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PPAP steht für Production Part Approval Process, das Verfahren der Automotive Industry Action Group (AIAG) zur Freigabe von Serienbauteilen. Der Lieferant weist damit nach, dass er die Anforderungen aus Konstruktionsunterlagen und Spezifikation dauerhaft erfüllt (AIAG). Das Handbuch gehört zu den Core Tools der AIAG, neben APQP, Control Plan, FMEA, MSA und SPC.
In Deutschland heißt das Gegenstück Produktionsprozess- und Produktfreigabe (PPF). Es ist im VDA Band 2 geregelt, den es seit 1975 gibt; die 7. Auflage stammt vom Januar 2026 (VDA QMC). Welches Verfahren gilt, legt der Kunde fest.
Die 18 Elemente und ihre Entsprechung im VDA Band 2
Anlage 2 des VDA Band 2 stellt die Nachweise beider Verfahren gegenüber. Die rechte Spalte nennt die Nummern der VDA-Nachweise, römische Ziffern stehen für die Anforderungsdokumente.
| Nr. | PPAP-Element | Was es nachweist | VDA Band 2 |
|---|---|---|---|
| 1 | Design Records | Konstruktionsunterlagen, dazu die Materialdaten (etwa per IMDS, bei AIAG Unterpunkt 1.1) | I., 3.14; Materialdaten 3.1 |
| 2 | Engineering Change Documents | genehmigte Konstruktionsänderungen | II. |
| 3 | Customer Engineering Approval | Freigabe durch die Entwicklung des Kunden | III. |
| 4 | Design FMEA | Risikoanalyse des Produkts | 1.1 |
| 5 | Process Flow Chart | Ablauf des Fertigungsprozesses | 2.1 |
| 6 | Process FMEA | Risikoanalyse des Prozesses | 2.2 |
| 7 | Control Plan | Lenkung des Prozesses (Produktionslenkungsplan) | 2.3 |
| 8 | Measurement System Analysis | Eignung der Messsysteme | 5.5 |
| 9 | Dimensional Results | Maßergebnisse | 3.2 |
| 10 | Material / Performance Test Results | Werkstoff, Funktion, Oberfläche, Sauberkeit, Zuverlässigkeit, EMV und weitere Prüfungen | 3.3 bis 3.6, 3.8 bis 3.13 |
| 11 | Initial Process Studies | Absicherung besonderer Merkmale, etwa über Prozessfähigkeit | 4.1 |
| 12 | Qualified Laboratory Documentation | Qualifikation der Prüflabore | 5.5 |
| 13 | Appearance Approval Report | Aussehen | 3.7 |
| 14 | Sample Product | Musterteile | 5.3 |
| 15 | Master Sample | Rückstellmuster | 5.4 |
| 16 | Checking Aids | Prüfmittel | 5.5 |
| 17 | Customer-Specific Requirements | Erfüllung kundenspezifischer Anforderungen | 5.9, 3.14 |
| 18 | Part Submission Warrant (PSW) | zusammenfassende Erklärung des Lieferanten | 0.1 PPF-Bericht inkl. Selbstbeurteilung |
Mehrere VDA-Nachweise haben laut Anlage 2 kein direktes Gegenstück im PPAP, darunter die Produktionsprozesskapazität (4.2), die Freigabe des Serienprozesses durch den Lieferanten selbst (4.3), der PPF-Status der Lieferkette (5.2) und der Teilelebenslauf (5.6). Für Software verweist die Anlage auf CQI-34 der AIAG. Diese Nachweise sieht PPAP nicht vor, sie kommen bei Kunden hinzu, die nach VDA Band 2 freigeben.
PPF nach VDA Band 2: risikobasiert seit der 7. Auflage
Seit der 7. Auflage richtet sich der Umfang des PPF-Verfahrens nach dem Risikograd des Bauteils, und bestehende Nachweise dürfen referenziert werden (VDA Band 2). Ergebnisse aus Freigaben anderer Verbände, etwa einem AIAG-PPAP, lassen sich laut VDA Band 2 nutzen. Die VDA-Vorlagestufen und die bedingte Freigabe hat schon die 6. Auflage von 2020 gestrichen. Nachweise erbringt der Lieferant per Selbstbeurteilung oder per Vorlage beim Kunden.
