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MES selbst entwickeln oder kaufen: eine ehrliche Abwägung

Von Christian Fieg · Zuletzt aktualisiert: September 2026

Viele Fertiger haben ihr MES schon, nur heißt es nicht so. Es ist eine Excel-Mappe mit Makros, eine Datenbank, die ein Kollege vor Jahren gebaut hat, ein Zusatz zum ERP oder ein System, das die eigene IT pflegt. Solche Lösungen funktionieren oft erstaunlich gut. Die Frage ist nicht, ob sie funktionieren, sondern was sie kosten, wenn man ehrlich rechnet, und was passiert, wenn die Anforderungen wachsen.

Dieser Beitrag ist eine Abwägung, kein Plädoyer. Es gibt Fälle, in denen die Eigenlösung die richtige Wahl ist.


Aus unseren Vertriebsgesprächen: Der häufigste Gegenspieler ist das Bestehende

Wir haben 122 Neukunden-Deals zwischen September 2024 und September 2026 ausgewertet. Von 75 verlorenen Deals mit einem inhaltlichen Grund endeten 28, weil die Firma beim Bestehenden blieb. Davon hatten 9 eine Eigenentwicklung, 9 eine andere vorhandene Lösung, 10 sahen keinen Bedarf. An einen Wettbewerber gingen 7.

Eine Eigenentwicklung war damit öfter der Grund als alle Wettbewerber zusammen. Wir nehmen das ernst: Wer eine Eigenlösung hat, die trägt, braucht keinen Anbieter, der ihm das Gegenteil erzählt. Er braucht eine ehrliche Rechnung.


Wann die Eigenlösung die richtige Wahl ist

  • Der Bedarf ist klein und stabil: wenige Maschinen, wenige Kennzahlen, kaum Änderungen über die Jahre.
  • Der Prozess ist wirklich einzigartig und lässt sich mit keinem Standard sinnvoll abbilden.
  • Es gibt ein Team, nicht eine Person, das die Lösung dauerhaft weiterentwickelt, dokumentiert und absichert.
  • Das Werk bleibt allein. Weitere Standorte oder ein Konzernstandard sind nicht in Sicht.

Treffen alle vier Punkte zu, spricht viel dafür, bei der Eigenlösung zu bleiben. Wann sich ein MES grundsätzlich nicht lohnt, beschreibt Wann lohnt sich ein MES nicht?


Wo Eigenlösungen teuer werden

Die Kosten einer Eigenlösung stehen selten in einer Kostenstelle. Sie stecken in Arbeitszeit, die nicht gebucht wird, und in Risiken, die erst sichtbar werden, wenn etwas passiert.

Posten Was dahintersteckt Frage für Ihre Rechnung
Pflege und Weiterentwicklung Neue Kennzahlen, neue Auswertungen, Fehlerbehebung Wie viele Stunden im Monat fließen hinein, von wem?
Anbindung neuer Maschinen Jede neue Steuerung, jede neue Schnittstelle Wie lange dauerte die letzte Anbindung?
Wissensträger Die Lösung hängt an einer oder zwei Personen Was passiert, wenn diese Person das Unternehmen verlässt?
Sicherheit und Betrieb Updates von Betriebssystem, Datenbank und Bibliotheken, Sicherung, Zugriffsrechte Wer ist verantwortlich, und wann war das letzte Update?
Weitere Werke Andere Maschinen, andere Sprachen, vergleichbare Kennzahlen Lässt sich die Lösung auf ein zweites Werk übertragen?
Entgangene Verbesserung Was die Lösung nicht zeigt, etwa kurze Stopps oder Leistungsverluste Welche Verluste sehen Sie heute nicht?

Die Zahlen für diese Tabelle kennt nur Ihr Unternehmen. Wir empfehlen, sie einmal auszufüllen, bevor über „Make or Buy“ entschieden wird.


Die Rechnung für die Kaufseite

Auf der anderen Seite der Rechnung stehen bei einem Cloud-MES die Abonnementkosten und die einmalige Hardware. Bei SYMESTIC kostet die Standardkonfiguration aus Plattform und fünf Anlagen 850 € pro Monat, bei jährlicher Abrechnung und einer Vertragslaufzeit von 36 Monaten. Dazu kommen Gateways als einmalige Kaufoption, wo Maschinen keine netzwerkfähige Schnittstelle haben. Die Aufschlüsselung steht auf der Preisseite.

Im Abonnement enthalten sind Onboarding und Updates sowie unbegrenzt viele Nutzer. Betrieb, Sicherung und Aktualisierung der Plattform liegen damit nicht mehr bei der eigenen IT. Was bleibt, ist die Arbeit, die in jedem Fall bei Ihnen liegt: festlegen, was gemessen wird, und mit den Daten arbeiten.


Der Mittelweg: Eigenlösung behalten, Maschinendaten zukaufen

Die Entscheidung muss nicht „alles oder nichts“ sein. Bei manchen Eigenlösungen ist die Maschinenanbindung der schwierigste Teil, während Auswertungen und Berichte gut funktionieren. Dann kann ein MES die Maschinendaten liefern und die eigenen Auswertungen weiter versorgen, über eine Schnittstelle statt über eine Ablösung. SYMESTIC integriert sich über eine REST-Schnittstelle in bestehende Systeme, die Details stehen auf der Plattformseite.


Fünf Fragen, bevor Sie entscheiden

  1. Wer hat die Lösung gebaut, und wer könnte sie morgen weiterentwickeln?
  2. Welche Entscheidung in der Fertigung wurde im letzten Monat mit ihren Daten getroffen?
  3. Wie lange dauert es, eine neue Maschine anzubinden?
  4. Was muss die Lösung in drei Jahren können, was sie heute nicht kann?
  5. Was kostet eine Stunde Stillstand an Ihrer Engpassmaschine, und sieht Ihre Lösung jede dieser Stunden?

Wer die Rechnung an seiner eigenen Fertigung durchgehen will, kann das in einer kostenlosen Live-Demo am eigenen Anwendungsfall tun.


Häufige Fragen

Ist Excel ein MES?

Nein. Excel kann Kennzahlen auswerten, aber es erfasst keine Maschinendaten automatisch und ordnet sie keinem Auftrag in Echtzeit zu. Für kleine Fertigungen mit stabilen Abläufen kann es trotzdem ausreichen. Den Vergleich im Detail zeigt Excel vs. MES in der Produktion.

Kann man eine Eigenentwicklung schrittweise ablösen?

Ja. Ein üblicher Weg ist, zuerst die Maschinenanbindung zu übernehmen und die bestehenden Auswertungen über eine Schnittstelle weiter zu versorgen. Was danach abgelöst wird, entscheiden die Daten.

Was kostet ein MES im Vergleich zur Eigenentwicklung?

Die Kosten eines Cloud-MES stehen im Angebot. Die Kosten einer Eigenentwicklung stecken in Arbeitszeit, Betrieb und Abhängigkeit von Personen. Die Tabelle oben hilft, beide Seiten vergleichbar zu machen.

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