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TEEP, OAE & OLE: Was OEE nicht zeigt — und welche Kennzahl wann passt

TEEP, OAE & OLE: Was OEE nicht zeigt — und welche Kennzahl wann passt
Von Christian Fieg · Zuletzt aktualisiert: April 2026

TL;DR: OEE misst, wie effizient eine Anlage während der geplanten Produktionszeit arbeitet. Aber OEE zeigt nicht, wie stark eine Anlage insgesamt ausgelastet ist (→ TEEP), wie effizient das Gesamtsystem aus Maschinen, Material und Logistik funktioniert (→ OAE), oder wie produktiv das Personal arbeitet (→ OLE). Jede Kennzahl beantwortet eine andere Frage. Dieser Artikel erklärt die Formeln, rechnet ein durchgängiges Zahlenbeispiel und zeigt, welche Kennzahl für welche Entscheidung die richtige ist.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was zeigt OEE — und was nicht?
  2. TEEP: Wie stark ist die Anlage wirklich ausgelastet?
  3. OAE: Wie effizient arbeitet das Gesamtsystem?
  4. OLE: Wie produktiv arbeitet das Personal?
  5. OEE vs. TEEP vs. OAE vs. OLE: Vergleichstabelle
  6. Welche Kennzahl passt zu welcher Entscheidung?
  7. Durchgängiges Rechenbeispiel
  8. FAQ

Was zeigt OEE — und was nicht?

OEE (Overall Equipment Effectiveness) misst die operative Effizienz einer Maschine oder Linie während der geplanten Produktionszeit. Die Formel: OEE = Verfügbarkeit × Leistung × Qualität.

OEE beantwortet die Frage: Wie gut läuft die Anlage, wenn sie laufen soll? Das ist eine wichtige Frage — aber nicht die einzige. Drei blinde Flecken bleiben:

  • Ungeplante Zeit: OEE ignoriert Wochenenden, Feiertage, nicht geplante Schichten. Eine Anlage mit 90 % OEE, die nur 8 von 24 Stunden geplant ist, nutzt ihr Kapazitätspotenzial zu einem Drittel.
  • Systemverluste: OEE endet an der Maschinengrenze. Materialverspätungen, Logistikstaus zwischen Anlagen oder fehlende Werkzeuge fließen nicht ein.
  • Personalproduktivität: OEE misst Maschinen, nicht Menschen. Bedienfehler, Qualifikationslücken oder Abwesenheiten werden nicht erfasst.

Genau diese Lücken schließen TEEP, OAE und OLE.


Was ist TEEP und wann brauche ich es statt OEE?

TEEP (Total Effective Equipment Performance) erweitert OEE um die ungeplante Zeit. Während OEE nur die geplante Produktionszeit betrachtet, bezieht TEEP die gesamte Kalenderzeit ein — 24 Stunden × 7 Tage.

Formel:

TEEP = OEE × (geplante Produktionszeit ÷ Kalenderzeit)

TEEP beantwortet die Frage: Wie stark ist die Anlage über die gesamte verfügbare Zeit ausgelastet?

Wann TEEP statt OEE verwenden:

  • Investitionsentscheidungen: Brauchen wir eine neue Anlage — oder können wir die vorhandene stärker auslasten?
  • Schichtplanung: Lohnt sich eine dritte Schicht oder ein Wochenend-Betrieb?
  • Kapazitätsplanung: Wie viel Reservekapazität hat das Werk tatsächlich?

Die Praxis-Erkenntnis: Ein Unternehmen mit hoher OEE, aber niedrigem TEEP, hat kein Effizienzproblem — es hat ein Auslastungsproblem. Die Maschine läuft gut, wenn sie läuft. Aber sie läuft zu selten.


Was ist OAE und wie unterscheidet es sich von OEE?

OAE (Overall Asset Effectiveness) erweitert den Blick von der einzelnen Maschine auf das gesamte Produktionssystem. OAE berücksichtigt auch Verluste, die zwischen den Anlagen entstehen: Materialfluss, Logistik, Rüstzeiten, Informationsverluste, Energieverbrauch.

Abgrenzung zur OEE:

OEE misst die Effektivität einer einzelnen Anlage. OAE ergänzt systemische Verluste, die außerhalb der Maschine liegen, aber die Gesamtleistung des Produktionssystems beeinflussen. OAE ist weniger standardisiert als OEE — die genaue Definition und Berechnung variiert je nach Unternehmen und Quelle. Gemeinsam ist allen Definitionen: OAE betrachtet das Zusammenspiel aller Produktionsressourcen, nicht nur einzelne Anlagen.

