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Kaikaku: Bedeutung und Unterschied zu Kaizen

Christian Fieg Head of Sales

Veröffentlicht Oktober 20265 Min. Lesezeit

Inhalt

    Kaikaku (japanisch 改革, Reform) bezeichnet im Lean Management den radikalen Umbau eines Prozesses, einer Linie oder eines ganzen Wertstroms in kurzer Zeit. Kaizen reiht viele kleine Verbesserungen aneinander. Kaikaku ersetzt den bisherigen Ablauf auf einmal durch einen neuen, etwa durch ein anderes Layout, eine andere Fertigungsform oder eine neue Technologie.

    Das Lexikon des Lean Enterprise Institute beschreibt Kaikaku als radikale Verbesserung eines Wertstroms, die schnell mehr Wert mit weniger Verschwendung schafft, und nennt es auch Breakthrough Kaizen. Als Beispiel führt es an, Maschinen an einem Wochenende so umzustellen, dass Produkte, die vorher in Losen in getrennten Abteilungen entstanden, im Ein-Stück-Fluss in einer kompakten Zelle gefertigt werden (Lean Enterprise Institute). Bei den Zulieferern von Toyota kam der Kaikaku vor dem Kaizen: Anfang der 1970er-Jahre stellten sie von Losfertigung auf Fluss um, danach folgten viele kleine Verbesserungen (Dan Jones, Lean Post).

    Kaikaku und Kaizen im Vergleich

    Helmold und Koautoren beschreiben Kaikaku als von oben angestoßenen Sprung, der meist größere Investitionen verlangt, Kaizen als stetige Verbesserung aus der Belegschaft (Springer).

    MerkmalKaizenKaikaku
    Schrittgrößeviele kleine Schritteein großer Sprung
    Dauerfortlaufendbegrenztes Projekt, der Umbau selbst manchmal nur ein Wochenende
    AnstoßTeam am ArbeitsplatzLeitung, von oben
    Investitiongeringhöher als bei Kaizen, je nach Umbau vom Umstellen bis zur Neuanlage
    Risikogering, jeder Schritt lässt sich zurücknehmenhöher, der alte Ablauf ist danach weg
    Ergebnisder Prozess wird schrittweise bessereine neue Ausgangslage, die Kaizen dann stabilisiert

    Die beiden Ansätze schließen sich nicht aus. Nach einem Kaikaku läuft der neue Prozess selten sofort rund, und die Stabilisierung danach ist Kaizen-Arbeit. Wie kontinuierliche Verbesserung im Alltag organisiert wird, beschreibt der Beitrag zu Kaizen. Das Lexikon des Lean Enterprise Institute führt den Kaizen-Workshop als eigenen Eintrag. Danach setzt ein Team in rund fünf Tagen eine deutliche Verbesserung um (LEI). Ob ein solcher Workshop schon ein Kaikaku ist, hängt davon ab, ob er den Ablauf ersetzt oder verbessert.

    Wann ein Kaikaku angebracht ist

    • Die kleinen Schritte stoßen an eine Grenze, die im Aufbau liegt, etwa an die langen Transportwege einer Werkstattfertigung.
    • Ein neues Produkt oder eine neue Variante passt nicht in den bestehenden Ablauf.
    • Eine Technologie ändert den Prozess grundlegend, etwa Schweißen statt Schrauben.
    • Der Markt verlangt eine Lieferzeit, die der heutige Durchlauf nicht schafft.

    Wie ein Kaikaku abläuft

    1. Ausgangslage messen. Durchlaufzeit, Bestände, OEE, Ausschuss und Rüstzeiten über mehrere Wochen erfassen. Ohne diese Werte lässt sich später nicht sagen, was der Umbau gebracht hat.
    2. Zielzustand entwerfen. Meist als Soll-Wertstrom mit Fluss, Takt und Layout, abgeleitet aus einer Wertstromanalyse.
    3. Umbau vorbereiten. Reihenfolge festlegen, Puffer vorproduzieren, Mitarbeiter schulen, nötige Freigaben einholen.
    4. Umstellen. In einem festen Zeitfenster, etwa in den Betriebsferien oder an einem langen Wochenende.
    5. Stabilisieren. Abweichungen täglich auswerten und mit Kaizen nacharbeiten, bis die Zielwerte erreicht sind.

