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PPAP: die 18 Elemente und der Vergleich mit PPF

Christian Fieg Head of Sales

Veröffentlicht Oktober 20265 Min. Lesezeit

Inhalt

    PPAP steht für Production Part Approval Process, das Verfahren der Automotive Industry Action Group (AIAG) zur Freigabe von Serienbauteilen. Der Lieferant weist damit nach, dass er die Anforderungen aus Konstruktionsunterlagen und Spezifikation dauerhaft erfüllt (AIAG). Das Handbuch gehört zu den Core Tools der AIAG, neben APQP, Control Plan, FMEA, MSA und SPC.

    In Deutschland heißt das Gegenstück Produktionsprozess- und Produktfreigabe (PPF). Es ist im VDA Band 2 geregelt, den es seit 1975 gibt; die 7. Auflage stammt vom Januar 2026 (VDA QMC). Welches Verfahren gilt, legt der Kunde fest.

    Die 18 Elemente und ihre Entsprechung im VDA Band 2

    Anlage 2 des VDA Band 2 stellt die Nachweise beider Verfahren gegenüber. Die rechte Spalte nennt die Nummern der VDA-Nachweise, römische Ziffern stehen für die Anforderungsdokumente.

    Nr.PPAP-ElementWas es nachweistVDA Band 2
    1Design RecordsKonstruktionsunterlagen, dazu die Materialdaten (etwa per IMDS, bei AIAG Unterpunkt 1.1)I., 3.14; Materialdaten 3.1
    2Engineering Change Documentsgenehmigte KonstruktionsänderungenII.
    3Customer Engineering ApprovalFreigabe durch die Entwicklung des KundenIII.
    4Design FMEARisikoanalyse des Produkts1.1
    5Process Flow ChartAblauf des Fertigungsprozesses2.1
    6Process FMEARisikoanalyse des Prozesses2.2
    7Control PlanLenkung des Prozesses (Produktionslenkungsplan)2.3
    8Measurement System AnalysisEignung der Messsysteme5.5
    9Dimensional ResultsMaßergebnisse3.2
    10Material / Performance Test ResultsWerkstoff, Funktion, Oberfläche, Sauberkeit, Zuverlässigkeit, EMV und weitere Prüfungen3.3 bis 3.6, 3.8 bis 3.13
    11Initial Process StudiesAbsicherung besonderer Merkmale, etwa über Prozessfähigkeit4.1
    12Qualified Laboratory DocumentationQualifikation der Prüflabore5.5
    13Appearance Approval ReportAussehen3.7
    14Sample ProductMusterteile5.3
    15Master SampleRückstellmuster5.4
    16Checking AidsPrüfmittel5.5
    17Customer-Specific RequirementsErfüllung kundenspezifischer Anforderungen5.9, 3.14
    18Part Submission Warrant (PSW)zusammenfassende Erklärung des Lieferanten0.1 PPF-Bericht inkl. Selbstbeurteilung

    Mehrere VDA-Nachweise haben laut Anlage 2 kein direktes Gegenstück im PPAP, darunter die Produktionsprozesskapazität (4.2), die Freigabe des Serienprozesses durch den Lieferanten selbst (4.3), der PPF-Status der Lieferkette (5.2) und der Teilelebenslauf (5.6). Für Software verweist die Anlage auf CQI-34 der AIAG. Diese Nachweise sieht PPAP nicht vor, sie kommen bei Kunden hinzu, die nach VDA Band 2 freigeben.

    PPF nach VDA Band 2: risikobasiert seit der 7. Auflage

    Seit der 7. Auflage richtet sich der Umfang des PPF-Verfahrens nach dem Risikograd des Bauteils, und bestehende Nachweise dürfen referenziert werden (VDA Band 2). Ergebnisse aus Freigaben anderer Verbände, etwa einem AIAG-PPAP, lassen sich laut VDA Band 2 nutzen. Die VDA-Vorlagestufen und die bedingte Freigabe hat schon die 6. Auflage von 2020 gestrichen. Nachweise erbringt der Lieferant per Selbstbeurteilung oder per Vorlage beim Kunden.