Beispiel: Eine Linie erreicht 90 % OEE — aber Material trifft regelmäßig 15 Minuten zu spät ein, Transportpuffer zwischen Station 2 und 3 laufen über, und die Werkzeugbereitstellung verzögert den Rüstvorgang. Die OEE dieser Einzelanlage ist hoch. Die Gesamtleistung des Systems ist niedriger.

Wann OAE verwenden:

  • Standortsteuerung: Wie effizient arbeitet das gesamte Werk — nicht nur die Engpassmaschine?
  • Werksvergleich: Vergleich zwischen Standorten auf Systemebene
  • Management-Reporting: Brücke zwischen Shopfloor und Unternehmenssteuerung

Was ist OLE und warum braucht man es neben OEE?

OLE (Overall Labor Effectiveness) überträgt die OEE-Logik auf den Faktor Mensch. Analog zur OEE misst OLE drei Faktoren — aber bezogen auf Mitarbeitende statt auf Maschinen:

Formel:

OLE = Verfügbarkeit (Personal) × Leistung (Personal) × Qualität (Personal)

  • Verfügbarkeit: Anwesenheitsquote — sind die richtigen Mitarbeitenden zur richtigen Zeit am richtigen Arbeitsplatz?
  • Leistung: Arbeitsgeschwindigkeit im Verhältnis zum Soll — wird in der vorgesehenen Taktung gearbeitet?
  • Qualität: Fehlerfreie Arbeitsergebnisse — wie hoch ist die First-Pass-Yield-Rate der manuellen Arbeit?

Wann OLE verwenden:

  • Fertigungen mit hohem manuellem Anteil (Montage, Verpackung, Prüfung)
  • Schichtoptimierung: Welche Schicht arbeitet produktiver — und warum?
  • Qualifikationsmanagement: Wo entstehen Verluste durch Bedienfehler oder fehlende Einarbeitung?

OLE macht sichtbar, was OEE bewusst ausblendet: den Einfluss von Schulung, Kommunikation, Erfahrung und Motivation auf die Gesamtleistung. In Fertigungen, in denen Mensch und Maschine vernetzt agieren, ist das eine entscheidende Ergänzung.


OEE vs. TEEP vs. OAE vs. OLE: Der direkte Vergleich

Kriterium OEE TEEP OAE OLE
Betrachtungsobjekt Maschine / Linie Maschine / Linie Werk / Standort Mitarbeitende
Zeitbasis Geplante Produktionszeit Kalenderzeit (24/7) Variiert (meist Kalenderzeit) Geplante Arbeitszeit
Faktoren V × L × Q (Maschine) OEE × Planungsgrad OEE + systemische Verluste V × L × Q (Personal)
Hauptfrage Wie gut läuft die Anlage? Wie stark ist sie ausgelastet? Wie effizient arbeitet das Gesamtsystem? Wie produktiv arbeitet das Personal?
Standardisierung Hoch (VDI 5600, JIPM) Hoch (abgeleitet von OEE) Gering (variiert) Mittel (KPI-Praxis)
Typischer Nutzer Schichtleiter, Produktion Werksleiter, Planung COO, Werksleitung Produktionsleiter, HR
Datenquelle im MES MDE + BDE MDE + BDE + Schichtkalender MDE + BDE + Logistik + Material BDE + Personal-/Schichtdaten

Welche Kennzahl passt zu welcher Entscheidung?

Entscheidung / Fragestellung Kennzahl Warum
„Warum ist die Ausbringung dieser Linie zu niedrig?" OEE OEE zeigt, ob Verfügbarkeit, Leistung oder Qualität der Engpass ist
„Brauchen wir eine neue Anlage — oder reicht die vorhandene?" TEEP TEEP zeigt, wie viel Kalenderzeit ungenutzt bleibt
„Lohnt sich eine dritte Schicht?" TEEP Differenz zwischen OEE und TEEP zeigt den Planungsgrad
„Warum liegt das Werk unter dem Output-Ziel, obwohl die Einzelanlagen gut laufen?" OAE OAE erfasst systemische Verluste zwischen den Anlagen
„Welche Schicht arbeitet produktiver — und warum?" OLE OLE macht Personalunterschiede messbar
„Wo verlieren wir am meisten — Maschine, System oder Mensch?" Alle vier Jede Kennzahl adressiert eine andere Verlustquelle

Durchgängiges Rechenbeispiel: Dieselbe Linie, vier Kennzahlen

Ausgangslage: Eine Montagelinie, geplant für 2 Schichten (16 h/Tag), 5 Tage/Woche.

