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Shopfloor Management: Definition, SQCDP-Board & Daily Huddle

Christian Fieg Head of Sales

Veröffentlicht November 20237 Min. Lesezeit

Lernpfad Schritt 2 von 5
Inhalt

    Shopfloor Management (SFM) ist eine Führungsmethode, bei der die Fertigung dort gesteuert wird, wo sie stattfindet: Führungskräfte und Team besprechen in kurzen, festen Runden am Board Kennzahlen und Abweichungen, vergeben Maßnahmen mit Verantwortlichem und Termin und prüfen, ob sie gewirkt haben. REFA nennt drei Kernelemente: Transparenz, Zusammenarbeit und strukturierte Problemlösung.

    „Shopfloor“ ist die Fertigungsebene, also Maschinen, Arbeitsplätze und Montagelinien. Lean spricht vom Gemba, dem Ort, an dem die Wertschöpfung geschieht. Das ifaa-Glossar ordnet Shopfloor Management als Bestandteil ganzheitlicher Produktionssysteme nach dem Vorbild von Toyota ein. Wie das mit Live-Kennzahlen aus den Maschinen aussieht, zeigt die Shopfloor-Management-Software von SYMESTIC.


    Die Kernelemente, die Führung vor Ort und woran sie scheitern

    Ob Shopfloor Management wirkt, sieht man nicht am Board, sondern daran, ob Abweichungen von heute morgen zu Maßnahmen von heute werden. Jedes Element hat ein typisches Fehlerbild, an dem man erkennt, dass es nur noch als Ritual läuft.

    Element Woran man erkennt, dass es wirkt Typisches Fehlerbild
    Transparenz Die Zahlen am Board sind zu Beginn der Runde aktuell und je Schicht aufgeschlüsselt. Die Zahlen sind von gestern oder letzter Woche. Die Runde wird zum Rückblick, auf den niemand mehr reagieren kann.
    Zusammenarbeit Feste Runde, feste Agenda; wer ein Problem hat, sagt es dort und bekommt Hilfe. Die Runde wird zum Bericht an die Führungskraft. Probleme werden geschönt, weil sie als Vorwurf ankommen.
    Problemlösung Jede Abweichung bekommt einen Verantwortlichen, einen Termin und eine Wirkungskontrolle. Die Maßnahmenliste wächst, aber kaum etwas wird geschlossen. Ursachen werden nicht gesucht, nur Symptome behoben.
    Führung vor Ort Führungskräfte sehen sich Abweichungen am Arbeitsplatz an, bevor sie entscheiden. Entscheidungen fallen im Besprechungsraum auf Basis von Berichten; das Board wird zur Dekoration.

    Für die Problemlösung werden häufig der PDCA-Zyklus und die 5-Why-Analyse eingesetzt; den Gang an den Arbeitsplatz beschreibt der Gemba Walk.


    Was auf ein Shopfloor Board gehört

    Nach REFA trägt das Board aktuelle Informationen sowie Aufgaben mit Zuständigkeit, Termin und Status der Maßnahme; besprochen wird davor, vor Ort. Verbreitet ist die Gliederung nach SQCDP: Sicherheit (Safety), Qualität, Kosten, Lieferung (Delivery) und Personal (People), wie sie etwa ein Bericht der hochschule 21 erläutert. SQCDP ist eine Ordnung, keine Norm. Wichtiger als die Felder ist, dass jede Kennzahl ein Ziel hat und eine Abweichung zu einer Maßnahme führt.

    Bereich Typische Kennzahl Beispielwert (Linie A, eine Woche)
    Sicherheit (S) Tage ohne Unfall, Beinahe-Unfälle 45 Tage, 1 Beinahe-Unfall
    Qualität (Q) Ausschussquote, First Pass Yield 2,1 % Ausschuss, FPY 96,8 %
    Kosten (C) OEE, Stück je Schicht OEE 72 %, 580 Stück
    Lieferung (D) Termintreue, Durchlaufzeit 93 %, 2,4 Tage
    Personal (P) Anwesenheit, Verbesserungsideen 98 %, 3 Ideen

    Beispielwerte zur Veranschaulichung, keine Messwerte.