Welche PPAP-Unterlagen Sie einreichen und welche Sie nur bereithalten, klären Sie vor der Bemusterung mit dem Kunden, wenn Bestellung und kundenspezifische Anforderungen nichts dazu sagen.
Beispiel: Prozessfähigkeit für Element 11
Element 11 verlangt den Nachweis, dass der Prozess besondere Merkmale fähig fertigt. Welcher Index gilt und welcher Mindestwert, legt der Kunde fest. Der Rechenweg bleibt derselbe. Die Zahlen sind ausgedacht.
- Merkmal: Bohrungsdurchmesser 10,00 ± 0,20 mm, untere Grenze 9,80 mm, obere Grenze 10,20 mm
- Mittelwert aus der Vorserie 10,05 mm, Standardabweichung 0,04 mm
- Abstand zur oberen Grenze: (10,20 − 10,05) / (3 × 0,04) = 0,15 / 0,12 = 1,25
- Abstand zur unteren Grenze: (10,05 − 9,80) / (3 × 0,04) = 0,25 / 0,12 = 2,08
- Der kleinere Wert ist der Fähigkeitsindex, hier 1,25
Der Prozess hält zur unteren Grenze viel Abstand und liegt zu nah an der oberen. Wer den Mittelwert um 0,05 mm auf 10,00 mm verschiebt, erreicht bei gleicher Streuung 1,67 auf beiden Seiten. Ob mit kurzfristiger Streuung (Cpk) oder mit der Gesamtstreuung (Ppk) gerechnet wird, ändert nur die Standardabweichung in der Formel. Eigene Werte rechnet der Cpk-Rechner.
Wo PPAP-Nachweise in der Serie brüchig werden
Der PSW bestätigt den Stand zum Zeitpunkt der Bemusterung. Ändern sich danach Werkzeug, Material, Standort oder Prozess, kann die Freigabe ihre Grundlage verlieren. Nach VDA Band 2 bewertet der Lieferant die Auswirkung einer Änderung und führt bei Bedarf erneut eine Freigabe durch; was dabei gilt, vereinbart er mit dem Kunden und hält es im Nachweis 0.2 fest, der Dokumentation der Vereinbarung zur Requalifikation.
Die zweite Bruchstelle ist leiser. Die Fähigkeit aus Element 11 gilt für die Vorserie. Driftet der Prozess in der Serie, merkt das niemand, solange die Werte nur zur Bemusterung erhoben wurden. Der Produktionslenkungsplan legt deshalb fest, welche Merkmale laufend überwacht werden.
Prozessdaten nach der Freigabe mit SYMESTIC
SYMESTIC ist ein Cloud-MES und erstellt keine PPAP-Unterlagen. Prüfplanung, Freigabedokumente und die Fähigkeit von Prüfmerkmalen wie dem Bohrungsdurchmesser im Beispiel bleiben in Ihrem CAQ-System, das sich über die REST-API anbinden lässt. Nach der Freigabe zeigt SYMESTIC, ob erfasste Prozessparameter in der Serie in ihren Grenzen bleiben.
- Eingriffsgrenzen und Prozessfähigkeit Cp/Cpk je Prozessparameter und Zeitraum im Widget Prozessstabilität
- Qualitätsprüfung je Bauteil mit Seriennummer, OK oder NOK und Fehlergrund
- Fehlerquote in Prozent oder PPM mit Verlauf
Mehr dazu auf der Seite Prozessdaten überwachen.
Quellen
- Automotive Industry Action Group (AIAG): Production Part Approval Process (PPAP), 4. Ausgabe
- VDA QMC: VDA Band 2, Sicherung der Qualität von Lieferungen, 7. überarbeitete Auflage, Januar 2026, Anlage 2 Gegenüberstellung PPF – PPAP
Wie Prozessparameter an der Maschine erfasst und mit Cp/Cpk ausgewertet werden, zeigt eine kostenlose Demo am eigenen Anwendungsfall.
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Prozessfähigkeit nach der Freigabe im Blick
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