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B2MML: ISA-95-Schema, Beispiel und Alternativen

Mark Kobbert CTO

Veröffentlicht 5 Min. Lesezeit

Inhalt
  1. Was B2MML abbildet
  2. Beispiel: ein Fertigungsauftrag als B2MML
  3. B2MML, OPC UA und REST-API
  4. Typische Stolpersteine
  5. Wann sich B2MML lohnt
  6. Schnittstellen von SYMESTIC zum ERP
  7. Quellen

B2MML (Business To Manufacturing Markup Language) ist eine Sammlung von XML-Schemas, die die Datenmodelle der Norm ANSI/ISA-95 abbildet. Damit lassen sich Aufträge, Stammdaten und Rückmeldungen zwischen der Unternehmensebene mit dem ERP und der Fertigungsebene mit dem MES in einem gemeinsamen Format austauschen. Herausgegeben hat sie MESA International, nach dem Ende von MESA übernimmt ISA die Inhalte. Die Schemas liegen frei auf GitHub, zusammen mit BatchML für die Chargenmodelle nach ISA-88 (MESA).

International ist ISA-95 als IEC 62264 genormt. Teil 1, Modelle und Terminologie, gilt in der Ausgabe 2.0 von 2013 und beschreibt die Schnittstelle zwischen Fertigungsbetrieb und Unternehmensebene (IEC). Die ISA-95-Grundlagen erklärt der Beitrag ISA-95 einfach erklärt.

Was B2MML abbildet

Jedes Schema entspricht einem Objektmodell der Norm. Seit Version 5 gibt es neben den Production-Schemas die allgemeineren Operations-Schemas. Version 7 folgt den ISA-95-Ausgaben von 2018 und führt nur noch die Operations-Schemas.

InhaltB2MML-SchemaTypische Richtung
Fertigungsaufträge und TermineOperationsScheduleERP an MES
Rückmeldung von Mengen, Zeiten, VerbrauchOperationsPerformanceMES an ERP
Arbeitspläne und ProduktdefinitionenOperationsDefinition, ProcessSegmentERP oder PLM an MES
Material, Chargen, BeständeMaterialbeide Richtungen
Anlagen und PersonalEquipment, PhysicalAsset, PersonnelStammdaten an MES
Verfügbare KapazitätOperationsCapabilityMES an ERP

Beispiel: ein Fertigungsauftrag als B2MML

Das Beispiel ist vereinfacht und zeigt einen Auftrag über 500 Buchsen im Arbeitsgang Drehen. Die Elementnamen stammen aus dem Schema B2MML-OperationsSchedule der Version 7. Pflichtfelder und Erweiterungen eines echten Projekts fehlen.

<OperationsSchedule xmlns="http://www.mesa.org/xml/B2MML">
  <ID>PLAN-KW45</ID>
  <OperationsType>Production</OperationsType>
  <OperationsRequest>
    <ID>FA-4711</ID>
    <StartTime>2026-11-02T06:00:00</StartTime>
    <EndTime>2026-11-02T14:00:00</EndTime>
    <Priority>2</Priority>
    <SegmentRequirement>
      <ID>AG-20</ID>
      <ProcessSegmentID>Drehen</ProcessSegmentID>
      <MaterialRequirement>
        <MaterialDefinitionID>Buchse-A12</MaterialDefinitionID>
        <MaterialUse>Produced</MaterialUse>
        <Quantity>
          <QuantityString>500</QuantityString>
          <UnitOfMeasure>Stk</UnitOfMeasure>
        </Quantity>
      </MaterialRequirement>
    </SegmentRequirement>
  </OperationsRequest>
</OperationsSchedule>

Das MES antwortet nach der Fertigung mit einem Dokument OperationsPerformance. Es verweist auf den Auftrag FA-4711 und meldet die gefertigte Menge, den Verbrauch und die Zeiten zurück.

