte beziehen sich auf das Funktionsmodell der Industrievereinigung MESA International, kurz MESA-11. MESA International hat ihren Betrieb zum 30. Juni 2026 eingestellt; Bildungsprogramme und Inhalte hat die ISA übernommen. Für eine Ausschreibung im deutschen Sprachraum bietet sich VDI 5600 als Bezug an, weil sie die Aufgaben auf Deutsch und mit Blick auf die hiesige Fertigung beschreibt.
Produktionsleitsystem, Leitstand, Prozessleitsystem: die Begriffe
Im Deutschen laufen für ein MES und seine Nachbarn mehrere Namen um. Drei davon bezeichnen dasselbe oder einen Teil davon, einer etwas anderes.
| Begriff | Was gemeint ist | Verhältnis zum MES |
|---|---|---|
| Fertigungsmanagementsystem | Der deutsche Name in VDI 5600 Blatt 1 | dasselbe |
| Produktionsleitsystem | In Teilen der Industrie üblicher Name für ein MES | meist dasselbe; im Zweifel nach den Aufgaben fragen |
| Leitstand (Fertigungsleitstand) | Software, mit der die Fertigung Aufträge auf Maschinen verteilt und umplant, oft als grafische Plantafel | Teil eines MES (Feinplanung und Feinsteuerung) oder eigenes Planungswerkzeug |
| Prozessleitsystem (PLS) | Steuert verfahrenstechnische Anlagen, etwa in Chemie oder Pharma; englisch Distributed Control System (DCS) | etwas anderes: Ebene 2, steuert den Prozess selbst, ein MES sitzt darüber |
Weil „Produktionsleitsystem“ und „Prozessleitsystem“ beide mit PLS abgekürzt werden, lohnt in einer Ausschreibung der ausgeschriebene Begriff und eine Liste der Aufgaben, die das System übernehmen soll.
Wann ein MES nötig ist
Ein MES ist nicht die einzige Antwort auf fehlende Transparenz. Die Tabelle ordnet typische Ausgangslagen der kleinsten Lösung zu, die sie löst.
| Ausgangslage | Oft reicht | Ein MES lohnt sich, wenn … |
|---|---|---|
| Niemand weiß genau, wie lange Maschinen stehen | Maschinendatenerfassung mit Stillstandsgründen | die Daten mit Aufträgen und Schichten verbunden werden sollen |
| Rückmeldungen ins ERP werden von Hand gebucht | das BDE-Modul des ERP | Stillstandsgründe, Kurzstillstände und Echtzeit-Status gebraucht werden |
| Kennzahlen mehrerer Werke sind nicht vergleichbar | eine einheitliche Kennzahlendefinition in Excel | die Zahlen automatisch und je Schicht kommen sollen |
| Prüfungen und Chargen müssen nachgewiesen werden | Papier-Prüfpläne mit Archiv | Nachweise je Bauteil oder Charge auf Knopfdruck verlangt werden |
Wann ein MES sich nicht rechnet, beschreibt Wann lohnt sich kein MES; die Abwägung gegen das ERP-Modul steht in BDE im ERP oder eigenes MES?, die gegen eine Eigenentwicklung in MES selbst entwickeln oder kaufen.
Installiert oder aus der Cloud
Ein klassisches MES wird auf Servern des Werks installiert und mit Lizenzen, Projekt und Wartungsvertrag eingeführt. Ein Cloud-MES läuft beim Anbieter, wird als Abonnement bezahlt und erhält Updates automatisch; im Werk wird nur die Anbindung der Maschinen eingerichtet. Installiert ist dort im Vorteil, wo eine Fertigung ohne Internetverbindung laufen muss oder Validierungsvorgaben jedes Update zum Projekt machen. Die Cloud ist im Vorteil, wenn ein Werk klein anfangen und Anlage für Anlage oder Werk für Werk erweitern will.
Drei Fragen vor der Auswahl
- Reicht das Bestehende? Ein ERP-Modul oder eine eigene Lösung kann genügen. Wer das nicht vorher klärt, vergleicht Anbieter für ein Problem, das noch nicht feststeht.
- Wer entscheidet mit? Geschäftsführung, IT und Betriebsrat haben jeweils eigene Fragen. Werden sie spät eingebunden, stoppt das Projekt nach der Auswahl: MES-Projekt intern durchbringen.
- Passt der Zuschnitt? Wer zuerst Stillstände und OEE messen will, braucht einen anderen Anbieter als wer Feinplanung, Lager- und Werkzeugverwaltung aus einer Hand sucht. Eine Übersicht bietet der MES-Anbieter-Vergleich.
So arbeitet SYMESTIC
SYMESTIC ist ein Cloud-MES auf Microsoft Azure für den produzierenden Mittelstand. Ein Werk kann mit Produktionskennzahlen, Stillständen und OEE beginnen und später Fertigungssteuerung, Qualitätsprüfung, Prozessdaten, Alarme oder Energie ergänzen, alles auf einem standardisierten Datenmodell. Die erste Anlage ist in unter drei Stunden angebunden, auch ältere Maschinen ohne Eingriff in die SPS. Aufbau und Funktionen: SYMESTIC Cloud MES Plattform; die Datenerfassung im Einzelnen zeigen BDE-Software und MDE-Software.
