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Chargenbericht: Inhalt, Vorgaben und Beispiel

Christian Fieg Head of Sales

Veröffentlicht Oktober 20265 Min. Lesezeit

Inhalt

    Ein Chargenbericht, auch Herstellungsprotokoll oder Batch Record, hält fest, wie eine bestimmte Charge hergestellt wurde: welche Einsatzstoffe in welcher Menge, welche Schritte zu welcher Zeit, welche Prüfungen mit welchem Ergebnis und welche Abweichungen. Er ist der Nachweis, dass die Charge nach der freigegebenen Herstellungsanweisung entstanden ist.

    Am genauesten geregelt ist der Chargenbericht für Arzneimittel. In Deutschland verlangt die Arzneimittel- und Wirkstoffherstellungsverordnung, dass jede Charge nach der Herstellungsanweisung hergestellt und vollständig protokolliert wird. Die Leitung der Herstellung bestätigt im Protokoll mit Datum und Unterschrift, dass die Charge der Anweisung entspricht (§ 13 AMWHV). Welche Angaben hineingehören, beschreibt der EU-GMP-Leitfaden.

    Pflichtinhalte nach EU-GMP

    Kapitel 4 des EU-GMP-Leitfadens verlangt für jede verarbeitete Charge ein Protokoll mit diesen Angaben (EU-GMP Kapitel 4, Ziffer 4.20):

    AngabeBeispiel
    Name und Chargennummer des ProduktsTablette 50 mg, Charge 26-1043
    Datum und Uhrzeit von Beginn, wichtigen Zwischenschritten und EndeMischen 06:10 bis 07:05, Pressen ab 07:40
    Kürzel der ausführenden Person je wichtigem Schritt und, wo nötig, Name der prüfenden PersonKürzel an jedem Schritt, Gegenzeichnung beim Einwiegen
    Chargen- oder Prüfnummer und tatsächlich eingewogene Menge jedes AusgangsstoffsWirkstoff Charge W-2211, 10,02 kg
    relevante Verarbeitungsschritte, Ereignisse und die wichtigsten GerätePresse P3, Stillstand 08:20 bis 08:35
    Inprozesskontrollen mit Ergebnis und KürzelTablettengewicht alle 30 Minuten
    erzielte Ausbeute an den wichtigen Stufen der Herstellungnach dem Pressen 98,2 %
    Besonderheiten und jede Abweichung von der Anweisung mit unterschriebener GenehmigungAbweichung Nr. 17, genehmigt
    Bestätigung durch die für die Herstellung verantwortliche PersonUnterschrift der Leitung der Herstellung

    Freigegeben wird die Charge danach von der sachkundigen Person, und zwar erst, wenn Herstellungs- und Prüfprotokoll ordnungsgemäß unterzeichnet sind (§ 16 AMWHV). Für das Verpacken sieht der Leitfaden ein eigenes Verpackungsprotokoll vor (Ziffer 4.21). Die Chargendokumentation wird mindestens ein Jahr nach Verfall der Charge oder fünf Jahre nach ihrer Zertifizierung durch die sachkundige Person aufbewahrt, je nachdem, was länger ist (Ziffer 4.11).

    Rechenbeispiel: Ausbeute und Mengenbilanz

    Die Zahlen sind ausgedacht und dienen nur der Anschauung. Ein Ansatz ist auf 200.000 Tabletten ausgelegt. Die Ausbeute vergleicht, was tatsächlich entstanden ist, mit dem theoretisch möglichen Wert.

    PositionTablettenAnteil
    theoretische Menge laut Ansatz200.000100,00 %
    gute Tabletten nach dem Pressen196.40098,20 %
    Inprozesskontrollen und Rückstellmuster9000,45 %
    Ausschuss beim Anfahren und Einrichten2.1001,05 %
    nicht zugeordnet (Verlust)6000,30 %

    Die Ausbeute nach dem Pressen beträgt 196.400 ÷ 200.000 = 98,2 %. Die Mengenbilanz geht nur auf, wenn jede Position gezählt ist. Im Beispiel erlaubt die Herstellungsanweisung höchstens 0,5 % nicht zugeordneten Verlust, die 0,3 % liegen darunter. Liegt der Rest über dieser Grenze oder die Ausbeute außerhalb der festgelegten Grenzen, ist das eine Abweichung, die vor der Freigabe untersucht wird.

    Papier, Excel oder elektronischer Chargenbericht

    FormStärkeSchwäche
    Papiereinfach, überall verfügbarLesefehler, nachträgliche Einträge, Prüfung jeder Seite von Hand
    ExcelBerechnungen automatischohne Schutz änderbar, Versionen schwer nachweisbar
    elektronischer ChargenberichtWerte direkt aus Waage und Anlage, Plausibilitätsprüfung bei der Eingabemuss validiert werden, Einführung aufwendig

    Für elektronische Aufzeichnungen gelten zusätzliche Anforderungen, in der EU der Anhang 11 des GMP-Leitfadens. Er verlangt nach einer Risikobewertung einen Audit-Trail für GMP-relevante Änderungen und Löschungen (Ziffer 9). Bei einem validierten Prozess, der laufend überwacht und geregelt wird, dürfen automatisch erzeugte Berichte nach Ziffer 4.20 auf eine Zusammenfassung der Einhaltung und auf Abweichungen beschränkt bleiben. Geprüft wird dann vor allem, was vom Normalfall abweicht.

    Häufige Lücken im Chargenbericht

    • Nachträgliche Einträge. Zeiten werden am Ende der Schicht aus dem Gedächtnis ergänzt.
    • Fehlende Kürzel. Ein Schritt ist erledigt, aber niemand hat ihn abgezeichnet.
    • Abweichung ohne Genehmigung. Ein Stillstand oder eine Nacharbeit steht im Protokoll, die Genehmigung fehlt.
    • Unvollständige Mengenbilanz. Ausschuss beim Anfahren wird nicht gezählt, die Ausbeute geht nicht auf.
    • Chargennummern der Einsatzstoffe. Eine Nummer fehlt oder ist falsch übertragen, die Rückverfolgbarkeit reißt ab.

    Wie SYMESTIC Daten für den Chargenbericht liefert

    SYMESTIC führt keinen GMP-Chargenbericht mit elektronischer Unterschrift und Audit-Trail, dafür bleibt das validierte System des Herstellers zuständig. SYMESTIC erfasst die Daten der Linie, die in den Bericht einfließen: Stückzahlen, Ausschuss und Stillstände automatisch, Status und aktuellen Arbeitsgang jedes Auftrags live, die Dokumentation am Arbeitsplatz papierlos. Der Pharma-Verpacker Klocke, der nach GMP arbeitet, hatte alle Linien am Standort in drei Wochen live, ohne Eingriff in die SPS.

    Mehr dazu auf der Seite zur Fertigungssteuerung; den Unterschied zwischen Charge und Chargennummer erklärt der Beitrag zur Chargennummer.

    Quellen

    Christian Fieg
    Über den Autor:
    Christian Fieg
    Head of Sales bei SYMESTIC. Zuvor iTAC, Dürr, Visteon. Six Sigma Black Belt. Autor von "OEE: Eine Zahl, viele Lügen".
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