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First-Time-Fix-Rate: Formel und Zählregeln

Martin Brandel MES Consultant & Projektleiter

Veröffentlicht Oktober 20264 Min. Lesezeit

Inhalt

    Die First-Time-Fix-Rate (FTFR) ist der Anteil der Störungen, die beim ersten Einsatz dauerhaft behoben sind, ohne dass für dasselbe Problem ein zweiter Einsatz nötig wird. Verbreitet ist sie im technischen Kundendienst, sie lässt sich aber genauso in der eigenen Instandhaltung anwenden.

    First-Time-Fix-Rate = beim ersten Einsatz behobene Störungen ÷ alle Störungen × 100 %

    Die VDI-Richtlinie 2893 gibt eine Anleitung, wie Kennzahlen für die Instandhaltung gebildet werden (VDI 2893). Was bei der FTFR als erster Einsatz und was als behoben gilt, legt jeder Betrieb selbst fest. Ohne diese Festlegung sind zwei Werte nicht vergleichbar.

    Rechenbeispiel aus einem Monat

    Die Zahlen sind ausgedacht und dienen nur der Anschauung. Die Instandhaltung eines Werks bearbeitet in einem Monat 120 Störungen. 96 davon sind nach dem ersten Einsatz erledigt, 24 brauchen einen zweiten.

    FTFR = 96 ÷ 120 × 100 % = 80 %

    Wichtiger als die Quote sind die Gründe für die 24 Folgeeinsätze:

    Grund für den FolgeeinsatzAnzahlGegenmaßnahme
    Ersatzteil nicht vor Ort8Mindestbestand für Ersatzteile mit wiederkehrendem Bedarf, Ersatzteilliste je Anlage
    Ursache falsch eingeschätzt, nur Symptom behoben7Störhistorie der Anlage vor dem Einsatz ansehen
    Störung innerhalb von 48 Stunden wieder aufgetreten5Ursachenanalyse ab der zweiten Wiederholung
    Fremdfirma oder Spezialist nötig4Fälle vorab einstufen, Spezialist gleich beim ersten Einsatz einplanen

    Die Liste zeigt, wo die Rate verloren geht. Acht der 24 Folgeeinsätze gehen auf das Ersatzteillager zurück, und das löst kein Techniker allein.

    Zählregeln festlegen

    Je nach Regel ergibt derselbe Monat eine andere Kennzahl. Diese Fragen sollte die Instandhaltung einmal beantworten und dann beibehalten:

    FrageMögliche RegelWirkung auf die Kennzahl
    Was ist ein Einsatz?jeder Gang zur Anlage oder jeder InstandhaltungsauftragJe Auftrag gezählt, fallen kurze Rückfragen heraus, die Rate steigt
    Ab wann gilt eine Störung als behoben?Wiederkehrfenster von 24 Stunden, 48 Stunden oder 7 TagenJe länger das Fenster, desto niedriger die Rate, desto ehrlicher der Wert
    Zählen Fälle mit fehlendem Ersatzteil?mitzählen oder getrennt ausweisenGetrennt ausgewiesen, zeigt sich das Lagerproblem
    Zählt, was der Bediener selbst behebt?ein- oder ausschließenEingeschlossen, steigt die Rate, ohne dass die Instandhaltung besser wird
    Zählt geplante Wartung?nur Störungen, keine geplanten ArbeitenGeplante Wartung verfälscht die Rate nach oben

    FTFR, MTTR, MTBF und Wiederholfehler

    KennzahlWas sie misstFormel
    First-Time-Fix-RateQualität des Einsatzesbeim ersten Einsatz behoben ÷ alle Störungen
    MTTRmittlere Dauer bis zur WiederinbetriebnahmeSumme der Reparaturzeiten ÷ Anzahl der Reparaturen
    MTBFmittlere Betriebszeit zwischen zwei AusfällenBetriebszeit ÷ Anzahl der Ausfälle
    Wiederholfehler-QuoteAnteil der Störungen, die im Zeitfenster wiederkehrenwiederkehrende Störungen ÷ alle Störungen

    Die Kennzahlen gehören zusammen gelesen. Wer gründlich nach der Ursache sucht, braucht länger, die MTTR steigt. Dafür kommt er seltener zurück, und FTFR wie MTBF steigen. Eine Instandhaltung, die nur auf die MTTR achtet, belohnt schnelles Wiederanfahren, auch wenn die Störung am nächsten Tag zurückkommt. Nicht verwechseln sollte man die FTFR mit dem First Pass Yield: Der misst den Anteil der Bauteile, die ohne Nacharbeit gut sind. MTBF und MTTR aus eigenen Zahlen rechnet der MTBF-MTTR-Rechner.

    Woran eine niedrige Rate liegen kann

    • Ungenaue Störmeldung. „Anlage steht“ sagt dem Techniker nicht, welches Werkzeug und welches Ersatzteil er mitbringen muss.
    • Fehlende Störhistorie. Wer nicht sieht, dass dieselbe Störung dreimal in zwei Wochen auftrat, behebt das Symptom ein viertes Mal. Wie die Störungsbehebung selbst organisiert wird, beschreibt der Beitrag zur Corrective Maintenance.
    • Ersatzteile. Ist das Ersatzteil nicht vor Ort, wird aus einem Einsatz zwangsläufig ein zweiter.
    • Wissen bei einer Person. Kennt nur ein Techniker die Eigenheiten einer Anlage, hängt die Rate an seinem Schichtplan.

    Störungsdaten mit SYMESTIC

    SYMESTIC ist kein Instandhaltungssystem, die FTFR zählt man dort, wo die Instandhaltungsaufträge geführt werden. SYMESTIC liefert die Grundlage dafür. Stillstände werden automatisch erfasst, auch ohne Maschinensignal, und mit ihrem Grund ausgewertet. Alarme und Störmeldungen gehen per Push oder E-Mail an die Instandhaltung. MTBF und MTTR stehen als Kennzahlen bereit, und über die REST-API gelangen die Daten in die Instandhaltungssoftware. Die Stillstandsgründe je Anlage zeigen, ob dieselbe Störung wiederkehrt.

    Mehr dazu auf den Seiten zum Alarmmanagement und für die Instandhaltung.

    Quellen

    Martin Brandel
    Über den Autor:
    Martin Brandel
    MES Consultant und Projektleiter bei der symestic GmbH, Schwerpunkt industrielle Automatisierung und Maschinenanbindung. Dipl.-Ing. Nachrichtentechnik.
    LinkedIn

    Wie Störungen automatisch erfasst und an die Instandhaltung gemeldet werden, zeigt eine kostenlose Demo am eigenen Anwendungsfall.

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