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Prozessüberwachung in der Fertigung: Definition und Methoden

Christian Fieg Head of Sales

Veröffentlicht Oktober 2024Überarbeitet Juni 20266 Min. Lesezeit

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Inhalt
    Von Christian Fieg · Zuletzt aktualisiert: Juni 2026

    Was ist Prozessüberwachung?

    Prozessüberwachung in der Fertigung ist die kontinuierliche Erfassung und Auswertung von Prozessparametern (Taktzeiten, Stückzahlen, Stillstände, Temperatur, Druck, Drehmoment), um Abweichungen vom Sollzustand zu erkennen, bevor sie zu Ausschuss, Stillständen oder Qualitätsproblemen führen.

    Der Kern der Prozessüberwachung ist nicht das Sammeln von Daten. Der Kern ist der Vergleich: Istwert gegen Sollwert, aktueller Zustand gegen erwarteten Zustand, dieses Ergebnis gegen das vorherige. Ohne diesen Vergleich ist jede Datenerfassung nur Protokollierung. Erst der automatische Soll-Ist-Abgleich macht Prozessüberwachung zu einem Werkzeug, das Handlungen auslöst, entweder automatisch (Alarm, Maschinenstopp) oder manuell (Bedienereingriff, Wartungsauftrag).

    In der diskreten Fertigung bezieht sich Prozessüberwachung auf zwei Ebenen gleichzeitig: die Überwachung einzelner Maschinenparameter (läuft die Anlage innerhalb der Toleranz?) und die Überwachung des Produktionsprozesses auf Auftragsebene (liegt die Ausbringung im Plan? Wie viele Gutteile wurden produziert? Welche Stillstände sind aufgetreten?). Beide Ebenen liefern unterschiedliche Informationen an unterschiedliche Rollen, und sie werden von unterschiedlichen Systemen bedient.


    Die vier Ebenen der Prozessüberwachung in der Fertigung

    Prozessüberwachung findet nicht auf einer einzigen Ebene statt. In der Praxis existieren vier Überwachungsebenen, die sich in Datenquelle, Reaktionszeit und Adressat unterscheiden.

    Ebene Was wird überwacht? Typische Datenquellen Wer reagiert?
    Maschinenparameter Temperatur, Druck, Drehmoment, Vibrationen, Stromaufnahme SPS-Signale, Sensoren, OPC-UA SPS automatisch, Bediener bei Alarm
    Produktionsleistung Taktzeiten, Stückzahlen, Stillstände, OEE Maschinendatenerfassung (MDE), MES Schichtleitung, Produktionsleitung
    Qualitätsparameter Maßhaltigkeit, Oberflächengüte, Gewicht, Fehlerquoten Inline-Prüfsysteme, SPC-Software, MES Qualitätssicherung, Prozessingenieure
    Auftragsfortschritt Soll-Ist-Mengen pro Auftrag, Liefertermin-Prognose, Rüststatus Betriebsdatenerfassung (BDE), ERP-Rückmeldung Fertigungssteuerung, Disposition

    Die meisten Betriebe überwachen die erste Ebene (Maschinenparameter) zuverlässig, weil die SPS das automatisch tut. Die Probleme beginnen auf den Ebenen 2 bis 4: Stückzahlen werden manuell erfasst, Stillstände werden erst am Schichtende dokumentiert, und der Auftragsfortschritt ist im ERP nur so aktuell wie die letzte Rückmeldung. Die Lücke zwischen automatischer Maschinenüberwachung und manueller Produktionsüberwachung ist der blinde Fleck, den die meisten Fertigungsbetriebe haben.


    Prozessüberwachung vs. Condition Monitoring vs. SPC: Was überwacht was?

    Die drei Begriffe werden in der Praxis oft verwechselt, beschreiben aber unterschiedliche Überwachungsansätze mit unterschiedlichen Zielen.