Vier Beispiele aus Werken mit SYMESTIC
Wofür ein MES im Werk eingesetzt wird, hängt von der Fertigung ab. Vier Kundenreferenzen zeigen die Bandbreite:
| Unternehmen | Fertigung | Was das MES dort leistet | Ergebnis laut Kundenreferenz |
|---|---|---|---|
| Meleghy Automotive | Karosseriebauteile, vier Werke in Deutschland, Spanien, Tschechien und Ungarn | ordnet Maschinenzyklen den Fertigungsaufträgen zu, SAP R/3 in beide Richtungen angebunden | 10 % weniger Stillstandszeit, 7 % mehr Ausbringung; vier Werke in sechs Monaten |
| Schmiedetechnik Plettenberg | Schmiede | OEE und Echtzeitdaten über Maschinen, Schichten und Aufträge, ERP InforCOM in beide Richtungen angebunden | Echtzeitdaten ab dem ersten Tag |
| Carcoustics | Mehrwerksbetrieb, zwölf Werke in acht Ländern | hat ein bestehendes MES abgelöst, angebunden an SAP | mehr als 500 Anlagen, Ablösung in sechs Monaten |
| Klocke | Pharma-Verpackung im GMP-Umfeld | alle Linien angebunden, ohne Eingriff in die SPS | nach drei Wochen live |
Häufige Fragen
Was kostet ein MES?
Bei einem installierten MES fallen Lizenzen, Einführungsprojekt und Wartung an, bei einem Cloud-MES ein Abonnement und gegebenenfalls einmalig Hardware für die Maschinenanbindung. Bei SYMESTIC kostet der Plan Professional mit fünf Anlagen ab 850 € pro Monat, netto zzgl. USt., bei jährlicher Abrechnung im Voraus. Eine Gegenüberstellung der Modelle bietet MES-Kosten im Vergleich.
Was ist der Unterschied zwischen MES und ERP?
Das ERP plant, was bis wann produziert wird, und rechnet Kosten ab. Das MES sorgt dafür, dass es in der Fertigung so läuft, und erfasst, was tatsächlich passiert ist. Ohne Fertigungsdatenerfassung kennt das ERP oft nur Soll und Endrückmeldung, nicht die Stunden dazwischen.
Welche Branchen nutzen ein MES?
Diskrete Fertigung und Chargenfertigung, etwa Automobilzulieferer, Metall- und Kunststoffverarbeitung, Elektronik, Lebensmittel und Pharma-Verpackung. In der Pharma kommen Anforderungen an die Validierung hinzu.
Verwandte Themen: OEE · Shopfloor Management · OPC UA · Predictive Maintenance
Quellen
- VDI: VDI 5600 Blatt 1: Fertigungsmanagementsysteme (Manufacturing Execution Systems – MES), Ausgabe 2016-10
- VDI: VDI 5600 Blatt 1, Inhaltsverzeichnis, Ausgabe 2016-10
- IEC: IEC 62264-1: Enterprise-control system integration – Part 1: Models and terminology, Ausgabe 2.0, 2013
- ISA: ISA-95 Series of Standards: Enterprise-Control System Integration
- ISA: ISA Receives MESA International Content, 2026
Der nächste Schritt
Ob sich ein MES lohnt, entscheidet sich am eigenen Prozess und nicht an der Funktionsliste. Wie es an den eigenen Anlagen aussieht, zeigt eine kostenlose Live-Demo am eigenen Anwendungsfall; was es kostet, steht auf der Preisseite.
Die Antworten auf diese Prüffragen halten Sie am besten in einem Lastenheft fest, das sich ebenfalls an VDI 5600 anlehnt.
Vorlage für Word
MES-Lastenheft: Vorlage zum Ausfüllen
Ziele, Maschinenliste und Anforderungen in einer Datei, die jeder Anbieter Zeile für Zeile beantwortet.
- 68 Anforderungen mit Muss, Soll, Kann
- Kosten über fünf Jahre je Anbieter
- Bewertungsmatrix mit Ausschlusskriterien
Anforderungen
Eine Anlage. Vier Wochen. Ihre Kriterien.
Ein Cloud-MES an einer eigenen Maschine prüfen
Bevor Sie ein MES auswählen: Im Proof of Value binden wir eine Ihrer Maschinen an und messen vier Wochen lang nach Ihren Kriterien.
Einstieg500 € einmalig · zzgl. USt.
- 1Eine Anlage anbinden
- 2Vier Wochen live messen
- 3Ergebnis gegen Ihre Kriterien prüfen
Über den Autor
Uwe KobbertGründer & CEO
Seit 1989 in der Fertigungs-IT, seit 1995 entwickelt er MES-Lösungen für die Steuerung und Digitalisierung der Produktion. Dipl.-Ing. Nachrichtentechnik/Elektronik.
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