Kennzahl Berechnung Ergebnis
OEE Verfügbarkeit 90 % × Leistung 92 % × Qualität 98 % 81,1 %
TEEP OEE 81,1 % × Planungsgrad (80 h ÷ 168 h Kalenderwoche) = 81,1 % × 47,6 % 38,6 %
OLE Anwesenheit 95 % × Arbeitsleistung 90 % × Fehlerfreiheit 98 % 83,8 %

Was die Zahlen zeigen:

  • OEE 81,1 %: Die Linie arbeitet gut — nahe an den Benchmark-Werten für automatisierte Montagefertigung.
  • TEEP 38,6 %: Aber über die Kalenderwoche wird weniger als 40 % des Kapazitätspotenzials genutzt. Bevor in eine neue Linie investiert wird, lohnt sich die Frage: Können wir das 2-Schicht-Modell auf 3 Schichten oder Samstagsarbeit erweitern?
  • OLE 83,8 %: Die Personalproduktivität ist ebenfalls gut, aber die 5 % Anwesenheitsverlust sind adressierbar — Schichtplanung und Vertretungsregelungen optimieren.

OAE ließe sich in diesem Beispiel nicht als einzelne Formel berechnen, da die Definition unternehmensindividuell ist. In der Praxis würde ein MES zusätzlich Materialwartezeiten, Transportverluste und Rüstzeitenüberschreitungen erfassen und dem OEE-Wert gegenüberstellen — die Differenz zeigt die systemischen Verluste.


FAQ

Was ist der Unterschied zwischen OEE und TEEP?
OEE misst die Effizienz während der geplanten Produktionszeit. TEEP erweitert die Betrachtung auf die gesamte Kalenderzeit (24/7). TEEP = OEE × (geplante Zeit ÷ Kalenderzeit). Ein hoher OEE-Wert bei niedrigem TEEP zeigt: Die Anlage läuft gut, wenn sie läuft — aber sie läuft zu selten.

Was ist OAE?
OAE (Overall Asset Effectiveness) betrachtet die Effektivität des gesamten Produktionssystems, nicht nur einzelner Maschinen. OAE berücksichtigt systemische Verluste wie Materialwartezeiten, Logistikstaus und Informationsverluste. Die genaue Definition variiert je nach Unternehmen.

Was ist OLE?
OLE (Overall Labor Effectiveness) misst die Personalproduktivität analog zur OEE: Verfügbarkeit (Anwesenheit), Leistung (Arbeitsgeschwindigkeit vs. Soll) und Qualität (fehlerfreie Arbeitsergebnisse). OLE ist besonders relevant in Fertigungen mit hohem manuellem Anteil.

Brauche ich alle vier Kennzahlen?
Nicht zwingend. OEE ist die Basis und für die meisten Fertigungsunternehmen der wichtigste Startpunkt. TEEP ergänzt bei Kapazitäts- und Investitionsfragen. OLE wird relevant bei hohem manuellem Fertigungsanteil. OAE eignet sich für Management-Reporting auf Werkebene. Der Einstieg erfolgt über OEE — die anderen Kennzahlen kommen hinzu, wenn die Fragestellung es erfordert.

Kann ein MES alle vier Kennzahlen abbilden?
Ein MES liefert die Datenbasis für alle vier Kennzahlen: Maschinendaten für OEE und TEEP, Betriebsdaten und Schichtinformationen für OLE, und Material-/Logistikdaten für OAE. Cloud-native MES-Systeme ermöglichen die Verknüpfung dieser Datenquellen in einem einheitlichen KPI-System.


Das Wichtigste: OEE ist der operative Startpunkt. TEEP, OAE und OLE erweitern den Blick auf Auslastung, System und Mensch. Keine der Kennzahlen ersetzt die andere — jede beantwortet eine andere Frage. Der sinnvolle Einstieg: Zuerst OEE automatisch erfassen, dann bei Bedarf erweitern.

→ Was ist OEE? · → OEE-Formel · → Six Big Losses · → OEE Benchmarks · → OEE Software

Über den Autor
Christian Fieg
Christian Fieg
Head of Sales, SYMESTIC · Six Sigma Black Belt · LinkedIn

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