    Aspekt Prozessüberwachung Condition Monitoring SPC (Statistical Process Control)
    Überwachungsobjekt Fertigungsprozess (Parameter + Ergebnis) Maschinenzustand (Verschleiß, Alterung) Prozessfähigkeit (statistische Streuung)
    Kernfrage Läuft der Prozess wie geplant? Wann fällt die Maschine aus? Ist der Prozess statistisch beherrscht?
    Typische Kennzahl OEE, Taktzeit, Stillstandsquote Vibrationsniveau, Temperaturtrend Cp/Cpk, Regelkarten, Prozessstreuung
    Zeithorizont Echtzeit bis Schicht Tage bis Wochen (Trendanalyse) Stichprobenbasiert, periodisch
    System MES, MDE/BDE CMS-Sensoren, Predictive-Maintenance-Software SPC-Software, QM-System

    In der Praxis überlappen die Ansätze. Ein MES kann SPC-Daten integrieren und Condition-Monitoring-Signale als Stillstandsgrund kategorisieren. Aber die Unterscheidung ist wichtig, weil jeder Ansatz eine andere Investition, eine andere Dateninfrastruktur und eine andere Organisationsverantwortung erfordert. Wer "Prozessüberwachung einführen" sagt, muss zuerst klären, welche Ebene gemeint ist.


    Warum manuelle Prozessüberwachung in der Fertigung scheitert

    Die meisten Fertigungsbetriebe überwachen ihre Prozesse. Aber sie tun es manuell: Strichlisten für Stückzahlen, Excel-Tabellen für Stillstände, Schichtberichte am Ende des Tages. Die Daten existieren, aber sie kommen zu spät, sind unvollständig und nicht vergleichbar.

    Problem 1: Zeitversatz. Bei manueller Erfassung liegen die Daten frühestens am Schichtende vor, oft erst am nächsten Tag. Eine Anlage kann 4 Stunden unter Plan produzieren, ohne dass jemand eingreift, weil die Abweichung erst im Nachhinein sichtbar wird. In der Zwischenzeit fehlen Gutteile, Liefertermine geraten in Gefahr, und die Schichtleitung erfährt es aus dem Schichtbericht.

    Problem 2: Mikrostillstände sind unsichtbar. Stillstände unter 2 bis 3 Minuten werden manuell nicht erfasst, weil der Bediener sie nicht als Stillstand wahrnimmt. In der Praxis machen diese Mikrostillstände typischerweise 8 bis 12 % der gesamten Produktionszeitverluste aus. Sie sind der größte blinde Fleck der manuellen Prozessüberwachung.

    Problem 3: Keine Korrelation. Manuelle Datenerfassung liefert isolierte Zahlen: Stückzahlen hier, Stillstände dort, Ausschuss irgendwo anders. Die Frage "Welcher Stillstandsgrund hat den größten Einfluss auf die Ausbringung bei Produkt X auf Maschine Y?" kann niemand beantworten, weil die Daten in verschiedenen Excel-Tabellen liegen und nicht verknüpft sind.


    Was sich durch automatische Prozessüberwachung verändert: Drei Branchenszenarien

    In der Metallverarbeitung (Schmiedeprozesse, Umform- und Zerspanungsoperationen) zeigt die Erfahrung aus Implementierungen, dass die bidirektionale ERP-Anbindung die Prozessüberwachung grundlegend verändert. Sobald ein Fertigungsauftrag im ERP freigegeben wird, stehen alle Arbeitsgänge und Zeitdaten automatisch im MES bereit. Während der Produktion fließen Mengen, Zeiten, Stillstände und Statusinformationen direkt zurück ins ERP.
    Der Regelkreis zwischen Planung und Ausführung schließt sich ohne manuelle Zwischenschritte. Ergebnis: 10 % weniger Stillstände, 7 % höhere Ausbringung und eine Echtzeittransparenz, die vorher nicht existierte. Wie dieser Regelkreis aufgebaut ist, erklärt der Beitrag zur Prozesssteuerung.