    Welche PPAP-Unterlagen Sie einreichen und welche Sie nur bereithalten, klären Sie vor der Bemusterung mit dem Kunden, wenn Bestellung und kundenspezifische Anforderungen nichts dazu sagen.

    Beispiel: Prozessfähigkeit für Element 11

    Element 11 verlangt den Nachweis, dass der Prozess besondere Merkmale fähig fertigt. Welcher Index gilt und welcher Mindestwert, legt der Kunde fest. Der Rechenweg bleibt derselbe. Die Zahlen sind ausgedacht.

    • Merkmal: Bohrungsdurchmesser 10,00 ± 0,20 mm, untere Grenze 9,80 mm, obere Grenze 10,20 mm
    • Mittelwert aus der Vorserie 10,05 mm, Standardabweichung 0,04 mm
    • Abstand zur oberen Grenze: (10,20 − 10,05) / (3 × 0,04) = 0,15 / 0,12 = 1,25
    • Abstand zur unteren Grenze: (10,05 − 9,80) / (3 × 0,04) = 0,25 / 0,12 = 2,08
    • Der kleinere Wert ist der Fähigkeitsindex, hier 1,25

    Der Prozess hält zur unteren Grenze viel Abstand und liegt zu nah an der oberen. Wer den Mittelwert um 0,05 mm auf 10,00 mm verschiebt, erreicht bei gleicher Streuung 1,67 auf beiden Seiten. Ob mit kurzfristiger Streuung (Cpk) oder mit der Gesamtstreuung (Ppk) gerechnet wird, ändert nur die Standardabweichung in der Formel. Eigene Werte rechnet der Cpk-Rechner.

    Wo PPAP-Nachweise in der Serie brüchig werden

    Der PSW bestätigt den Stand zum Zeitpunkt der Bemusterung. Ändern sich danach Werkzeug, Material, Standort oder Prozess, kann die Freigabe ihre Grundlage verlieren. Nach VDA Band 2 bewertet der Lieferant die Auswirkung einer Änderung und führt bei Bedarf erneut eine Freigabe durch; was dabei gilt, vereinbart er mit dem Kunden und hält es im Nachweis 0.2 fest, der Dokumentation der Vereinbarung zur Requalifikation.

    Die zweite Bruchstelle ist leiser. Die Fähigkeit aus Element 11 gilt für die Vorserie. Driftet der Prozess in der Serie, merkt das niemand, solange die Werte nur zur Bemusterung erhoben wurden. Der Produktionslenkungsplan legt deshalb fest, welche Merkmale laufend überwacht werden.

    Prozessdaten nach der Freigabe mit SYMESTIC

    SYMESTIC ist ein Cloud-MES und erstellt keine PPAP-Unterlagen. Prüfplanung, Freigabedokumente und die Fähigkeit von Prüfmerkmalen wie dem Bohrungsdurchmesser im Beispiel bleiben in Ihrem CAQ-System, das sich über die REST-API anbinden lässt. Nach der Freigabe zeigt SYMESTIC, ob erfasste Prozessparameter in der Serie in ihren Grenzen bleiben.

    • Eingriffsgrenzen und Prozessfähigkeit Cp/Cpk je Prozessparameter und Zeitraum im Widget Prozessstabilität
    • Qualitätsprüfung je Bauteil mit Seriennummer, OK oder NOK und Fehlergrund
    • Fehlerquote in Prozent oder PPM mit Verlauf

    Mehr dazu auf der Seite Prozessdaten überwachen.

    Quellen

    Christian Fieg
    Über den Autor:
    Christian Fieg
    Head of Sales bei SYMESTIC. Zuvor iTAC, Dürr, Visteon. Six Sigma Black Belt. Autor von "OEE: Eine Zahl, viele Lügen".
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