    Ablauf einer Shopfloor-Runde

    Die tägliche Runde, oft Daily Huddle genannt, findet stehend am Board statt und hat eine feste Zeitbox. Sie ist ein Taktgeber, kein Problemlösungs-Workshop: Was länger dauert, wird in eine eigene Runde mit den Beteiligten verschoben. Eine bewährte Reihenfolge:

    1. Kennzahlen prüfen: Soll und Ist der letzten Schicht, nur Abweichungen besprechen.
    2. Abweichungen benennen: Was ist neu aufgetreten, und wo braucht jemand Hilfe?
    3. Maßnahmen nachhalten: Was ist erledigt, was hat gewirkt, was ist überfällig?
    4. Neue Maßnahmen vergeben: mit Name und Termin, sonst ist es keine Maßnahme.
    5. Eskalieren: Was die Runde nicht lösen kann, geht in die nächste Ebene.

    Das ifaa nennt als festzulegende Punkte der täglichen Regelkommunikation: Zeitpunkt, Dauer, Inhalte, Teilnehmer und die Kaskadierung der Gespräche. Kaskadierung heißt, dass die Runden aufeinander aufbauen, etwa erst an der Linie, dann beim Meister, dann in der Werkleitung, damit ein Problem der Frühschicht noch am selben Vormittag dort ankommt, wo Geld oder Personal entschieden wird.

    Ein Fall von der Kennzahl bis zur Wirkung

    Wie die Teile zusammenspielen, zeigt ein Beispiel aus einer Runde an Linie A:

    1. Kennzahl: Ausschuss gestern 3,4 % bei einem Ziel von 2,0 %. Definiert als Ausschussteile geteilt durch produzierte Teile, Quelle ist die Schichtmeldung.
    2. Gespräch, zwei Minuten: Die Frühschicht nennt verbogene Teile nach dem Werkzeugwechsel an Station 3.
    3. Sofortmaßnahme: Die ersten Teile nach jedem Wechsel werden geprüft. Verantwortlich ist die Schichtführung, ab heute.
    4. Eskalation: Die Ursache, ein verschlissenes Werkzeug, kann die Runde nicht beheben. Sie geht in die Meisterrunde am selben Vormittag, dort wird der Ersatz beauftragt.
    5. Wirksamkeit: Die Maßnahme bleibt auf dem Board offen, bis der Ausschuss mehrere Schichten in Folge unter dem Ziel liegt. Erst dann wird sie geschlossen.

    Beispiel zur Veranschaulichung. Entscheidend ist der letzte Schritt: Eine Maßnahme wird erst geschlossen, wenn sie gewirkt hat. Dass sie erledigt ist, reicht dafür nicht.


    Kennzahlen im Shopfloor Management: welche auf welche Ebene

    Wenn die Runden kaskadiert sind, braucht nicht jede Ebene dieselben Zahlen. Je höher die Runde, desto stärker verdichtet sind die Kennzahlen und desto länger ist der Zeitraum, auf den sie sich beziehen. Jede Zahl gehört in die Runde, die selbst auf sie reagieren kann, sonst eine Ebene höher.

    EbeneTypische KennzahlenZeitbezugWorüber die Runde entscheidet
    Linie oder Team, zu Schichtbeginn am BoardStück je Stunde gegen Soll, Stillstände über einer festgelegten Dauer mit Grund, Ausschuss nach Fehlerart, Unfälle und Beinahe-Unfälleletzte Schicht, einzelne StundenSofortmaßnahmen an der Linie
    Meister oder Bereich, nach den LinienrundenOEE je Linie und Schicht, Termintreue der Aufträge, überfällige MaßnahmenVortag, Vergleich der SchichtenPersonal zwischen Linien, Einsatz der Instandhaltung, Material
    WerkleitungOEE-Verlauf je Bereich, Liefertreue, Kosten von Ausschuss und Nacharbeit, KrankenstandWoche, Trend über MonatePrioritäten, Investitionen, Personalplanung

    Zwei Regeln halten die Kaskade zusammen. Erstens rechnet jede Ebene mit derselben Definition: Zählt die Linie Rüsten als Stillstand und die Werkleitung nicht, passen die Zahlen nie zusammen, und jede Runde diskutiert über Rechenwege statt über Abweichungen. Zweitens hat jede Kennzahl ein Ziel und einen Verantwortlichen. Eine Zahl ohne Ziel zeigt keine Abweichung, und ohne Verantwortlichen führt eine Abweichung zu keiner Maßnahme.


