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MES und SAP-Umstellung: Warum die Fertigung nicht auf S/4HANA warten muss

ERP-Datenkern im Umbau, daneben laufende Fertigung mit stabiler Datenverbindung
Von Uwe Kobbert · Zuletzt aktualisiert: September 2026

In vielen Fertigungen steht gerade dasselbe Projekt an: der Wechsel auf SAP S/4HANA. Er bindet IT, Fachbereiche und Budget über Monate, und dabei wird häufig eine zweite Frage vertagt: Was ist mit der Fertigung? Maschinendaten, Stillstände, Rückmeldungen und Kennzahlen sollen „nach der Umstellung“ kommen.

Dieser Beitrag zeigt, warum sich das Warten oft nicht lohnt, welche Möglichkeiten es gibt und worauf es bei der Anbindung eines MES an SAP ankommt.


Warum gerade jetzt so viele umstellen

SAP hat die Wartung festgelegt: Für die Kernanwendungen der SAP Business Suite 7, darunter SAP ERP 6.0, gibt es die reguläre Wartung bis Ende 2027, danach optional eine erweiterte Wartung bis Ende 2030. Für SAP S/4HANA hat SAP die Wartung bis Ende 2040 zugesagt. Wer noch auf dem alten System arbeitet, plant deshalb in diesen Jahren den Wechsel.


Aus unseren Vertriebsgesprächen

In unseren dokumentierten Telefonaten mit Fertigern (34.875 Gespräche mit Notiz, 2019 bis September 2026) stand in 25 eine laufende SAP-Einführung oder -Umstellung im Vordergrund. In 14 davon wurde das Thema MES auf die Zeit danach verschoben, in 4 sollte SAP selbst die Betriebs- oder Maschinendatenerfassung übernehmen.

In unseren Neukunden-Deals zwischen September 2024 und September 2026 wurden drei Projekte zurückgestellt, bis ein ERP-Wechsel abgeschlossen ist. Das Muster: Die Fertigung will die Daten, aber die Umstellung hat Vorrang.


Was SAP macht und was ein MES macht

Das ERP plant: Aufträge, Material, Termine, Kosten. Das MES erfasst und steuert, was in der Fertigung passiert: welcher Auftrag auf welcher Maschine läuft, wann sie steht, warum sie steht und wie viele Gutteile entstehen. Im Referenzmodell ISA-95 liegt das ERP auf Ebene 4, das MES auf Ebene 3. Die ausführliche Abgrenzung steht in MES vs. ERP, die Frage nach dem BDE-Modul im ERP in BDE im ERP oder eigenes MES?

Für die Umstellung heißt das: Das MES hängt am ERP nur über die Schnittstelle. Aufträge kommen aus dem ERP, Rückmeldungen gehen zurück. Die Anbindung der Maschinen, die Stillstandsgründe und die Kennzahlen liegen im MES und hängen nicht davon ab, welche ERP-Version gerade läuft.


Drei Wege während der Umstellung

Weg Was dafür spricht Was Sie klären sollten
Warten bis nach der Umstellung Ein Projekt weniger zur selben Zeit, IT und Key User bleiben frei Wie lange die Umstellung wirklich dauert und was die Fertigung bis dahin ohne Daten kostet
SAPs eigenes MES (SAP Digital Manufacturing) Ein Anbieter für ERP und MES, naheliegend bei einem konzernweiten SAP-Standard Ob es in den Zeitplan der Umstellung passt, welche Maschinenanbindung es braucht und wer das Projekt im Werk trägt
Eigenständiges MES jetzt, Schnittstelle später umstellen Die Fertigung bekommt ihre Daten sofort, die Anbindung der Maschinen ist unabhängig vom ERP Wie die Schnittstelle heute und nach der Umstellung aussieht und wer sie umstellt

Keiner der drei Wege ist immer richtig. Mit einem konzernweiten SAP-Standard liegt der zweite nahe. Wer im Werk entscheidet und schnell Transparenz braucht, prüft den dritten.


Was ein MES vor der Umstellung für die Umstellung leistet

Ein Punkt wird in der Planung oft übersehen: Die Umstellung selbst braucht Daten aus der Fertigung.

  • Vorgabezeiten und Arbeitspläne. Beim Wechsel werden Stammdaten übernommen oder neu angelegt. Gemessene Ist-Zeiten aus dem MES zeigen, welche Vorgaben nicht mehr stimmen, bevor sie ins neue System wandern.
  • Rückmeldungen ohne Doppelarbeit. Kommen Mengen und Zeiten automatisch aus der Maschine, muss beim Wechsel nur die Gegenstelle geändert werden, nicht die Arbeitsweise in der Fertigung.
  • Ein Vergleich vorher und nachher. Wer die Kennzahlen schon vor der Umstellung misst, sieht, ob die Umstellung die Fertigung stört, und kann es belegen.

SYMESTIC ist bei Kunden an SAP angebunden. Bei Meleghy läuft die Anbindung an SAP R/3 in beide Richtungen, eingeführt in vier Werken innerhalb von sechs Monaten. Die Plattform integriert sich über eine REST-Schnittstelle in bestehende Systeme, Aufträge fließen hinein, Rückmeldungen zurück. Weitere Beispiele stehen unter Referenzen.


Fünf Fragen für die Planung

  1. Welche Daten braucht die Fertigung in den nächsten zwölf Monaten, und kann sie so lange warten?
  2. Welche Stammdaten (Arbeitspläne, Vorgabezeiten) sollen ins neue System, und woher wissen Sie, dass sie stimmen?
  3. Welche Rückmeldungen sollen künftig automatisch kommen, und welche Schnittstelle bietet das neue System dafür?
  4. Wer trägt das Fertigungsthema, während IT und Key User mit der Umstellung ausgelastet sind?
  5. Gibt es eine Konzernvorgabe für das MES, oder entscheidet das Werk?

Wie die Anbindung an Ihr SAP aussehen würde, können Sie in einer kostenlosen Live-Demo am eigenen Anwendungsfall durchgehen.


Häufige Fragen

Ist SAP ein MES?

SAP ERP ist kein MES, es plant und bucht. SAP bietet mit SAP Digital Manufacturing ein eigenes MES-Produkt an. Daneben gibt es eigenständige MES, die über eine Schnittstelle an SAP angebunden werden.

Muss ein MES nach der Umstellung auf S/4HANA neu eingeführt werden?

Nicht, wenn es über eine Schnittstelle angebunden ist. Dann wird die Schnittstelle auf das neue System umgestellt. Maschinenanbindung, Stillstandsgründe und Kennzahlen bleiben, wie sie sind.

Welche Daten tauschen MES und SAP aus?

Typisch sind Fertigungsaufträge und Stammdaten vom ERP zum MES und Rückmeldungen zu Mengen, Zeiten, Ausschuss und Status vom MES zum ERP. Welche Daten genau fließen, wird bei der Anbindung festgelegt.

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