    Bei vollautomatischen Montagelinien (Konsumgüter, Filtertechnologie) hat die SPS-basierte Alarmerfassung mit automatischer Stillstandsüberwachung die Korrelation von SPS-Alarmen mit Stillständen und Qualitätsdefekten ermöglicht. Systematische Ursachen wurden identifiziert und abgestellt: 10 % weniger Stillstände, 8 % höhere Anlagenverfügbarkeit und 15 % weniger Ausschuss. Das Entscheidende: Die Anlagen liefen vorher schon. Aber ohne die automatische Prozessüberwachung waren die Zusammenhänge zwischen Alarmen und Qualitätsproblemen nicht sichtbar.

    Bei einem Automobilzulieferer mit Spritzguss-, Kaltschäum- und Stanzprozessen hat die konzernweite Prozessüberwachung über 500+ Anlagen in mehreren Werken innerhalb von 6 Monaten zu 4 % weniger Stillständen, 3 % höherer Ausbringung und 8 % besserer Verfügbarkeit geführt. Der Effekt skaliert: Je mehr Anlagen überwacht werden, desto besser wird die Vergleichbarkeit zwischen Werken, Linien und Schichten.


    Häufige Fragen zur Prozessüberwachung

    Was ist Prozessüberwachung in der Fertigung?
    Prozessüberwachung ist die kontinuierliche Erfassung und Auswertung von Prozessparametern (Taktzeiten, Stückzahlen, Stillstände, Temperatur, Druck), um Abweichungen vom Sollzustand zu erkennen, bevor sie zu Ausschuss, Stillständen oder Qualitätsproblemen führen.

    Was ist der Unterschied zwischen Prozessüberwachung und Condition Monitoring?
    Prozessüberwachung überwacht den Fertigungsprozess (läuft die Produktion wie geplant?). Condition Monitoring überwacht den Maschinenzustand (wann droht ein Ausfall?). Prozessüberwachung arbeitet in Echtzeit, Condition Monitoring analysiert Trends über Tage bis Wochen.

    Warum reicht manuelle Prozessüberwachung nicht aus?
    Manuelle Erfassung kommt zu spät (Schichtende statt Echtzeit), erfasst keine Mikrostillstände (8 bis 12 % der Verluste) und liefert isolierte Zahlen ohne Korrelation. Automatische Prozessüberwachung macht Abweichungen sofort sichtbar und verknüpft Stillstände mit Aufträgen, Produkten und Maschinen.

    Welche Systeme werden für die Prozessüberwachung eingesetzt?
    Auf Maschinenebene übernimmt die SPS die Parameterüberwachung. Auf Produktionsebene erfasst ein MES Taktzeiten, Stückzahlen, Stillstände und OEE in Echtzeit. Für statistische Qualitätsüberwachung kommt SPC-Software zum Einsatz. In der Praxis werden die Systeme kombiniert.

    Wie schnell zeigt automatische Prozessüberwachung Ergebnisse?
    In der Praxis werden messbare Verbesserungen typischerweise innerhalb der ersten Wochen sichtbar, weil allein die Transparenz über Stillstände und Taktzeiten Handlungsdruck erzeugt. Bei einem Pharma-Verpackungsbetrieb wurden alle Linien innerhalb von 3 Wochen angebunden, mit 12 % höherer Ausbringung und 8 % besserer Verfügbarkeit als Ergebnis.

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    In einer Live-Demo zeigen wir, wie Prozesswerte an der Maschine erfasst werden und ein Alarm Ihr Team benachrichtigt, sobald ein Wert eine von Ihnen gesetzte Grenze überschreitet.

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    Über den Autor

    Christian FiegHead of Sales

    Six Sigma Black Belt mit über 25 Jahren in der Fertigungsindustrie, zuvor bei Johnson Controls, Visteon, iTAC und Dürr. Autor des Buchs „OEE: Eine Zahl, viele Lügen“.

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