B2MML, OPC UA und REST-API

B2MML ist ein Weg unter mehreren. Welcher passt, hängt davon ab, welche Ebenen miteinander sprechen. Einen Überblick über die Integrationsmuster gibt der Beitrag zur Manufacturing Integration.

WegVerbindetInhaltPasst, wenn
B2MML (XML)ERP und MESganze Dokumente: Auftragsplan, Rückmeldung, Stammdatenbeide Seiten das Schema verarbeiten oder ein Integrationsserver übersetzt
OPC UAMaschine und MESSignale, Zustände, MesswerteMaschinendaten erfasst werden sollen
REST-API mit Webhooks (meist JSON)Anwendung und Anwendungeinzelne Objekte und EreignisseCloud-Anwendungen schnell verbunden werden sollen
Dateischnittstelle (CSV, XML, JSON)ERP und MESDatenpakete in festen Abständenein älteres System keine API anbietet

Typische Stolpersteine

  • Version. Version 6 und Version 7 haben verschiedene Namensräume, und Version 7 enthält die Production-Schemas nicht mehr. Beide Seiten müssen dieselbe Version sprechen.
  • Erweiterungen. Das Schema sieht eigene Erweiterungen vor. Zwei Systeme, die B2MML-konform sind, verstehen sich deshalb nicht automatisch.
  • Bedeutung der Felder. B2MML legt die Struktur fest. Was als Arbeitsgangnummer oder Mengeneinheit gilt, müssen ERP und MES vereinbaren.
  • Pflege des Schemas. Laut ISA hat MESA International den Betrieb zum 30. Juni 2026 eingestellt, die Inhalte übernimmt ISA (ISA). Das letzte Release im Repository ist V7.00.00 vom November 2020, die Schemadateien im Hauptzweig tragen seit 2023 die Version 0701 (GitHub). Wer neu einführt, sollte klären, wo das Schema künftig gepflegt wird.

Wann sich B2MML lohnt

Ein festes Schema spart Arbeit, wenn viele Systeme dieselben Daten austauschen. Bei einer einzelnen Verbindung zwischen einem ERP und einem MES dient das Abbilden auf das Schema samt Versionspflege nur dieser einen Schnittstelle. Im Repository liegt B2MML inzwischen auch als JSON-Schema vor, nach eigener Angabe ungeprüft und ungetestet (GitHub).

Lage im WerkEher B2MMLEher direkte API
Zahl der Systememehrere MES, Werke oder Lieferanten an einem ERPein ERP, ein MES
Vorhandene WerkzeugeIntegrationsserver oder ERP-Modul mit B2MML-Unterstützungbeide Systeme bieten eine REST-API
AusschreibungLastenheft verlangt ISA-95-konforme Nachrichtenkeine Vorgabe zum Format
ÄnderungenStrukturen bleiben über Jahre gleichFelder und Abläufe ändern sich häufig

In beiden Fällen bleibt die eigentliche Arbeit dieselbe: festlegen, welche Felder fließen, wer welche Daten führt und was bei einem Fehler in der Übertragung passiert. Wer ein MES auswählt, nimmt diese Fragen am besten ins Lastenheft auf.

Schnittstellen von SYMESTIC zum ERP

SYMESTIC verbindet sich mit dem ERP über eine standardisierte, dokumentierte REST-API und Webhooks, ohne Kosten für die Schnittstelle. Angebunden sind InforCOM, SAP, Microsoft Dynamics NAV und Microsoft Business Central. Die Schnittstelle geht auch dateibasiert mit XML, CSV oder JSON. Aufträge kommen aus dem ERP, Rückmeldungen gehen zurück.

Mehr dazu auf der Seite zur ERP-Integration; den Vergleich der Systemrollen zeigt der Beitrag MES und ERP.

Quellen

Mark Kobbert
Über den Autor:
Mark Kobbert
CTO der symestic GmbH. Verantwortet die Cloud-MES-Architektur seit 2014. B.Sc. Wirtschaftsinformatik.
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