    Beispiel: von der Werkstattfertigung zur Fertigungszelle

    Die Zahlen sind ausgedacht und dienen nur der Anschauung. Ein Hersteller fertigt Hydraulikblöcke in drei Abteilungen: Sägen, Fräsen sowie Entgraten und Waschen. Jede Abteilung arbeitet ihre Lose von 200 Stück nacheinander ab, dazwischen wartet Material im Puffer. Die Wochenmenge liegt bei 1.200 Blöcken. Ein Kaikaku stellt die drei Schritte als U-förmige Zelle nebeneinander, die Losgröße sinkt auf 20 Stück.

    KennzahlvorherWoche 2 nach dem UmbauWoche 10 nach dem Umbau
    Durchlaufzeit eines Blocks durch alle drei Schritte9 Arbeitstage3 Arbeitstage1,5 Arbeitstage
    Bestand zwischen den Schritten1.400 Blöcke300 Blöcke120 Blöcke
    Rüstvorgänge an der Fräsmaschine je Woche66060
    Rüstzeit je Vorgang60 min20 min8 min
    Rüstzeit gesamt je Woche6 h20 h8 h
    OEE der Fräsmaschine68 %52 %66 %

    Durchlaufzeit und Bestand fallen sofort. Die OEE der Fräsmaschine sinkt zunächst, weil zehnmal kleinere Lose zehnmal öfter gerüstet werden. Erst als die Rüstzeit mit SMED auf 8 Minuten sinkt, erholt sie sich auf 66 %, knapp unter dem alten Wert, weil die Rüstzeit je Woche mit 8 Stunden noch über den 6 Stunden von vorher liegt. Der Gewinn des Umbaus liegt in Durchlaufzeit und Bestand. Wer in Woche 2 nur auf die OEE schaut, hält den Umbau für einen Fehler. Darum gehören zu einem Kaikaku Zielwerte für mehrere Kennzahlen und ein fester Zeitraum für die Stabilisierung.

    Risiken und wie man sie begrenzt

    • Akzeptanz. Wer den alten Ablauf jahrelang beherrscht hat, verliert seine Routine. Die Mitarbeiter gehören deshalb schon in den Entwurf des Zielzustands.
    • Lieferfähigkeit während des Umbaus. Puffer vorproduzieren und den Umbau in Abschnitte teilen.
    • Fehlende Ausgangswerte. Ohne Messung vorher bleibt jeder Erfolg eine Behauptung.
    • Rückfall. Ändert sich das Denken im Management nicht mit, fällt der Prozess zurück, warnt Dan Jones, und kein Kaizen hole ihn aus diesem Loch. Ohne tägliche Auswertung nach dem Umbau kehren alte Gewohnheiten zurück, etwa größere Lose, um Rüsten zu sparen.

    Was SYMESTIC zu einem Kaikaku beiträgt

    SYMESTIC plant keinen Umbau. Es liefert die Messung davor und danach. Stückzahlen, Ausschuss und Stillstände werden automatisch erfasst, die OEE ist je Maschine und Schicht live sichtbar, und Rüsten wird als eigener Stillstandsgrund gezählt. Das digitale Schichtbuch hält fest, was in der Umstellungsphase je Schicht passiert ist. So lässt sich die Ausgangslage vor dem Kaikaku festhalten und in der Stabilisierung Woche für Woche vergleichen.

    Mehr dazu auf den Seiten zur OEE-Software und zum Reduzieren von Rüstzeiten.

    Quellen

    Christian Fieg
    Über den Autor:
    Christian Fieg
    Head of Sales bei SYMESTIC. Zuvor iTAC, Dürr, Visteon. Six Sigma Black Belt. Autor von "OEE: Eine Zahl, viele Lügen".
    LinkedIn

    Wie OEE, Rüstzeiten und Stillstände vor und nach einem Umbau live gemessen werden, zeigt eine kostenlose Demo am eigenen Anwendungsfall.

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