    Analog oder digital: wann was

    Für viele Bereiche ist ein Whiteboard das richtige Werkzeug. Digital lohnt sich, wenn die Zahlen von Hand nicht rechtzeitig oder nicht genau genug aufs Board kommen.

    Situation Whiteboard reicht Digitale Daten lohnen sich
    Wie entstehen die Zahlen? Wenige Kennzahlen, die eine Person vor der Runde in Minuten einträgt Stückzahlen, Stillstände und OEE müssen aus Maschinen kommen
    Wie aktuell müssen sie sein? Tageswerte genügen Schichtwerte zu Beginn der nächsten Schicht
    Was soll sichtbar werden? Große Abweichungen Kurze Stillstände und Geschwindigkeitsverluste, die niemand von Hand notiert
    Wie viele Bereiche? Eine Linie, ein Team Mehrere Linien oder Werke, die vergleichbar sein sollen

    Eine Grenze gilt für beide Wege: Ein Dashboard ersetzt nicht den Gang an den Arbeitsplatz. Es zeigt, wo etwas abweicht; warum, sieht man meist erst vor Ort.


    So unterstützt SYMESTIC Shopfloor Management

    SYMESTIC ist ein Cloud-MES. Es erfasst Stückzahlen und Stillstände automatisch an den Maschinen, die Stillstandsgründe geben die Werker am Arbeitsplatz ein, und zeigt alles als Kennzahlen und OEE auf Dashboards, mit Schichtmodellen und Schichtvergleich. Im digitalen Schichtbuch tragen Werker ein, was in der Schicht passiert ist; eine KI-Zusammenfassung erleichtert die Übergabe, die Originaleinträge bleiben unverändert. Meleghy Automotive hat SYMESTIC in vier Werken in sechs Monaten eingeführt, die Stillstände um 10 % gesenkt und die Ausbringung um 7 % erhöht. Funktionen im Einzelnen: Shopfloor-Management-Software.


    Häufige Fragen

    Warum heißt es Shopfloor?

    „Shop floor“ ist im Englischen der Boden der Werkstatt, also die Fläche, auf der produziert wird. Im Deutschen hat sich der Begriff für die Fertigungsebene eingebürgert, im Gegensatz zum „Office Floor“ der Verwaltung.

    Braucht man ein MES für Shopfloor Management?

    Nein. Shopfloor Management ist eine Führungsmethode und funktioniert mit einem Whiteboard. Ein MES hilft, wenn die Zahlen für die Runde aus Maschinen kommen sollen und kurze Stillstände oder Werksvergleiche sichtbar werden müssen.

    Was kostet Shopfloor-Management-Software?

    Das hängt davon ab, ob nur Boards digitalisiert oder auch Maschinendaten erfasst werden. Bei SYMESTIC kostet der Plan Professional mit fünf Anlagen ab 850 € pro Monat, netto zzgl. USt., bei jährlicher Abrechnung im Voraus; Einzelheiten stehen auf der Preisseite.

    Verwandte Themen: Betriebsdatenerfassung · Maschinendatenerfassung · Kaizen · KVP · Lean Manufacturing


    Quellen


    Der nächste Schritt

    Ein Board wirkt nur, wenn die Zahlen darauf aktuell sind. Wie das an den eigenen Linien aussieht, zeigt eine kostenlose Live-Demo am eigenen Anwendungsfall; wie andere Fertiger vorgegangen sind, steht in den Referenzen.

    • Live-Demo
    • 30 Minuten
    • Kostenlos

    Ein digitales Shopfloor-Board im Einsatz sehen

    In einer Live-Demo zeigen wir die Zahlen, die ein Team in seiner Shopfloor-Runde sieht, von Stillständen über Ausbringung bis Qualität.

    • OEE live
    • Stillstände und Gründe
    • Maschinen und ERP anbinden

    Über den Autor

    Christian FiegHead of Sales

    Six Sigma Black Belt mit über 25 Jahren in der Fertigungsindustrie, zuvor bei Johnson Controls, Visteon, iTAC und Dürr. Autor des Buchs „OEE: Eine Zahl, viele Lügen“.

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